Nach den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche will das Erzbistum Berlin bis zum Jahr 2015 etwa 6000 Mitarbeiter schulen. „Die Seminare sind das Kernstück der Präventionsarbeit“, sagte der Pädagoge Burkhard Rooß. Er ist seit dem 1. September 2012 als Beauftragter zur Prävention von sexualisierter Gewalt im Erzbistum beschäftigt.

Auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) setzt bei der Prävention auf Seminare, allerdings nicht so umfangreich. Sie sind nur für hauptamtliche Mitarbeiter verpflichtend.

Beide Kirchen haben darüber hinaus Leitfäden und andere Materialien entwickelt, die helfen sollen, Missbrauch vorzubeugen, zu erkennen und dagegen vorzugehen.

Erste Fälle am Canisius-Kolleg

2010 erschütterte der Skandal um den sexuellen Missbrauch vieler Kinder und Jugendlicher in katholischen Einrichtungen die Kirche in verschiedenen Teilen Deutschlands. Die Misshandlungen lagen teils mehr als 60 Jahre zurück. Erste Verdachtsfälle am Canisius-Kolleg der Jesuiten kamen durch die Berichterstattung der Berliner Morgenpost ans Licht. In den folgenden Wochen wurden es immer mehr, unter anderem auch in Bayern.

„Wir haben den Anspruch, dass alle Mitarbeiter, ob ehrenamtlich oder hauptberuflich, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, jetzt eingehend zu Fragen sexualisierter Gewalt geschult werden“, sagte Rooß. In den einzelnen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, bei Jugendverbänden, katholischen Schulen und der Caritas habe es zwar schon immer Kollegen gegeben, die mit dem Thema vertraut seien. „Der große Qualitätsunterschied ist jetzt tatsächlich, dass alle sich damit beschäftigen müssen; ob sie wollen oder nicht“, betonte der Präventionsbeauftragte.

Kultur der Achtsamkeit und wertschätzender Umgang

Die katholische Kirche wolle nicht nur einzelne Spezialisten in den Teams, sondern alle sollten wissen, wie sie Täterstrategien erkennen und entlarven und welche Schritte sie unternehmen müssen. Darüber hinaus gehe es in den Seminaren darum, eine Kultur der Achtsamkeit und den wertschätzenden Umgang mit den jungen Leuten zu fördern. „Davon hängt es ab, wie sehr sich Kinder und Jugendliche mir anvertrauen und wie geschützt sie sich fühlen“, betont Rooß.

1200 Mitarbeiter hätten bereits Schulungen besucht, die zum Teil schon vor seiner Zeit eingeführt wurden. Weil jeweils nur 20 bis 25 Personen geschult werden, dauere es noch einige Jahre, bis das Ziel erreicht sei. Das Erzbistum Berlin erstreckt sich über Berlin, Brandenburg und weite Teile Vorpommerns.

dpa