10.09.12

Ernährung

Alles Bio oder was?

Eine neue Studie lässt Verbraucher an Bio-Lebensmitteln zweifeln. Denn sie sind nicht nahrhafter als herkömmliche Produkte – aber besser für die Umwelt

Foto: chromorange
Blondes Mädchen sitzt am gedeckten Frühstückstisch und greift nach einem...
Der Tag beginnt mit einem gesunden Frühstück: Vitamine sind in allen Äpfeln, der Ökoapfe enthält jedoch weniger Schadstoffe

Ist Bio-Gemüse gesünder? Haben die Hühner auf dem Öko-Hof ein besseres Leben? Lohnt es, so viel Geld für diese Produkte auszugeben? Bio-Lebensmittel haben gerade mal wieder negative Schlagzeilen gemacht. Das verunsichert die Menschen, die die Produkte kaufen wollen. Denn eigentlich wollen sie ja etwas Gutes tun – für sich selbst und die Umwelt.

Deshalb sind die Verbraucher auch so schockiert, wenn sie Bilder sehen wie am Montag in einer Dokumentation der ARD. Tierschützer hatten sich auf einen Öko-Hof in Mecklenburg-Vorpommern geschlichen und dort heimlich Aufnahmen gemacht.

Sie zeigten Hühner mit gerupftem Federkleid, nackten Hälsen und angstgeweiteten Augen. Eng gedrängt hocken sie beieinander – wie glückliche Hühner, wie man es auf einem Öko-Hof erwartet, sehen sie zumindest nicht aus.

Weniger Schadstoffe

Nur einen Tag später dann die nächste Hiobsbotschaft: Bio-Lebensmittel sind kaum gesünder als normale Produkte. Wissenschaftler von der amerikanischen Stanford-Universität haben nämlich herausgefunden, dass es keinen deutlichen Nachweis dafür gibt, dass biologische Lebensmittel nährstoffreicher sind oder ein geringeres Gesundheitsrisiko haben.

Weder der Vitamingehalt noch die Verteilung von Fetten und Proteinen unterschied sich von den Produkten aus herkömmlicher Landwirtschaft. Auch die Suche nach besonders gesunden Bio-Früchten oder -Gemüsen blieb erfolglos.

"Wir waren ein bisschen erstaunt, dass wir nichts gefunden haben", sagte Crystal Smith-Spangler, die an der Studie mitgearbeitet hat. Dafür kommt die Studie aber zu dem Ergebnis, dass auf Bio-Lebensmitteln weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu finden sind – ganz frei davon sind sie aber auch nicht.

Zwei Studien wiesen im Urin von Kindern, die sich biologisch ernährten, geringere Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln nach. Auch scheint es, als würden Bio-Hühner und Bio-Schweine weniger Bakterien aufweisen, gegen die Antibiotika nicht wirken. Was dieses Ergebnis für die Gesundheit des Menschen bedeute, sei allerdings unklar.

Vorteile für die Natur

Ihre Studie, so betonen die Wissenschaftler, ist überhaupt nicht dazu gedacht, den Verbraucher davon abzubringen, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Man wolle lediglich aufklären.

Der Agrarforscher Urs Niggli vom wissenschaftlichen Beirat des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft betonte im Zusammenhang mit der neuen Studie noch einmal die "unglaublich positive Wirkung" von ökologischer Landwirtschaft insgesamt.

"Auf dem Land von Biobetrieben herrscht eine viel größere Artenvielfalt – von den kleinsten Mikroorganismen bis hin zu den Vögeln", sagte er. Auch werde das Grundwasser weniger belastet. "Mit Bio", so der Fachmann, "kauft man sich ein Paket an positiven Eigenschaften."

Quelle: BM
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Warum Bio?
  • Dünger

    Chemische Kunstdünger sind in der Öko-Landwirtschaft verboten. Das schützt das Grundwasser.

  • Medikamente

    Biobauern versuchen ihre Tiere durch gute Haltung gesund zu halten. Muss doch mal ein Tier, etwa eine Kuh, mit Antibiotika behandelt werden, darf ihre Milch länger nicht verkauft werden als die aus herkömmlicher Landwirtschaft.

  • Tierhaltung

    Auch Biohöfe sind große Betriebe und nicht unbedingt eine Bilderbuch-Idylle. Dennoch sollen die Tiere möglichst artgerecht gehalten werden. Dazu zählt: Kontakt zu Artgenossen, genügend Platz, Tageslicht und frische Luft.

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