22.10.12

Flüchtlinge

Kinder auf der Flucht

Der syrische Junge Ahmad lebt mit seiner Familie seit drei Monaten in Berlin. In seiner Heimat herrscht Krieg

Foto: dpa
KINA - Keine Kämpfe, keine AngstKINA
Ahmad hat Angst erkannt zu werden. Lieber zeigt er sein Spider-Man-Kartenspiel. Das ist eines der wenigen Dinge, die er von zu Hause mitnehmen konnte

Von heute auf morgen in ein anderes Land gehen, ohne zu wissen, ob man jemals zurück kann. Das ist zurzeit das Schicksal von Tausenden von Menschen aus Syrien. Dort herrscht seit einiger Zeit Krieg.

Viele Menschen sind vor der Gewalt auf der Flucht, meist in die Nachbarländer wie die Türkei, den Libanon oder Jordanien. Dort wohnen sie dann in großen Flüchtlingslagern in Zelten. Einige Flüchtlinge aus Syrien sind auch nach Deutschland gekommen. Wie Ahmad und seine Familie. Ahmad ist 13 Jahre alt und lebt seit drei Monaten in Berlin.

Lange Zeit hatte Ahmad gar nicht gemerkt, dass es in seiner Heimat so viel Gewalt gibt. In Syrien kämpfen mehrere Gruppen gegeneinander. Auf einer Seite stehen der Präsident Baschar al-Assad und seine Anhänger. Diese bekriegen sich mit Leuten, die den Präsidenten als Herrscher absetzen wollen.

Ahmad konnte nur wenige Sachen mitnehmen

In Ahmads Heimatstadt Aleppo war zunächst alles wie immer. "Ich bin zur Schule gegangen, mein Vater hat gearbeitet. Von Kämpfen hat man nur im Fernsehen gehört", erzählt der 13-Jährige. Doch im Frühjahr war die Gewalt dann bei Ahmad vor der Haustür angekommen. "Von unserem Balkon aus konnte man sehen, wie Leute erschossen wurden", erzählt Ahmad.

Nachts hörte er Schüsse von Maschinengewehren und konnte nicht mehr schlafen. "Dann hat die ganze Familie auf dem Flur übernachtet – dort gibt es keine Fenster, das ist sicherer." Bei all der Gewalt beschlossen Ahmads Eltern zu fliehen.

Ahmad suchte Einiges für seinen Rucksack zusammen. "Ich konnte mein Lieblingsbuch einpacken, mein Tagebuch, und ein paar Spielsachen, wie mein Spider-Man-Kartenspiel." Ein paar Wochen später sagte seine Mutter dann: "Los, wir fahren nach Deutschland. Jetzt gleich." Ahmad konnte sich nur noch schnell von seinen Freunden und seinem Großvater verabschieden. Kurze Zeit später saß er im Flieger nach Berlin.

In Berlin hat die Familie eine Wohnung gefunden. Ein eigenes Zimmer hat er nicht mehr. Er muss sich eines mit seiner großen Schwester teilen. Von seinen Freunden hat er seit Wochen nichts gehört, erzählt er: "Das Internet funktioniert nicht immer. In Aleppo ist es jetzt richtig schlimm."

Sein Vater überlegt trotzdem bald nach Syrien zu fliegen. Er will seine Verwandten sehen. Und er möchte schauen, ob ihre Wohnung noch steht oder zerbombt wurde. Ahmad fände das nicht gut. " Ich bin froh, dass meine Familie in Deutschland ist, und uns nichts passiert ist. Syrien ist gerade viel zu gefährlich, um dort hinzufliegen."

Jeden Tag zum Deutsch-Unterricht

Jetzt muss Ahmad erst einmal Deutsch lernen. In seiner neuen Schule hat er deshalb nur dieses Fach: Aber das den ganzen Tag. "Hallo, ich heiße Ahmad" und "Ich komme aus Syrien" – diese Sätze kann er schon sagen. "In meiner Klasse sind Kinder aus ganz verschiedenen Ländern: Polen, China, Russland. Keiner von uns kann gut Deutsch – das macht es einfacher", erzählt Ahmad auf Englisch.

In seiner Heimat Syrien spricht man Arabisch. In der Schule in Syrien hat Ahmad auch Englisch und Französisch gelernt. Seine Deutsch-Klasse in Berlin ist aber ganz anders. "Die Kinder sind unterschiedlich alt – zwischen 13 und 16 Jahren. Ich bin einer der Jüngsten." Und: Es sind nur wenige Kinder. "In meiner alten Klasse in Syrien waren wir 40 Kinder. Das ist manchmal sehr laut."

Jetzt hofft Ahmad, dass sein Deutsch bald so gut ist, dass er wieder andere Fächer hat. Wie Mathematik oder Kunst. "Das macht mir am meisten Spaß."

Quelle: dpa
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