28.02.13

Hochhausprojekt

Menschenkette soll Abriss der East Side Gallery verhindern

Teile der 1,3 Kilometer langen Galerie sollen einem Hochhaus weichen. Nun haben Vorbereitungen dafür offensichtlich begonnen.

Foto: dpa

An Mauerelementen der East Side Gallery sin erste senkrechte Schnitte zu sehen
An Mauerelementen der East Side Gallery sin erste senkrechte Schnitte zu sehen

Eine Menschenkette soll am heutigen Freitag verhindern, dass Teile aus der East Side Gallery in Friedrichshain herausgelöst werden. Zu dieser Menschenkette ruft das Bündnis "East Side Gallery retten" auf. Ihm gehören Berliner Künstler, Initiativen und Klubs an, darunter Lido, Watergate und der Sage-Klub.

Auf der Online-Petition des Bündnisses, die den Neubau eines Wohnturms hinter der Galerie verhindern will, finden sich bereits mehr als 14.000 Unterschriften. Am Donnerstag richteten die Initiatoren einen Appell an Berlins Regierenden Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD). "Nur er kann den Abriss jetzt noch stoppen", heißt es bei change.org.

"Die Röhre wurde abtransportiert"

Am Donnerstagmittags hatten die Arbeiten an dem 1,3 Kilometer langen Denkmal bereits begonnen. Arbeiter nahmen auf mehr als 20 Metern die sogenannte Krone der einstigen Hinterlandmauer ab, eine Betonröhre, die einst verhindern sollte, dass Menschen die innerdeutsche Grenze überwinden. "Die Röhre wurde abtransportiert", sagte Robert Muschinski von der Initiative "Mediaspree versenken". Die Arbeiter hätten angekündigt, dass am heutigen Freitagnachmittag Stücke der Mauer herausgenommen werden sollen.

Es geht um ein 22 Meter breites Stück, das herausgelöst und hinter der Galerie wieder aufgestellt werden soll. Durch die Öffnung wird ein neue Zufahrt zum Grundstück geschaffen, auf dem der Investor Living Bauhaus ein 63 Meter hohes Gebäude errichten will. Außerdem wird die Zufahrt benötigt, weil der Senat in einigen Jahren den Brommysteg wieder aufbauen will.

Die Brücke für Fußgänger und Radler soll das Kreuzberger und das Friedrichshainer Spreeufer verbinden. Die Brommystraße in Kreuzberg wird über den Steg bis zur Mühlenstraße fortgesetzt. Dies sei im Bebauungsplan festgeschrieben, sagte Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) zu Beginn der Woche. Das Grundstück des Investors liege an dieser öffentlichen Straße, deshalb habe er ein Recht auf eine Zufahrt.

Das Landesdenkmalamt habe der Maßnahme zugestimmt. "Es macht keinen Sinn, wenn ein Steg im weiteren Verlauf auf eine Mauer trifft", sagte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, am Donnerstag.

"Eine unfassbare Aktion"

Das Unternehmen Living Bauhaus wollte sich am Donnerstag nicht zu den Bauarbeiten an der East Side Gallery äußern. "Wir geben dazu keine Auskunft", sagte ein Sprecherin.

Sprecher des Bündnisses zur Rettung der East Side Gallery ist Sascha Disselkamp, Geschäftsführer des Sage-Klubs und Mitglied der Klubkommission. "Es ist eine nicht fassbare Aktion", sagte der Eventmanager am Donnerstag. "Wir tun was wir können, um diesen Abriss zu verhindern." Es sei geplant, dass die Menschenkette den ganzen Tag über gebildet werden solle. "Denn wir wissen nicht genau, wann die Arbeiten beginnen."

Die East Side Gallery sei neben dem Brandenburger Tor der bekannteste Ort in Berlin, an dem man sich über das geteilte Deutschland informieren könne. Außerdem versuche er, Kontakt mit dem Büro des Regierenden Bürgermeisters zu bekommen, sagte Disselkamp. Auch der Vorsitzende der Künstlergruppe East Side Gallery, Kani Alavi, lehnt die Versetzung von Teilen der East Side Gallery ab.

Drei Kunstwerke betroffen

Das sei eine Zerstörung und eine Verfälschung des Kunstwerks, weil Bilder aus der Galerie entfernt würde, sagte er. Urheberrechte würden verletzt. Voraussichtlich seien drei Kunstwerke betroffen, darunter das Bild des französischen Malers Thierry Noir. Alavi verwies darauf, dass die Galerie 2009 aufwendig saniert wurde.

Das Bündnis der Künstler und Initiativen will außerdem verhindern, dass eine bestehende Öffnung der Galerie noch verbreitert wird. Sie soll von derzeit rund fünf Meter auf etwa zehn bis zwölf Meter ausgeweitet werden. Dies soll wegen eines weiteren Bauvorhabens geschehen. Neben dem Wohnturm nahe am Spreeufer plant eine Investorengruppe ein Büro- und Geschäftshaus mit acht Geschossen.

Die Gruppe habe darauf bestanden, eine separate Zufahrt zu bekommen, weil es sich um ein separates Grundstück handele, sagte Bezirksbürgermeister Franz Schulz. Das Bezirksamt habe darauf bestanden, dass es für den Wohnturm und das Geschäftshaus eine gemeinsame Zufahrt geben solle. Doch man habe vor Gericht verloren.

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