31.12.12

Hauptstadtflughafen

Neue Mängel – Warum am BER die Computer heiß laufen könnten

Das Kühlsystem am BER muss nachgerüstet werden, bei der Betankungsanlage soll geschlampt worden sein. Der Eröffnungstermin wackelt wieder.

Von Thomas Fülling und Joachim Fahrun
Foto: picture alliance / ZB

Zwangspause: Aktuell sind nur wenige Arbeiter auf der BER-Baustelle in Schönefeld unterwegs
Zwangspause: Aktuell sind nur wenige Arbeiter auf der BER-Baustelle in Schönefeld unterwegs

Wer in diesen Tagen zum neuen Flughafen nach Schönefeld fährt, der bekommt viele Bauzäune, aber kaum Bauarbeiter zu sehen. Dabei sollte dort längst wieder kräftig geschraubt, montiert und getestet werden. Spätestens Mitte November sollten die Arbeiten wieder hochgefahren werden, hatte die Flughafen-Geschäftsführung im Frühherbst angekündigt. Damit könne der Hauptstadt-Airport mit dem internationalen Kürzel BER – das wichtigste Infrastrukturvorhaben im Osten Deutschlands – nach drei Terminabsagen am 27. Oktober 2013 endlich in Betrieb gehen.

Probleme mit Computerkühlung und Tankanlage

Doch haben die Techniker bei ihrer Revision der Anlagen offenbar neue Probleme gefunden. Der neueste Controlling-Bericht der Flughafengesellschaft zum vierten Quartal 2012, aus dem der "Spiegel" zitiert, nennt weitere Pannen über die bekannten Schwierigkeiten mit dem Brandschutzsystem hinaus. Auch die Kühlung der zentralen Computeranlage bekommen die Techniker bislang nicht in den Griff. Die Kälteaggregate seien offenbar falsch dimensioniert. Es drohten die Überhitzung und Notabschaltung der Kältemaschinen.

Dabei geht es offenbar um Grundsätzliches: Die "Anlagenstruktur" erfülle "nicht die erforderlichen Versorgungsbedingungen", schreibt die Flughafengesellschaft selbst. Die Nachrüstung der Kühltechnik für das Rechenzentrum solle neu ausgeschrieben werden. Zudem bereite die komplexe Tankanlage unterhalb des Rollfeldes Probleme. Bisher gibt es keinen Sicherheitsnachweis für das verzweigte, kilometerlange Rohrleitungssystem.

Seit Wochen versuchten Spezialisten externer Firmen, die Mängel an der "Unterflurbetankungsanlage" zu beheben. Sie sollen, so der Spiegel, auf "Schlampereien gestoßen sein, Rohrverbindungsstücke hätten nicht exakt gepasst".

Die Flughafengesellschaft reagierte gewohnt wortkarg. "Die im Controllingbericht genannten Mängel sind bekannt und werden behoben", sagte ein Sprecher. Wie viel Zeit aber etwa die Ausschreibung der Kühltechnik benötigen werde, dazu gab es keine Auskünfte.

Zeitplan für BER-Eröffnung bedenklich ins Wanken geraten

Dabei ist Skepsis allgegenwärtig, denn der Zeitplan ist längst wieder bedenklich ins Wanken geraten. Es gebe Anzeichen dafür, dass der Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 möglicherweise nicht gehalten werden kann, hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erst vor wenigen Tagen gesagt. Der Bund ist neben den Ländern Berlin und Brandenburg Gesellschafter der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH (FBB) und damit auch Mit-Bauherr des neuen Airports. Kurz zuvor hatte eine mit Fachleuten besetzte Sonderkommission des Bundesverkehrsministeriums die Flughafen-Baustelle inspiziert und konstatiert, dass die Arbeiten seit dem Sommer so gut wie nicht vorangekommen sind.

Die Soko-Gutachter rügten Baumängel und Planungspannen. So soll etwa am Flughafen-Bahnhof bei Wind Regenwasser von der Terminalfassade in die Öffnungen der Lüftungssysteme laufen. Die Rolltreppen zwischen Bahnhof und Plaza im Terminal sind offenbar zu kurz geraten. Laut Soko-Protokoll gebe es am Flughafen Bereiche "von mehreren Tausend Quadratmetern, die sich im Rohbauzustand befinden". Die FBB hat sich zum Bericht bisher nicht geäußert, die Mängel aber auch nicht dementiert.

