07.01.13

Vorstandschef

Hartmut Mehdorn gibt Posten als Air-Berlin-Chef auf

"Air Berlin"-Chef Hartmut Mehdorn ist von seinem Posten als Vorstandschef zurückgetreten. Nachfolger wird Manager Wolfgang Prock-Schauer.

Foto: dpa
Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender von Airberlin, ist von seinem Posten zurückgetreten
Hartmut Mehdorn, Vorstandsvorsitzender von Airberlin, ist von seinem Posten zurückgetreten

Hartmut Mehdorn hat seinen Posten als Vorstandschef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin überraschend abgegeben. Sein Nachfolger werde Wolfgang Prock-Schauer, der das Amt bereits an diesem Montag übernehme, teilte das Unternehmen in Berlin mit.

Mehdorn hatte Air Berlin 15 Monate lang als Interimschef geleitet. Er soll im Verwaltungsrat des Konzerns bleiben. Sein Vertrag läuft 2013 ohnehin aus. "Jetzt ist die richtige Zeit für den Führungswechsel", begründete Mehdorn seinen zügigen Abschied.

Expansion bringt Air Berlin Probleme

Die von Mehdorn-Vorgänger Joachim Hunold gegründete Air Berlin war nach einer übereilten Expansion in Turbulenzen geraten. Das Unternehmen hatte unter anderem Konkurrenten wie DBA, LTU und Niki geschluckt. Allerdings schreibt Air Berlin bereits seit Jahren rote Zahlen.

Auch die immer wieder verzögerte Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens macht Air Berlin zu schaffen. Die Airline wollte den BER zum neuen Heimatflughafen machen. Inzwischen soll auch der neue Eröffnungstermin Oktober 2013 aus Sicht der Flughafenplaner nicht mehr zu halten sein.

Der Großinvestor Etihad Airways aus Abu Dhabi hatte seinen Einfluss bei der angeschlagenen deutschen Fluggesellschaft zuletzt immer mehr ausgedehnt. Etihad gewährte dem deutschen Unternehmen als Nothilfe Kredite über knapp 255 Millionen Euro. Mehdorn musste kürzlich auch noch die Mehrheit des Vielfliegerprogramms Top-Bonus, also praktisch die eigene Kundendatei, an Etihad-Chef James Hogan abgeben.

Weltumspannendes Airline-Netzwerk

Hinter der Entwicklung steht der Expansionsdrang der großen Fluggesellschaften vom Arabischen Golf, und der Wettbewerb dieser Gesellschaften untereinander um die Dominanz auf dem Airline-Markt. Erst kürzlich verbündete sich Emirates mit der australischen Qantas, Etihad vereinbarte zusätzlich eine enge Zusammenarbeit mit Air France/KLM, während Qatar Airways den Beitritt zu Oneworld anstrebt, dem zweitgrößten weltumspannenden Airline-Netzwerk.

Air Berlin hatte vor einem Monat eine Verschärfung ihres Sparkurses und einen damit einhergehenden Stellenabbau angekündigt. 2013 will die Airline dazu die Flotte auf 138 Flugzeuge schrumpfen und die Geschäftsabläufe weiter straffen. Das schrieb Mehdorn erst kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter der Fluggesellschaft.

Bei Durchsetzung dieser Pläne sind mindestens 500 Vollzeitarbeitsplätze gefährdet. Insgesamt beschäftigt Air Berlin rund 9300 Mitarbeiter.

Der gelernte Maschinenbauingenieur Hartmut Mehdorn, 1942 in Warschau geboren, ist den meisten Deutschen vor allem als Chef der Deutschen Bahn AG bekannt. Mehdorn leitete das Unternehmen von 1999 bis 2009. Seit 1. September 2011 stand er an der Spitze von Air Berlin.

Der Österreicher Prock-Schauer startete seine Karriere nach seinem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien 1981 bei Austrian Airlines, der späteren Lufthansa-Tochter. Hier verantwortete er als Executive Vice President unter anderem das Netzwerk-Management, die strategische Planung und Allianzen sowie die Integration der regionalen Fluggesellschaften Lauda Air und Tyrolean. Von 2002 bis 2003 war Prock-Schauer Chef des Luftfahrtbündnisses Star Alliance, dessen prominentestes Mitglied die Lufthansa ist.

Nach seiner Zeit bei Jet Airways wurde der Österreicher Vorstandschef von British Midland Airways (bmi), die damals zur Lufthansa gehörte. Bei der Effizienzsteigerung hatte er dort zwar einige Erfolge, dennoch gelang der Airline nicht der Sprung aus den roten Zahlen. Entnervt verkaufte die Lufthansa die verlustträchtige Tochter im vergangenen Jahr an die International Airlines Group, also den Zusammenschluss aus British Airways und Iberia.

Prock-Schauer, der verheiratet ist und drei Kinder hat, schadete der Misserfolg offenbar nicht: Nach nur kurzer Zeit startet seine Karriere nun bei Air Berlin durch.

Quelle: dpa/AFP/Reuters/mim
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