Die beiden Berliner Stadtbärinnen Schnute (32) und Maxi (27) bleiben in Berlin. Das berichten der zuständige Stadtrat von Mitte, Carsten Spallek (CDU) sowie die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“.
Die beiden Bärinnen, Mutter und Tochter, waren in den vergangenen Monaten von vier Sachverständigen, darunter drei Tierärzte aus dem Veterinäramt Mitte sowie dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) unabhängig voneinander untersucht worden. Die Veterinäre haben einstimmig entschieden, dass die Bärendamen wegen ihres Gesundheitszustandes und ihres Alters nicht mehr transportfähig sind. „Durch den Verbleib in ihrem Gehege werden die beiden Bären keinem Narkoserisiko ausgesetzt, ausgeschlossen ist auch ein Verletzungsrisiko und die mit einen Transport verbundene extreme Stressbelastung“, erklärte Spallek.
Vorausgegangen waren jahrelange Diskussionen und Proteste gegen die Bärenhaltung in dem unter Denkmalschutz stehenden, 480 Quadratmeter messenden Berliner Stadtzwinger Am Köllnischen Park in Mitte.
Kritik von Tierschützern: Bezirk hat zu spät gehandelt
„Es tut uns sehr leid für Maxi und Schnute, dass sie niemals die Chance bekommen werden, einige schöne Jahre in einer bärengerechten Umgebung zu leben“, sagt Carsten Hertwig, Bärenexperte von „Vier Pfoten“ und zugleich Geschäftsführer des „Bärenwald Müritz“.
Besonders traurig sei dieser Ausgang, weil sich verschiedene Tierschutzorganisationen acht Jahre lang für eine Umsiedlung eingesetzt hatten. Tierschützer wollten den beiden Stadtbärinnen ein artgerechtes Zuhause mit mehr Platz, Bewegungs- und Spielmöglichkeiten bieten und sogar den Transport, etwa in den Bärenwald Müritz, finanzieren.
„Wir hatten seit 2005 einen Platz im Bärenwald Müritz für Maxi und Schnute reserviert und schon damals das Gespräch mit dem Bezirk Mitte gesucht“, so Hertwig. Seine Kritik: Hätte die Stadtverwaltung 2005 sofort den Handlungsbedarf erkannt, wären die Bären vielleicht noch transportfähig gewesen.
Bärenbündnis erwägt rechtliche Schritte gegen Amtsveterinär
Kritischer reagiert das „Berliner Bärenbündnis“, in dem sich im Jahr 2012 verschiedene Tierschutzvereine zusammengeschlossen hatten. Die Mitglieder wollen die Unterlagen der veterinärmedizinischen Untersuchung gründlich prüfen. Sprecher Stefan Klippstein: „Wir erwägen rechtliche Schritte gegen den Amtsveterinär. Angesichts des miserablen Zustands der Tiere und der offensichtlichen Verhaltensstörungen werten wir sein jahrelanges Nichteinschreiten als Beihilfe zur Tierquälerei.“
Tiergerechter Umbau des Geheges geplant
Nach Spalleks Angaben empfehlen die Sachverständigen eine tierartgerechte bauliche Umgestaltung des Zwingers. Die Grundfläche soll vergrößert, der Badebereich „überarbeitet“ werden.
Die Organisation „Vier Pfoten“ will das Bezirksamt nun bei der tiergerechten Umgestaltung des Geheges fachlich und finanziell unterstützen. „Wir hoffen, dass wir mit den Umbaumaßnahmen des Zwingers das Wohlbefinden und den allgemeinen Zustand der Bären den Umständen entsprechend bestmöglich verbessern können“, sagte Bärenexperte Carsten Hertwig.




