14.07.12

Neun tote Rinder

Landwirte sorgen sich wegen mit Milzbrand infizierter Tiere

Eine Kuh wird tot auf der Brandenburger Seite der Elbe angeschwemmt. Rund 50 Menschen wurden vorsorglich mit Antibiotika behandelt.

Foto: DPA
Milzbrand in Rinderherde ausgebrochen - Kadaver in Elbe
Skurrile Szene: Feuerwehrleute in Schutzkleidung ziehen den aufgedunsenen Kadaver mit Seilen aus dem Fluss

Im Norden Sachsen-Anhalts, im Landkreis Stendal, ist eine Rinderherde an Milzbrand erkrankt. Die Ursache ist zunächst unklar. Der Kadaver eines der Tiere wurde auf Brandenburger Seite der Elbe angespült. Das Landwirtschaftsministerium hat sich in dem Fall eingeschaltet und mitgeteilt, die zuständigen Länderbehörden vor Ort hätten alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit ergriffen, sagte eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf Anfrage am Freitag. Die Behörde sieht in den Fällen ein "lokales Geschehen". "Wir stehen in engem Kontakt mit den Ländern", sagte die Sprecherin weiter.

50 Menschen behandelt

Etwa 50 Menschen wurden vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Sie hätten Kontakt zu den im Landkreis Stendal erkrankten Rindern gehabt, sagte der Sprecher des Landratsamtes Stendal, Edgar Kraul, am Freitag.

Inzwischen hat sich die Zahl der toten Tiere um zwei auf neun erhöht. Ein totes Rind, das in die Elbe gestürzt war, wurde am Freitag von der Feuerwehr auf Brandenburger Seite gegenüber dem niedersächsischen Städtchen Schnackenburg aus dem Fluss geborgen. Feuerwehrleute zogen den aufgedunsenen Kadaver mit Seilen aus den Fluten. Dabei trugen die Männer umfangreiche Schutzkleidung und Masken. Vorsorglich wurden auch Schilder zur Warnung von Spaziergängern und Anwohnern aufgestellt.

Das zuständige Veterinäramt in Brandenburg geht nach dem Fund des mit Milzbrand infizierten Rindes in der Elbe jedoch nicht von einer erhöhten Gefährdung aus. "Das Rind ist relativ schnell aufgefunden worden", sagte Tierärztin Birgit Klückmann vom Veterinäramt des Landkreises am Freitag.

"Das Risiko, dass ein anderes Tier mit dem Kadaver in Berührung gekommen ist, geht gegen null."

Die Herde, die etwa 50 Tiere umfasst und im Landkreis Stendal steht, sei inzwischen auf eine andere Weide gebracht worden, um eine Ansteckung weiterer Tiere zu verhindern. Es werde nicht erwogen, die Rinder vorsorglich zu töten, sagte der Sprecher des Agrarministeriums in Magdeburg, Detlef Thiel, auf Anfrage. "Ab Montag werden Experten des Robert Koch-Instituts (RKI) die Weide der Tiere untersuchen", sagte Landratsamtssprecher Kraul.

Die Infektionskrankheit hatte sich in einer Herde von Mutterkühen verbreitet. Daraufhin waren der Tierbestand gesperrt und ein Handelsverbot für die Rinder ausgesprochen worden.

Neue Infektionen unwahrscheinlich

Da die Sporen im Boden Jahrzehnte überleben können, werde geprüft, ob die betroffene Weidefläche in der Vergangenheit ein Platz war, auf dem verendete Tiere begraben wurden. Eine Massenansteckung werde indes nicht befürchtet, sagte der Sprecher des Agrarministeriums weiter. Wenn die Tiere vom Herkunftsherd entfernt würden, seien neue Infektionen eher unwahrscheinlich.

Eines der Tiere war offenbar am Ufer zusammengebrochen, in die Elbe gefallen und von den Fluten mitgerissen worden. Eine Reiterstaffel der Polizei entdeckte den Rinderkadaver am Elbufer in Brandenburg bei Lütkenwisch. Wie der Landkreis Lüchow-Dannenberg unter Berufung auf den Landkreis Prignitz mitteilte, brachte ein Abgleich der Ohrmarken am Freitag Gewissheit, dass es sich um ein Tier aus der betreffenden Herde handelt. Gerüchte, wonach zwei Rinder vermisst werden, seien vom Landkreis Stendal dementiert worden.

Milzbrand ist eine Infektionskrankheit, die durch ein Bakterium (Bacillus anthracis) verursacht wird und meist Paarhufer befällt. Auch Menschen können daran erkranken, wenn sie einer hohen Sporendosis ausgesetzt sind. Die letzten Fälle in Deutschland traten 2009 in Bayern auf. In der Altmark gab es den letzten Fall laut Landratsamt im Jahr 1860.

Weltweit erkranken nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation jährlich rund 2000 Menschen vor allem in Afrika und Asien. Symptome sind Fieber, eine Schwellung und Verfärbung der Milz und ein allgemeiner Kräfteverfall. Schlagzeilen machte der Erreger vor allem wegen seiner möglichen Verwendung für die biologische Kriegführung. Mehrfach wurden in den vergangenen Jahren Briefumschläge mit Anthrax-Sporen etwa an Regierungsstellen in den USA verschickt.

Quelle: dapd/tj
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alle Hoffnungen ruhen auf ihr: Cascada tritt für Deutschland an
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Die Teilnehmer und ihre Chancen

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...

Anish Kapoor Press Conference
17.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonnabend, den 18. Mai. mehr...


Hoch hinaus: Breakdancer am Blücherplatz stimmen auf das Multi-Kulti-Fest ein
07:36Karneval der Kulturen
Kreuzberg ist bis Pfingstmontag wieder die Bühne der Welt

Der Karneval der Kulturen hat mit dem obligatorischen Straßenfest am Blücherplatz begonnen. Höhepunkt ist wieder der große Umzug am Pfingstsonntag. Dazwischen machen viele Events Kreuzberg schön bunt. mehr...


Knut Hechtfischer (li.) und Frank Pawlitschek haben Ubitricity gegründet
11:17Elektromobilität
Warum Ubitricity Berlins liebstes Öko-Start-up ist

Das junge Duo entwickelt Ladegeräte für E-Autos. Damit wollen sie Berlins Straßenlaternen ausrüsten. Von der Idee ließ sich auch ein namhafter Investor wie Ex-Bahnchef Heinz Dürr locken. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote