Verkehr

Siemensbahn könnte bald bis nach Tegel fahren

Die stillgelegte Siemensbahn im Spandauer Ortsteil Siemensstadt: Der denkmalgeschützte Bahnhof Werner-Werk verfällt

Foto: Michael Brunner

Die stillgelegte Siemensbahn im Spandauer Ortsteil Siemensstadt: Der denkmalgeschützte Bahnhof Werner-Werk verfällt

Seit 1980 ist die Spandauer Siemensbahn stillgelegt. Jetzt könnte die Strecke mit Verlängerung nach Tegel wieder in Betrieb gehen.

Zugewachsene Gleise, verrostete Träger, ausgebrochene Schwellen, löcherige Überdachungen, Brückenruinen, überall Müll und Graffiti – seit mehr als 35 Jahren fährt auf der Siemensbahn in Spandau kein Zug mehr. Die kaum fünf Kilometer lange S-Bahntrasse in Siemensstadt verfällt.

Für die Bewohner des Ortsteils sind die 1929 eröffneten Anlagen ein Schandfleck. Dabei stehen die Bahnhöfe Gartenfeld, Werner-Werk und Siemensstadt sogar unter Denkmalschutz. Die Firma Siemens ließ sie mit den Gleisanlagen auf eigene Kosten errichten, um ihre Mitarbeiter aus Berlin in ihre neuen Kabelwerke vor den Toren der Stadt zu befördern.

Ob Baustadtrat Carsten Röding (CDU), der Spandauer Abgeordnete Daniel Buchholz (SPD) oder sein Parteikollege Swen Schulz im Bundestag: Lokal-, Landes- und Bundespolitiker aus Spandau hoffen seit Jahren auf eine Wiederinbetriebnahme der nach dem Reichsbahnerstreik 1980 stillgelegten Strecke der damaligen S4. Ihre Idee einer Erschließung der"Wasserstadt Oberhavel" im Spandauer Nordosten über die reaktivierte Siemensbahn galt jedoch bei Bund und Senat als wenig rentabel.

Vorhandene Trasse stellt wesentlichen Vorteil dar

Doch wegen der ungeklärten Erschließung des Tegeler Flughafengeländes nach dem Ende des Flugbetriebes scheint Bewegung in die festgefahrene Diskussion über die Zukunft der Siemensbahn zu kommen. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) hat angekündigt, mittelfristig nach einer Lösung für die historische Strecke zu suchen. "Angesichts der wachsenden Stadt und absehbarer dynamischer Entwicklungen auch in Teilbereichen des Einzugsgebiets der Siemensbahn hat diese Fragestellung sicherlich an Aktualität gewonnen", so Geisels Sprecherin Petra Rohland. "Zumal eine vorhandene Trasse mit entsprechender rechtlicher Absicherung einen ganz wesentlichen Vorteil darstellt."

Die Deutsche Bahn (DB) als Eigentümer hat mehrmals beim Senat eine Entwidmung der Trasse beantragt. Die Landesregierung möchte sich jedoch die Option einer Wiederinbetriebnahme erhalten und hat die Anträge abgelehnt. 500.000 Euro jährlich kostet die Sicherung der ungenutzten Trasse die DB AG derzeit nach eigenen Angaben jährlich. DB-Sprecher Burkhard Ahlert verweist auf den hohen Aufwand zur Reaktivierung der verfallenen Strecke.

"Die Wiederinbetriebnahme der Siemensbahn und die Verlängerung Richtung Tegel ist immer wieder in der Diskussion", sagte Ahlert der Berliner Morgenpost. Brücken, Gleise, Schwellen müssten erneuert werden. "Das wird teuer", prognostizierte Ahlert. Genaue Zahlen seien allerdings noch nicht ermittelt worden.

Schlüssiges Verkehrskonzept für Flughafengelände liegt noch nicht vor

Berlin möchte nach Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld auf dem Tegeler Flughafen einen Industrie- und Forschungspark für Urbane Technologie errichten. In "Berlin TXL" sollen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen gemeinsam daran arbeiten, die Städte der Zukunft zu entwickeln. Wohnungen sind ebenfalls geplant, über deren Anzahl wird aber noch gestritten. Verkehrs- und Fahrgastverbände kritisieren, dass ein schlüssiges Verkehrskonzept für das Tegeler Flughafengelände nach der Stilllegung nicht vorliegt.

So betrachtet der von Ingenieuren gegründete "Verkehrspolitische Informationsverein" (VIV) genauso wie der Fahrgastverband Igeb die Wiederinbetriebnahme der Siemensbahn als naheliegenden Schritt, um das Verkehrsproblem in Tegel zu lösen. Ihre Vorschläge reichen von der Sanierung der alten Siemensbahn zwischen Jungfernheide (mit Anschluss an die Ringbahn) und Gartenfeld mit Verlängerung weit auf das Flughafenareal (siehe Grafik) bis zu einer Trassenverlängerung mit Anschluss an die Station Seidelstraße der U6.

Sinnvolle Anbindung des Airports Tegel an das Schnellbahnnetz

Der Berliner Autor Michael Hertel betrachtet in seinem Buch "Rettet die Siemensbahn" die Nachnutzung des Flughafens Tegel als "letzte Chance, die Strecke zu erhalten und sinnvoll in ein modernes Berliner Schnellbahnnetz zu integrieren". Auch angehende Architekten der Technischen Hochschule Stuttgart ließen ihrer Fantasie freien Lauf. Ihre Ideen reichen von einem Schwimmbad im Bahnhof Werner-Werk über eine Kanustrecke im Gleisbett bis hin zu einem Fuß- und Radweg.

Wegen der erwarteten hohen Kosten, und der Anforderungen an den Denkmalschutz möchte sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch nicht festlegen, "ob, wann und in welcher Form die Siemensbahn wieder als Verkehrsweg genutzt werden kann". Auch Stufenkonzepte oder eine Zwischennutzung als Schnellradweg seien denkbar, sagte Sprecherin Rohland. "Der Senat wird sich dieser Fragestellung demnächst mit verstärkter Aufmerksamkeit widmen", kündigte sie an.

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