Der 17 Monate alte Sohn von Ramona H. weinte bereits, als die 39-Jährige mit ihm in den Bus stieg. Nahe der Haltestelle an der Sonnenallee waren Silvesterböller explodiert und hatten den Jungen erschreckt. Dann die Vollbremsung, ein Unfall – Kinderwagen kippen um, Mitfahrer stürzen in dem gut besetzten Bus zu Boden. „Das ging alles rasend schnell“, erzählt Ramona H. am Montag.
Die junge Mutter war mit ihrer Familie auf dem Heimweg. Mit Ehemann Eniss und den beiden Söhnen war sie bei Freunden gewesen, „die Reste vom Weihnachtsstollen aufessen“. Es war kurz nach 20 Uhr, als sie in die Linie M41 Richtung Baumschulenweg einsteigen. Eniss H. nimmt mit dem Vierjährigen die Vordertür. Wenn der Platz schräg hinter dem Busfahrer frei ist, sitzen die beiden am liebsten dort, denn der Junge beobachtet gern, welche Knöpfe und Hebel der Busfahrer so bedient.
Ramona H. stieg mit dem Jüngsten im Kinderwagen hinten ein. Sie habe vor dem Kinderwagen gehockt, um ihren Sohn wegen der Silvesterböller zu beruhigen, erzählt sie. Dann habe es geknallt, ihr Kinderwagen sei umgefallen, ein weiterer Kinderwagen neben ihr ebenso. „Mein Kleiner ist mit dem Unterkiefer an eine Haltestange im Bus gestoßen. Gott sei Dank allerdings nicht schwer.“ Die Mutter selbst stürzt in der Hocke nur leicht nach vorn auf die Knie. Andere Insassen seien durch den Bus geflogen und hingefallen, erzählt Ramona H. Bei der Wucht der Bremsung habe sich keiner festhalten können, der im Bus gestanden habe.
Acht Menschen bei Busunfall in Neukölln verletzt
Ihr Mann Eniss konnte von seinem Platz vorn beim Busfahrer den Unfall beobachten. An der Kreuzung Grenzallee und Dammweg sei links neben dem Bus ein Ford gefahren, erzählt der 40 Jahre alte Erzieher. „Der Wagen fuhr auf der Geradeausspur.“ Ganz plötzlich sei der Ford nach rechts ausgeschert, um offenbar vor dem Bus in die Grenzallee abzubiegen. „Das war eine Kamikaze-Aktion, der hätte sehen müssen, dass das Manöver nicht gelingen kann.“ Der Bus habe scharf gebremst, doch Ford und Bus seien kollidiert, das Auto vorn am Bus festgekeilt und mitgeschleift worden.
Acht Menschen wurden laut Polizei bei dem Unfall am Sonntagabend verletzt. Darunter zwei 49 und 34 Jahre alte Männer, die zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus kamen, eine 29 Jahre alte Frau musste mit schweren Verletzungen stationär aufgenommen werden.
„Kamikaze“-Autofahrer nicht verletzt
Der Ford habe sich durch den Zusammenstoß mit dem Bus um die eigene Achse gedreht, sei um den Bus herum geschleudert worden und dann erneut mit dem Bus auf dessen rechter Seite zusammen gestoßen, hieß es. Der 36 Jahre alte Autofahrer blieb aber unverletzt.
Familie H. hatte Glück, beide Söhne haben sich nur leicht den Kopf gestoßen, der Vierjährige hat eine Prellung am Auge. „Der Busfahrer hat super reagiert“, sagt Ramona H. „Und nach dem Unfall hat er sich sofort erkundigt, ob sich jemand verletzt hat.“ Es sei bereits das dritte Mal, dass sie auf der Sonnenallee einen Unfall im Bus miterlebe, aber am Sonntag sei es heftig gewesen. Rettungskräfte begutachteten die Kinder von Ramona und Eniss H. – sie können nach Hause. Die letzten zwei Haltestellen ging die Familie dann aber lieber zu Fuß.
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