27.12.12

Kinostart

"Ludwig II." zeigt den König nüchtern und ohne Charisma

Kaum ein anderes deutsches Herscher-Leben ist so oft verfilmt worden wie das des berühmten Bayernkönigs Ludwig II.

Foto: dpa

Sabin Tambrea spielt Ludwig II.
Sabin Tambrea spielt Ludwig II.

Am Anfang flüstern sehnsüchtig die Geigen, und am Ende noch mal. Zum ersten Auftritt König Ludwigs und zu seinem letzten erklingt Musik von Richard Wagner. Wenigstens musikalisch soll dieser Monarch in Schönheit sterben, auch wenn er als lebensmüder Psychiatrie-Insasse schnöde im Starnberger See ins Wasser geht, mit 41 Jahren.

Auf keinem europäischen Thron der Neuzeit hat je ein solcher Sonderling gesessen. Mal fühlte er sich als Gralsritter, mal als wiedergeborener Ludwig XIV. Mit goldener Maske ließ sich Ludwig II. von Bayern durch seine Berge kutschieren, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Denn Ludwig lebte nachts, nahm sein Frühstück gegen 19 Uhr, lunchte um Mitternacht und ließ sich um sechs Uhr morgens das Abendbrot servieren. Was er zuletzt an politischen Neuigkeiten zur Kenntnis nahm, übermittelten ihm seine Friseure. Wirklich interessierten ihn Wagneraufführungen und Schlösserbauten.

Schon immer hat dieser Mann gerade die künstlerischen Gemüter fasziniert. Helmut Käutner oder Luchino Visconti etwa. Die neue Ludwig-Version von Peter Sehr und Marie Noelle huldigt dem Mythos vom Künstler-König und Außenseiter, setzt aber den Akzent ganz klar auf das Exzentrische. Ludwig war, wir wissen es heute, eine Exquisit-Tunte, eine Diva allererster Kategorie. Zum Glück gibt ihm wenigstens der nüchterne Richard Wagner (hinreißend als halber Clochard gespielt von Edgar Selge), den der junge König anscheinend tatsächlich trotz seines angejahrten, wenig anziehenden Äußeren liebte, zu verstehen: "Ich bin nicht Lola Montès!"

Irgendwann driftet Ludwig ab

Aber wer könnte diese Rolle bei Ludwig einnehmen? Cousine Sisi kommt nur für eine schwesterliche Freundschaft in Frage. Die Verlobung mit Sophie (Paula Beer) löst er schnell wieder. Einzig mit Richard Hornig (Friedrich Mücke), der vom "Bereiter" zur grauen Eminenz aufsteigt, verbindet Ludwig mehr als schmachtende Blicke oder geiles Leiberreißen. Hier hätte er vielleicht die Liebe seines Lebens finden können, doch er traut sich nicht.

Sehr schön zeigt der Film, wie der König anfänglich einigermaßen die Balance zu halten vermag zwischen seiner politischen Rolle und seinen musischen Interessen. Doch irgendwann driftet Ludwig ab. Der Monarch verfällt immer mehr seinen Phantasmagorien und igelt sich ein. Bis kommt, was kommen muss: Entmachtung und Entmündigung.

Peter Sehr und Marie Noelle haben ein klassisches Biopic vorgelegt. Sie schwelgen in Kostümen, Uniformen, Prachtkulissen, aber zeigen auch die Konflikte. Ihre Sicht auf den "Kini" entspricht dem heutigen Forschungsstand. Nur Geheimnis und Charisma, wie sie noch Helmut Berger bei Visconti zu Gebote standen, die fehlen leider den beiden Ludwig-Darstellern ganz. Mehr Aufklärung als Aura also, mehr Fernsehspiel als Melodram. Der Mythos Ludwig hat sich eben offenbar erledigt.

Kinostart am 27. Dezember 2012, Drama:D 2012, 143 Min., von Peter Sehr und Marie Noelle, mit Sabin Tambrea, Friedrich Mücke, Edgar Selge, Hannah Herzsprung

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