Historische Leuchten Gericht soll Abbau von Berliner Gaslaternen stoppen

Foto: Marion / Marion Hunger

Der Streit um den Abbau historischer Gaslaternen geht weiter: Nun hat ein Dahlemer beim Verwaltungsgericht einen Eilantrag zum Erhalt der Leuchten gestellt. Auch Denkmalschützer sollen einschreiten.

Immer mehr historische Gaslaternen verschwinden aus dem Berliner Stadtbild. Doch unter Berlinern und Bezirkspolitikern wächst der Widerstand gegen diesen Abbau. Am 6. März 2014 hat ein Anwohner der Ladenbergstraße in Dahlem einen Eilantrag beim Berliner Verwaltungsgericht gestellt. Er will den Abbau der Gasreihenleuchten stoppen, der Anfang März begonnen hat.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lässt in diesem Frühjahr in Neukölln 700 Stück, sogenannte Gasaufsatzleuchten, durch LED-Lampen ersetzen. Auch die gasbetriebenen Reihenleuchten aus den 50er-Jahren mit den Peitschenmasten werden weiter abgebaut. Mehr als 3000 von ihnen sind bereits 2013 durch Elektroleuchten ausgetauscht worden, mit neuen Peitschenmasten. Weitere 2500 sollen in diesem Jahr folgen, darunter in Frohnau, Hermsdorf und Zehlendorf. Vorgesehen ist, dass bis 2016 die einst 8000 Berliner Gasreihenleuchten abgebaut sind. Sie stehen meist an Erschließungsstraßen im Westteil der Stadt. Als Grund für den Abbau nennt der Senat den großen Energiebedarf und die hohen Kosten für die Instandhaltung dieser Laternen.

In Dahlem hatten mehr als 1000 Einwohner einen Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf unterschrieben, der den Abbau an Straßen und Plätzen in Lichterfelde-West und Lichterfelde-Ost, in Dahlem, Zehlendorf und Nikolassee stoppen soll. Dieser Einwohnerantrag verlangt außerdem, dass für Steglitz-Zehlendorf ein "Zukunftsplan Gasbeleuchtung" ausgearbeitet wird. Er soll Bereiche im Bezirk festlegen, in denen Gaslaternen aller Typen erhalten bleiben.

Anwohnerprotest gegen Abbau der Gaslaternen ohne Wirkung

Die BVV stimmte dem Antrag am 19. Februar 2014 zu. Sie beschloss auch einen Antrag der CDU, der das Anliegen unterstützte. "Passiert ist seither jedoch überhaupt noch nichts", sagte die Zehlendorferin Kristina von Wrede, die mit anderen zusammen die Unterschriften für den Einwohnerantrag gesammelt hatte. Der Abbau der Gasreihenleuchten am Corrensplatz und in der Ladenbergstraße habe dennoch begonnen. "Wir sind sehr enttäuscht." Auch eine Protestdemonstration blieb ohne Wirkung. Deshalb habe einer der Anwohner die einstweilige Verfügung beantragt. "Wir sehen keine andere Möglichkeit, den Abbau der Leuchten in Dahlem zu stoppen." Es gehe um mindestens 50 Laternen.

"Wir wollen Zeit gewinnen", so die Kunsthistorikerin, "damit das Landesdenkmalamt die Lampen auf ihren Denkmalwert prüfen kann." Ein wichtiger Punkt sei das Licht der Gaslaternen. "Das ist so viel schöner und angenehmer als das kalte Licht der elektrischen Leuchten." Unterstützt werden die Steglitz-Zehlendorfer vom Verein Gaslicht-Kultur. "Es ist ein Novum, das sich Anwohner gerichtlich gegen den Abriss von Gaslaternen vor ihrer Haustür wehren", sagte Vereinschef Bertold Kujath. "Wir sind gespannt, wie es weitergeht." Die Gasreihenleuchten in Zehlendorf seien technisch in Ordnung und müssten nicht abgerissen werden. In Punkto Gasleuchten setze derzeit berlinweit ein Umdenken ein, sagte Kujath.

In Charlottenburg-Wilmersdorf werden Laternen noch nicht abgebaut

In Charlottenburg-Wilmersdorf beschloss die Bezirksverordnetenversammlung im Januar 2014, dass die Gaslaternen, die noch nicht abgebaut werden, hinsichtlich ihres Denkmalwertes zu prüfen sind. Dafür soll sich das Bezirksamt beim Landesdenkmalamt einsetzen. Schon Ende 2012 hatte die BVV einen Antrag von Einwohnern angenommen, der einen Zukunftsplan für die Gasbeleuchtung im Bezirk fordert.

