Marzahn-Hellersdorf

Ein Toter bei Brand in Hotel in Marzahn

In einem Hotel in der Allee der Kosmonauten ist ein Feuer ausgebrochen. Das Haus soll auch als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden sein.

Feuerwehrleute stehen vor dem Plattenbau an der Allee der Kosmonauten

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Feuerwehrleute stehen vor dem Plattenbau an der Allee der Kosmonauten

In einem Hotel in Marzahn ist am Sonntagmittag ein Feuer ausgebrochen, bei dem ein Gast ums Leben kam. Zwei 23 und 34 Jahre alte Männer hatten eine Rauchvergiftung erlitten, wie eine Polizeisprecherin sagte. Eine 34-jährige Frau trug Brandverletzungen im Gesicht davon.

Die Feuerwehr war an der Allee der Kosmonauten mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Ursache für den Brand war zunächst ungeklärt. Experten der Kriminalpolizei haben die Ermittlungen aufgenommen. Das Hotel war in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten, weil dort Flüchtlinge unter schlechten Bedingungen untergebracht worden waren.

200 Menschen mussten das "Aap Hotel" verlassen

Die Feuerwehr wurde am Sonntag um 12.26 Uhr telefonisch zum "Aap Hotel" alarmiert. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers stand ein Zimmer im ersten Obergeschoss des neunstöckigen Plattenbaus in Flammen. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. Allerdings hatte sich viel Rauch in dem Gebäude ausgebreitet. Die Feuerwehr war mit rund 60 Helfern im Einsatz. Sie evakuierte das gesamte Gebäude.

"Etwa 200 Menschen mussten die Räume während des Einsatzes verlassen", teilte der Feuerwehrsprecher weiter mit. In dem ausgebrannten Zimmer wurde ein Mann leblos aufgefunden. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Er hatte so erhebliche Mengen an giftigen Rauchgasen eingeatmet, dass er noch am Brandort verstarb.

Die Identität des Todesopfers stand am Sonntagabend noch nicht zweifelsfrei fest, wie die Polizei mitteilte. Die Ermittler vermuten allerdings, dass es sich um den 34 Jahre alten Bewohner des Zimmers handelt. "Der Hotelgast wurde seit dem Feuer nicht mehr gesehen", so eine Polizeisprecherin.

Brandursache möglicherweise Fahrlässigkeit

Drei Menschen erlitten so schwere Rauchvergiftungen, dass sie zur stationären Behandlung in Krankenhäuser gebracht werden mussten. Nach knapp einer Stunde hatten die Feuerwehrleute die Löscharbeiten beendet. Nachdem zur Sicherheit das gesamte Gebäude noch einmal kontrolliert und gründlich belüftet worden war, durften die Hotelgäste in die Zimmer zurückkehren.

Experten des Landeskriminalamtes nahmen noch am Abend die Ermittlungen zur Brandursache auf. Ermittelt werde in alle Richtungen. Hinweise auf einen politischen Hintergrund gab es laut Auskunft der Polizei zunächst nicht. Möglicherweise ist das Feuer durch Fahrlässigkeit oder einen technischen Defekt verursacht worden.

Das "Aap Hotel" und auch das unmittelbar benachbarte "Berlin Hostel" an der Allee der Kosmonauten standen in den vergangenen Monaten wiederholt in der Kritik. So hatte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) Ende Februar 2015 einen Belegungsstopp verfügt.

Brandmeldeanlage entsprach nicht den Standards

Wie aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, war zuvor bei einer Überprüfung festgestellt worden, dass die Brandmeldeanlage nicht den Anforderungen der Bauaufsicht entsprach.

Am 5. Oktober habe zudem die Amtsärztin des Bezirks Marzahn-Hellersdorf darauf hingewiesen, dass das Wasser des Hotels mit gesundheitsgefährdenden Legionellen verseucht ist. Die Amtsärztin forderte die Hotelbetreiber auf, Filter an jeder Dusche anzubringen. In der Antwort von Staatssekretär Dirk Gerstle ist zudem von Unfallgefahren und Mängeln an der Elektrik die Rede.

Am 21. Oktober bestätigte die Bauaufsicht des Bezirks Marzahn-Hellersdorf, dass alle festgestellten Mängel im Hostelbereich beseitigt wurden. Eine noch mangelhafte Tür im Foyer wurde durch eine neue ersetzt. Erst danach wurde das Hostel zur Unterbringung von bis zu 204 Flüchtlingen wieder zugelassen. Gerstle betonte in seiner Stellungnahme jedoch, dass die Überprüfung nur für einen Teil der Gesamtkapazität des Hostels erfolgte. "Die Nutzung weiterer 600 Plätze liegt noch zur Prüfung bei der bezirklichen Bauaufsicht", heißt es in seiner Stellungnahme.

Seit 2013 zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt

Das "Aap Hotel" wurde offenbar seit 2013 zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales wurden in dem Jahr 3100 Euro an Kosten beglichen. 2014 wurden bereits knapp 361.000 Euro an die Hostelbetreiber gezahlt.

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres hat das Land – trotz des mehrmonatigen Belegungsstopps – bereits knapp 523.000 Euro überwiesen. Hinzukommen noch mehr als 97.000 Euro für die Unterbringung von Asylsuchenden im benachbarten "Berlin Hostel". Zurzeit bringt die Senatsverwaltung nach Angaben eines Sprechers in dem Haus allerdings keine Flüchtlinge unter.

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