Die Flughafen-Manager haben ohnehin ganz andere Sorgen. Geschäftsführungs-Sprecher Rainer Schwarz würde zumindest der Bund am liebsten in die Wüste schicken, der neue Technik-Chef Horst Amann büßte beim Aufsichtsratschef Klaus Wowereit Vertrauen ein, als er kürzlich mitteilte, die Baukosten seien doch um 250 Millionen Euro gestiegen und die Reserven damit fast aufgezehrt.

Aber das eigentliche Problem des neuen Airports sind nicht zu kurze Rolltreppen, auch nicht das Geld oder ein paar unverputzte Wände, das eigentliche Problem ist der nicht funktionierende Brandschutz im Terminal. Dieses unter anderem aus 16.000 Brandmeldern, 50.000 Sprinklerköpfen und 3400 Brandschutzklappen bestehende System hat bislang noch nie so funktioniert, wie in der Baugenehmigung gefordert.

Dieses Manko hatte bereits im Frühjahr 2012 den Eröffnungstermin 3. Juni platzen lassen. Zwar versichern alle Beteiligten, dass die Brandschutzanlage funktionstüchtig sein kann, doch keiner will derzeit seine Hand dafür ins Feuer legen, dass es beim angekündigten BER-Start bleibt. "Der Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer", lautet etwa die salomonische Ansage vom BER-Technikchef Horst Amann.

Beobachter halten weitere Terminverschiebung wahrscheinlich

Gewissheit sollen nun die ersten zwei Monate des neuen Jahres bringen. Bis Ende Februar will die Flughafengesellschaft gemeinsam mit den Herstellerfirmen Siemens und Bosch die Brandschutzanlage in insgesamt 30 Probeläufen ausgiebig testen. Eine erste Testserie mit sogenanntem Heißgas (mit dem ein Feuer simuliert wird) Anfang Dezember ist nach Flughafen-Angaben "erfolgreich" verlaufen. Kurz darauf konstatierte der Chef der Bauaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald, Landrat Stephan Loge (SPD), die Brandmeldeeinrichtungen und die Steuerung der Einrichtungen zum Feuerlöschen seien noch immer nicht kompatibel.

Gelingt es der Flughafengesellschaft nicht, die Zuverlässigkeit und Wirksamkeit der teilweise abweichend von der Baugenehmigung errichteten Brandschutzsysteme nachzuweisen, muss umgebaut werden. Das wird nicht nur viel Geld, sondern auch viel Zeit kosten. Viele Beobachter halten daher eine erneute Terminverschiebung – dann mindestens bis zum Flugplanwechsel im Frühjahr 2014 – für sehr wahrscheinlich.

Immerhin soll es Anfang Januar am BER mit dem Bauen nun wieder richtig losgehen. Dem Vernehmen nach gibt es einen Terminplan für alle noch offenen Arbeiten. Er sei so getaktet, dass der Probebetrieb im Mai beginnen könne, heißt es. Fünf Monate Testlauf bis in den Oktober hinein halten Experten bei einem neuen Flughafen für das Minimum.

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Verschobene Termine
  • Pannenserie

    Seit dem Spatenstich im September 2006 sind drei Anläufe, am BER Eröffnung zu feiern, gescheitert.

  • 30. Oktober 2011

    Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

  • 3. Juni 2012

    Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

  • 17. März 2013

    Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

  • 27. Oktober 2013

    Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin als neuen Eröffnungstag fest.

  • Mitte November

    Laut Amann sollten die Bauarbeiten am BER bereits in diesen Tagen wieder „richtig losgehen“. Nach dem Zeitplan müssen diese bis Ende Mai abgeschlossen sein, damit dann ein fünfmonatiger Probebetrieb beginnen kann. Mit einer Kapazität von 27 Millionen Passagieren soll der BER die Nummer drei in Deutschland hinter Frankfurt und München werden.

  • Baukosten

    Die Kosten für den Flughafen sind inzwischen auf 4,3 Milliarden Euro hochgeschnellt. Ursprünglich sollten es 2,4 Milliarden Euro sein. Zuletzt stiegen die Kosten besonders wegen zusätzlichen Schallschutzes (305 Millionen), einiger Erweiterungsbauten, höherer Passagierzahlen (276 Millionen), der Terminverschiebungen (300 Millionen) und der Risikovorsorge.

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