Charlottenburg

Geschäftsleute an der Bleibtreustraße kämpfen für die Gaslaternen

140 Geschäftsleute haben sich in einem offenen Brief an Noch-Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) gewandt. Sie fürchten Umsatzeinbußen, wenn das warme gelbe Gaslicht verschwindet.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Die Berliner Gasreihenleuchten sind bereits fast vollständig verschwunden. Nur 239 der 8400 sollen bei der Umrüstung von Gas- auf Elektrolicht stehen bleiben. Beispielsweise in der Dernburg- und Knobelsdorffstraße. Weil es das Ziel des Senats ist, auch den Rest des öffentlichen Gaslichts – rund 35.000 Straßenleuchten, davon der Hauptteil die für Berlin typischen Aufsatzleuchten – auszutauschen, haben sich jetzt 140 Geschäftsleute aus der Bleibtreu- und der Giesebrechtstraße in einem offenen Brief an Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) gewandt. Sie fürchten Umsatzeinbußen, wenn das warme gelbe Gaslicht gegen Laternen mit weißem Leuchtstoffröhrenlicht ausgetauscht wird. Und fordern deshalb den Erhalt des Gaslichts in den Nebenstraßen des Kurfürstendamms.

Unterstützt hat die Initiative der Verein Gaslicht-Kultur, der sich seit Jahren für den Erhalt der Berliner Gas-Straßenbeleuchtung einsetzt. Projekte wie in Neukölln, wo einige Hundert Gasleuchten gegen "LED-betriebene Gaslaternenimitate" ausgetauscht werden sollen, nennt Vereinsvorsitzender Bertold Kujath reine "Vorzeigeprojekte". Schon aus Kostengründen könnten niemals die noch vorhandenen rund 35.000 Gasleuchten gegen diese Imitate ausgewechselt werden. Der Senat habe aus finanziellen Gründen die von ihnen geforderte Anzahl von 5000 zu erhaltenen Gasleuchten in Berlin auf 3500 reduziert.

Händler fürchten um Atmosphäre

"Die Bleibtreustraße hat viel Atmosphäre aufgrund der sehr individuellen kleinen Geschäfte und vielen netten Cafés und Restaurants. Ein bisschen wie in Italien, gerade wenn man im Sommer bis in den späten Abend draußen sitzt. Das warme Licht der alten Gaslaternen trägt zu dem lauschigen Ambiente bei", sagt auch Anja Essner, Inhaberin des Modegeschäfts FINNs aus der Bleibtreustraße 47. Die neue Beleuchtung wäre eher kühl, die jetzige Atmosphäre werde leiden. "Manchmal lohnt es, das Alte zu bewahren, auch wenn das dann etwas mehr kostet", findet die Geschäftsfrau.

Das findet auch der Verein Gaslicht-Kultur. "Das weltbekannte berühmte Berliner Gaslicht ist eine Touristenattraktion. Solch ein Erbe einfach zu verschrotten, ist nicht nachvollziehbar. Es wäre klüger für die Zukunft der Stadt, die Gasbeleuchtung als Weltkulturerbe zu beantragen", sagt Vereinschef Kujath. Von der Senatsverwaltung war am Montag keine Stellungnahme zu erhalten.

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