02.03.13

Teilabriss

East Side Gallery - Eine Mauer spaltet Berlin

Der Teilabriss der East Side Gallery sorgt für heftige Proteste. Der Senat weist die Kritik zurück, die Baugenehmigung erteilte der Bezirk.

Von Christina Brüning
Foto: Getty Images

In der weltbekannten Berliner East Side Gallery klafft seit Freitagmorgen eine Lücke.

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Nach Protesten sind die Bauarbeiten an der weltbekannten East Side Gallery in Friedrichshain gestoppt worden. Die Arbeiten, bei denen einige der von Künstlern bemalten Mauerstücke versetzt werden sollten, wurden am Freitag vorerst eingestellt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Mehrere hundert Demonstranten hatten sich auf dem Areal versammelt, um gegen den Abbau der Mauerteile zu protestieren. Auch auf Seiten der Politik war die Empörung über den Abriss von Teilen des Wahrzeichens parteiübergreifend groß.

Doch die Demonstranten konnten die Bauarbeiten nicht von vornherein aufhalten: In der berühmten Mauer-Galerie klafft nun ein großes Loch. Am Freitagmorgen riss ein Kran ein Stück aus dem längsten heute noch erhaltenen Teil der Mauer. Vertreter von Bürgerinitiativen sowie Künstler hatten zugleich die Straße an dem Mauerstreifen blockiert. Das Bündnis "East Side Gallery Retten" sprach von 400 Protestierenden, die Polizei von mehr als 250 Demonstranten. Es gab kleinere Gerangel einiger Protestierender mit der Polizei. Fünf Demonstranten wurden festgenommen, wie die Behörde mitteilte. Rund 100 Polizisten waren im Einsatz.

Hochhaus mit Luxuswohnungen geplant

Die umstrittene Öffnung hat mit zwei Bauprojekten auf dem Areal zu tun, dem Wiederaufbau der Brommybrücke, die bis 1945 Friedrichshain mit Kreuzberg verband, und dem Bau eines Hochhauses mit Luxuswohnungen auf dem einstigen Todesstreifen. Die Pläne des Investors dazu stammen zum Teil aus den 90er-Jahren. Am Donnerstag hatten überraschend die Vorbereitungen für den Abriss begonnen. Am Freitagnachmittag kündigte der Investor an, die Arbeiten kommende Woche fortsetzen zu wollen. Das Bündnis "East Side Gallery retten" rief für Sonntag zu einer Großdemonstration auf.

Auch in der Landespolitik sorgten die Bauarbeiten an dem berühmten Mauerstreifens am Freitag für Aufsehen. Auch er sei von der Nachricht über den anstehenden Abriss überrascht worden, sagte Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD). Der Teilabriss sei ein "bedauerlicher Rückschlag in unserem Bemühen, die Geschichte Berlins für inländische wie ausländische Besucher sichtbar und erfahrbar zu machen." Aktivisten und Opposition forderten den Senat auf, den Abriss aufzuhalten.

"Die East Side Gallery ist für viele Menschen aus aller Welt ein ikonisches Stück Berlin, ein künstlerischer Ausdruck für Frieden und Toleranz und einer der letzten Orte, an dem man die schmerzliche Teilung Berlins noch in Gänze erleben kann", hieß es in einem Offenen Brief des Bündnisses "East Side Gallery retten" an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Seant weist Verantwortung zurück

Senatssprecher Richard Meng wies am Freitag die Verantwortung für die Bauarbeiten zurück. "Die an der East Side Gallery begonnenen Baumaßnahmen gehen auf alte Planungen zurück, dort einen zweiten Durchgang zu schaffen. Dazu hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ein bestehendes Baurecht geschaffen", sagte Meng. Der von den Grünen regierte Bezirk negiert die Verantwortung für das Baurecht jetzt.

"Der Senat setzt darauf, dass die East Side Gallery auch weiterhin der Ort bleiben wird, an dem die menschenverachtende Wirkung der Berliner Mauer ebenso nachempfindbar ist wie die Kreativität der Künstler, die mit ihren Werken auf dieser Mauer nach dem Ende der Teilung Berlins ein Zeichen für eine freie, internationale Stadt gesetzt haben", sagte der Sprecher des Regierenden Bürgermeisters. Auch die SPD im Abgeordnetenhaus warf dem Bezirk vor, sich vor der Verantwortung zu drücken.

CDU-Fraktionschef Florian Graf forderte ein Moratorium, um die Bauarbeiten aufzuhalten. Der Friedrichshain-Kreuzberger Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) forderte dagegen den Senat auf, dem Bezirk dabei zu helfen, die Abrisspläne noch zu verhindern. Der Abriss in einer "Nacht und Nebel-Aktion" ignoriere die Meinung der Bevölkerung, so Ströbele weiter.

Der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sagte der Berliner Morgenpost, Berlin habe den "Riesenfehler" begangen, seine größte Sehenswürdigkeit fast vollständig abgerissen zu haben. "Deshalb sollte man wenigstens die letzten Reste der Mauer bewahren – auch wenn die echte Mauer an dieser Stelle niemals so bunt und lustig war wie die East Side Gallery."

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