Bei Bauarbeiten an der S-Bahnbrücke über die Treskowallee in Berlin-Karlshorst ist am Sonnabendnachmittag gegen 17 Uhr eine Arbeitsbühne eingestürzt. Zu dem Unfall kam es im Bereich des ehemaligen Bahnhofsgebäudes. Auch ein Teil der Brücke brach ein, an der zurzeit Teile ausgetauscht werden.
Bei den Arbeiten sollte ein neues Segment einer an der Treskowallee verlaufenden Fußgängerbrücke eingesetzt werden. Zwei Flaschenzüge sollten das sieben Tonnen schwere und zwölf mal vier Meter große Eisenteil an die richtige Stelle absenken, wie Jens Peter Wilke, Sprecher der Berliner Feuerwehr, sagte.
Einer der Flaschenzüge versagte offenbar, dass riesige Brückenteil krachte durch die Decke in die derzeit nicht benutzte Halle des S-Bahnhofs Karlshorst.
Bauarbeiter stirbt im UKB an schweren Verletzungen
Drei Bauarbeiter wurden bei dem Unfall verletzt. Ein 42 jahre alter Arbeiter wurde mit einer Beckenfraktur und schweren Schädel-Hirn-Verletzungen ins Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) geflogen. Einen 44 jahre alten Kollegen brachte ein Helikopter mit einer Wirbelsäulenverletzung ins Krankenhaus Friedrichshain. Ein dritter leicht verletzter Mann (29) wurde vor Ort von den Rettungskräften behandelt.
Am Abend bestätigte UKB-Sprecherin Angela Kijewski der Berliner Morgenpost, dass der Bauarbeiter seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus erlag. Der verstorbene Mann aus Berlin-Neukölln stammen. Vermutlich wurde er von dem herabstürzenden Eisenteil voll getroffen.
Rund 20 Arbeiter waren zum Zeitpunkt des Unfalls an der Baustelle tätig. Die unter Schock stehenden Männer sollen zu einem späteren Zeitpunkt zum Unfallhergang befragt werden. Ein Psychologe kümmerte sich um die Arbeiter, die mit ansehen mussten, wie ihre Kollegen von dem Eisenteil getroffen wurden. Passanten waren nicht betroffen.
„Jetzt geht es darum, den Bauarbeitern zu helfen, die erleben mussten, wie ihre Kollegen verunglückten. Das ist jetzt wichtig“, sagte Martin Steuer vom Technischen Hilfswerk.
Bahnverkehr wieder freigegeben
Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Polizei waren am Unglücksort im Einsatz. Mit dicken Holzbohlen stabilisierten Technisches Hilfswerk und Feuerwehr am Abend das Brückenteil, das in der Bahnhofsvorhalle wie eine angelehnte Treppe hing.
Rund 40 Kräfte des Technischen Hilfswerks sowie 30 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Wie das Brückenteil geräumt werden kann, stand am Abend noch nicht fest.
Der Fern- und Regionalverkehr wurde über den Bahnhof Gesundbrunnen umgeleitet. Reisende mussten deutliche Verspätungen in Kauf nehmen. Gegen 21.20 Uhr wurde der Bahnverkehr auf der Strecke dann wieder freigegeben.
Die S-Bahn fährt wegen der Bauarbeiten ohnehin nicht am Wochenende. Auch die Treskowallee ist wegen der Bauarbeiten zurzeit gesperrt.
Experten prüfen Baustelle
Am Montag sollten die Bauarbeiten am S-Bahnhof Karlshorst beendet sein, die S-Bahn wieder planmäßig fahren. Auch die Treskowalle sollte wieder freigegeben werden. Ob dies der Fall sein wird, ist noch unklar.
Experten des Eisenbahnbundesamtes prüfen die Bahnanlagen und das abgestürzte Bauteil. Ob das Bahnhofsgebäude beschädigt wurde, stand noch nicht fest. Zunächst müsse ein Prüfstatiker die Lage beurteilen, hieß es.
Am Sonntag soll dann bekanntgegeben werden, ob die Bauarbeiten wie geplant zu Wochenbeginn abgeschlossen werden können oder sich nach dem Unfall noch länger hinziehen werden. Der alte Bahnhof wird seit Monaten von Grund auf erneuert.
Die Berliner Kriminalpolizei hat inzwischen Ermittlungen wegen Baugefährdung eingeleitet, das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin (LAGetSi) ermittelt ebenfalls.
















