Nach einem Polizeieinsatz gegen Besetzer der nigerianischen Botschaft am 15. Oktober in Berlin hat es nun drei Anzeigen gegen Polizeibeamte gegeben. Ihnen werde Körperverletzung im Amt vorgeworfen, bestätigte ein Polizeisprecher am Freitag einen Bericht des Senders RBB.
Die Polizei hatte eine Demonstration vor der Botschaft aufgelöst und die von 14 Menschen besetzte Botschaft nach einer Strafanzeige des Botschafters wegen Hausfriedensbruchs geräumt.
Den Beamten werden Körperverletzungen bei ihrem Einsatz vorgeworfen. Einige Demonstranten sollen Blutergüsse erlitten haben. Der RBB berichtete am Freitag, dass sich wohl auch der Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Vorfall befassen soll.
Gegen Abschiebung
Die Aktivisten waren in die nigerianische Botschaft an der Neuen Jakobstraße eingedrungen und hatten gegen die Abschiebung von Flüchtlingen demonstriert.
„Wir sind hier, weil die Botschaft am effektivsten mit dem deutschen Staat zusammenarbeitet und die meisten Abschiebungen nach Afrika hier abgewickelt werden“, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses „Refugee Protest March“, Thomas Ndindah. Rund 40 weitere Demonstranten versammelten sich vor dem Gebäude.
Zunächst hatte es geheißen, die Botschaft dulde die Protestaktion, und die Aktivisten müssten nicht mit einem Verfahren rechnen. Bei den Besetzern im Gebäude handelte es sich laut Ndindah um Flüchtlinge, die in einem Protestcamp in Kreuzberg ausharrten. Einige von ihnen hatten Transparente bei sich, auf einem stand „Kein Mensch ist illegal“.
Fußmarsch von Würzburg nach Berlin
Die Gruppe von fast 70 Asylbewerbern aus Bayern war kürzlich von Würzburg aus rund 600 Kilometer zu Fuß nach Berlin gelaufen, um auf die prekären Umstände aufmerksam zu machen, mit denen sie in Deutschland zu kämpfen haben. Am Oranienplatz errichteten sie in der vergangenen Woche das Zeltlager. Zusammen mit mehr als 3000 Unterstützern hatten sie vor knapp zwei Wochen bei einer Demonstration in Kreuzberg und Mitte mehr Rechte gefordert.
dpa/mim/mb/plet/pol