In Treptow-Köpenick wollen die Bezirksverordneten erreichen, dass die historischen Gasleuchten unter Denkmalschutz gestellt werden. Die BVV beschloss Anfang März 2014 auf Antrag von SPD, CDU, Linken und Grünen, dass das Bezirkssamt sich dafür beim Landesdenkmalamt einsetzen soll.

Unterschriftensammlung in Friedrichshain-Kreuzberg

In Friedrichshain-Kreuzberg beginnt nun die Sammlung von Unterschriften für einen Einwohnerantrag. Auch für Tempelhof-Schöneberg, Mitte, Spandau, Reinickendorf seien solche Anträge in Vorbereitung, sagte Vereinschef Kujath. Formulare sind hier zu finden.

Der Abbau der Berliner Gaslaternen hat im Sommer 2012 begonnen. Von den fast 44.000 Exemplaren sind nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit Stand Januar 2014 noch rund 39.000 Gasleuchten verschiedener Typen übrig. Den größten Anteil machen mit rund 31.000 Exemplaren die Aufsatzleuchten aus.

700 Aufsatzleuchten werden ab Mai in Neukölln ersetzt

In Neukölln lässt die Landesbehörde ab Mai 700 dieser Aufsatzleuchten ersetzen. Die Gesamtkosten dafür liegen bei 2,9 Millionen Euro. Betroffen ist das Quartier zwischen Flughafenstraße, Karl-Marx-Straße, S-Bahn-Trasse und Tempelhofer Feld. "Dort werden zum ersten Mal in Berlin LED-Leuchten in größerem Rahmen eingebaut", sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Sie seien äußerlich den alten Laternen zum Verwechseln ähnlich. Das Licht könne gedimmt werden, sei angenehm und vom Gaslicht kaum zu unterscheiden.

"Einzelexemplare kann man sich schon an der Falckensteinstraße in Kreuzberg ansehen." Für das Neuköllner Vorhaben wurden Fördermittel bewilligt. Etwa 750.000 Euro stehen aus dem Umweltentlastungsprogramm zur Verfügung, weitere 280.000 Euro bewilligte das Bundesumweltministerium. Durch die LED-Lampen sollen der Energieverbrauch und die CO2-Emission erheblich sinken. 2016 werde das Abgeordnetenhaus entscheiden, ob die Umrüstung der Berliner Gasaufsatzleuchten weitergeht, sagte Petra Rohland. "Dabei werden die Erkenntnisse aus dem Neuköllner Projekt eine Rolle spielen."

3000 Gasleuchten sollen original erhalten bleiben

Derzeit sei vorgesehen, dass insgesamt nur 3000 Gasleuchten original erhalten bleiben. "Wir sind dazu mit dem Landesdenkmalamt und den Bezirken in Kontakt", so Sprecherin Rohland.

Vielen Berlinern reicht diese Zahl nicht aus. Vereine wie "Denk mal an Berlin", "Gaslicht-Kultur" und "Pro Gaslicht" kämpfen für den Erhalt der historischen Gasleuchten. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Berliner Bürgerverein Gartenstadt Frohnau setzen sich dafür ein, und Anwohnerinitiativen wie die Gruppe um Kristina von Wrede in Steglitz-Zehlendorf.

"Wir leben in diesem Bezirk und finden ihn wunderschön, so wie er ist", sagte die Kunsthistorikerin. "Auch mit den Gaslampen." Die kommenden Generationen sollten sich ebenfalls daran erfreuen können. "Zehlendorf, Dahlem und Steglitz haben schöne alte Häuser, die unter Denkmalschutz stehen. Wir sind daran interessiert, diese Ensembles zu erhalten, und können nicht verstehen, dass der Senat eine so kurzsichtigen Beschluss gefasst hat." Der Denkmalwert von Objekten werde zunehmend erkannt. "Die Berliner Mauer wurde abgerissen", so von Wrede, "und nun kommen Touristen und wollen sie sehen." Das Berliner Schloss sei gesprengt worden und werde wieder erbaut. Das Potsdamer Schloss sei zerstört und wieder errichtet worden. "Wir sehen, dass das Interesse an der Vergangenheit und daran, wie früher die Stadt aussah, ganz stark ist."

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