Anwohner wütend

Zorn am Treptower Park über Rockfestival "Lollapalooza"

André Szatkowski ist Chef im Kulturhaus Insel. Er fürchtet, dass das Festival seine Gäste abschrecken wird und im Park schwere Schäden hinterlässt

Foto: Amin Akhtar

André Szatkowski ist Chef im Kulturhaus Insel. Er fürchtet, dass das Festival seine Gäste abschrecken wird und im Park schwere Schäden hinterlässt

Wirte fürchten Umsatzeinbußen, Umweltschützer sorgen sich um Tiere und Pflanzen im Park. Im Internet formiert sich der Protest.

Das Wochenende im September hat André Szatkowski im Kalender mit rotem Stift markiert. Das heißt: Keine Buchungsanfrage annehmen, keine eigene Veranstaltung einplanen. Denn am 10. und 11. des Monats findet unmittelbar vor seinem Kulturhaus auf der Insel der Jugend im Treptower Park das Rockfestival Lollapalooza statt. Szatkowski stellt sich auf betrunkene Gäste und bedenkenlos ins Gartengrün urinierende Festivalbesucher ein. "Ich bin wirtschaftlich auf jedes Wochenende angewiesen. Aber dieses kann ich abschreiben", sagt er.

Mit seinem Zorn ist er nicht allein. Auf der Webseite change.org haben bis Freitagmittag 2733 Menschen eine Petition gegen ein Spektakel unterzeichnet, zu dem 45.000 Fans kommen sollen. Ihr Initiator Peter W. meint, dass die Besucher "definitiv die Pflanzen und Tiere im Park schädigen" werden.

Im vergangenen Jahr war Lollapalooza erfolgreich und ohne Zwischenfall vor den Hallen des ehemaligen Flughafens Tempelhof gefeiert worden. Wie für viele weitere Veranstaltungen, etwa die Modemesse Bread & Butter, entfällt der Standort, seitdem dort Flüchtlinge untergebracht wurden. André Szatkowski sagt, das Land Berlin habe angesichts seiner Verpflichtung gegenüber den Festival-Machern dem Bezirk Treptow-Köpenick "die Pistole auf die Brust gesetzt", dem Konzert-Wochenende zuzustimmen. Lollapalooza-Sprecher Tommy Nick widerspricht. Es habe zudem von Landesseite mehrere Vorschläge gegeben. Unter anderem auch das Areal des Flughafens BER. "Aber das empfanden wir wegen der Verkehrsanbindung als suboptimal", sagt Nick.

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Daneben habe man geprüft, ob Olympiastadion oder Maifeld in Frage kommen. Die Orte aber waren durch Hertha BSC und Pyronale gebucht. Für den Treptower Park habe man nun eine Zusage, so Nick. Jetzt werde geplant, wie der Park genutzt und geschützt wird. Fest stehe, dass die 70 Prozent der Anlage bespielt und die Puschkinallee rund ums Festival gesperrt wird.

André Szatkowski fürchtet, dass Lollapalooza sein Stammpublikum - Familien - abschrecken wird. Und: "Ich selbst kann wegen Lärmschutzvorschriften kein Festival mehr veranstalten. Aber so einem Riesen-Business werden alle Vorteile eingeräumt."

Misstrauisch zeigt sich auch Marina Borkenhagen. Die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der BVV Treptow-Köpenick hat eine 18 Punkte umfassende Kleine Anfrage an das Bezirksamt gerichtet. Sie befremdet etwa, dass die von 2009 bis voraussichtlich Herbst 2016 für 17 Millionen Euro sanierte Parkanlage kurz nach Fertigstellung 45.000 ausgelassenen Zuschauern überlassen wird. "Wir wollen wissen, ob das alles wieder so hergestellt wird, wie es vor dem Festival war", sagt Borkenhagen. Daneben stört sie, dass zwischen Auf- und Abbau des Areals Teile des Parks für die üblichen Besucher, die dort spazieren gehen, nicht nutzbar sein werden: "Das ist eine Kommerzialisierung des öffentlichen Raums zu Gunsten derer, die bereit und in der Lage sind, Ticketpreise ab 79 Euro zu zahlen", so ihre Kritik.

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