Berliner Stadtplanung

Tacheles-Ruine soll wieder zur Passage werden

Für die berühmte Ruine ist endlich wieder eine Zukunft in Sichtweite. Ein Schweizer Architekturbüro plant Hotels, Wohnungen und Läden.

Letztes  Filetgrundstück mitten in Mitte: So wollen  es die Architekten bebauen

Foto: Herzog & de Meuron

Letztes Filetgrundstück mitten in Mitte: So wollen es die Architekten bebauen

Vor einem Jahr hat die internationale Fondsgesellschaft Perella Weinberg das Gelände des ehemaligen Kunsthauses Tacheles an der Ecke Oranienburger und Friedrichstraße für rund 150 Millionen gekauft. Das 25.000 Quadratmeter große Areal mit der Ruine des früheren Kaufhauses, so hatten die Investoren damals versprochen, solle wieder zu einem Anziehungspunkt in Berlins Mitte werden. Umso gespannter waren die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses im Bezirk Mitte, wie weit die Pläne der neuen Eigentümers inzwischen gediehen sind. Auf einem Vor-Ort-Termin präsentierten die Investoren am Mittwochabend erste Details.

"Wir haben die vergangenen zwölf Monate intensiv für die Planungsarbeit genutzt", sagte der Geschäftsführer der Sebastian Klatt von der pwr development. Klatt leitet das Projektentwicklungsteam und hatte den von ihm beauftragten Architekten Ascan Mergenthaler vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron mitgebracht, um das Ergebnis vorzustellen.

Denkmalgeschützte Altbauten müssen einbezogen werden

"Unsere Aufgabe war, im Rahmen des vor zwölf Jahren aufgestellten und noch immer geltenden Bebauungsplans eine zeitgemäße Bebauung des Areals mit seinen drei denkmalgeschützten Altbauten zu entwickeln", umriss Mergenthaler das Planungsziel. Neben der Kaufhausruine sind das zwei nahezu gänzlich leer stehende Wohn- und Geschäftshäuser an der Friedrichstraße.

Die Leitidee für die künftige Entwicklung auf dem Areal habe die Ruine geliefert, so der Architekt weiter. "Als Vorbild haben wir die historische Bebauung der 1909 eröffneten Friedrichstraßenpassage aufgegriffen", sagte Mergenthaler. Vielen sei das Tacheles, das 1990 von Künstlern besetzt und in den Folgejahren zu einem kreativen Zentrum der Stadt und zu einem Anziehungspunkt für Berlinbesucher wurde, nur als Kulturruine kennengelernt. Doch die Ruine sei ursprünglich nur der Kopfbau einer Passage gewesen, die eine wichtige Verbindung von der Oranien- zur Friedrichstraße darstellte. "Diese Verbindung wollen wir wieder schaffen", sagte Mergenthaler.

Der geltende Bebauungsplan sieht vor, dass das Gelände um die Ruine mit einer Mischung aus Büros, Wohnungen, Einzelhandel und Hotels bebaut werden kann. Neu entstehen dürfen 83.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Das entspricht der Fläche des Einkaufszentrums Mall of Berlin. Bebaut werden sollen das Areal des ehemaligen Kunsthauses und des daneben liegenden Parkplatzes. "Wir wollen einen Wohn-anteil von 38 Prozent", sagte Mergen­thaler. Diese Wohnungen werden sich hauptsächlich um drei Höfe gruppieren, die im Grundstücksbereich an der ruhigeren Johannisstraße liegen. "Bei der Gestaltung der Wohnhöfe haben wir uns an der Bebauung orientiert, die in der Spandauer Vorstadt üblich ist", sagte Mergenthaler. Insgesamt könnten 400 bis 450 Wohnungen entstehen. Der Bau von Wohnungen ist auch eine Vorgabe des Bezirksamts.

Kulturelle Nutzung unklar

Von der Johannisstraße aus solle es Wege geben, die durch das Areal führen. Zur Oranienburger Straße hin werde sich das Quartier mit einem großen begrünten Platz öffnen. In den Erdgeschossen sollen Geschäfte und Restaurants für urbanes Leben sorgen. In den Höfen an der Johannisstraße soll das Wohnen bereits im Erdgeschoss möglich sein. Das sieht der Bebauungsplan bisher nicht vor. Er kann aber noch geändert werden.

Die Ausschussmitglieder wollten vom Architekten wissen, was aus dem Tacheles selbst werden soll – und ob denn daran gedacht sei, auch preiswerte Mietwohnungen zu errichten. "Die kulturelle Nutzung des Tacheles ist im Bebauungsplan ja vorgeschrieben", sagte Klatt. Wie diese genau aussehen könnte, sei jedoch noch genauso offen wie die Frage nach dem Anteil von Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen. Läuft alles, wie vom Investor geplant, können die Bauarbeiten Ende 2016 beginnen. Die ersten Gebäude könnten dann Ende 2019 fertig sein. Das genaue Investitionsvolumen lasse sich noch nicht beziffern, so Klatt.

Erste Ideen sahen Neubauten im Wert von 400 Millionen Euro vor

Für die berühmte Ruine auf dem letzten Filetgrundstück in Mitte wäre damit endlich wieder eine Zukunft in Sichtweite. 1998 hatte die Fundus-Gruppe von Anno August Jagdfeld das Areal erworben und ambitionierte Pläne vorgelegt, wonach Neubauten im Wert von rund 400 Millionen Euro vorgesehen waren. Allerdings scheiterte die Finanzierung, nach mehreren Räumungsversuchen wurde das Freigelände mit der Ruine im September 2012 schließlich vollständig gesperrt. Im September 2014 veräußerte Jagdfeld das Gelände schließlich an Perella Weinberg.

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