Besetzter Seniorenklub

Hausmeister attackiert - Bezirk zeigt Berliner Senioren an

Eskalation im besetzen Seniorenklub in Berlin-Pankow: Nach der Attacke auf einen Hausmeister soll der Bezirk Strafanzeige gestellt haben.

Foto: DPA

Im besetzten Seniorenklub in Berlin-Pankow haben sich die Fronten verhärtet. Der Besuch eines Hausmeisters sorgte am Mittwoch für Ärger. Dieser habe in der Villa nach dem Rechten sehen wollen und sei dabei von einem jungen Mann angegriffen worden, sagte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Jens-Holger Kirchner (Grüne). "Jetzt haben die Senioren ein Problem: friedlicher Protest ja, Gewalt nein!", sagte er.

Nach Angaben der Rentner wurde der Hausmeister nicht attackiert, sondern hat eine kleine Schramme am Daumen bekommen, als er dem jungen Sympathisanten der Besetzer einen Schlüssel entreißen wollte.

Kirchner forderte die Senioren in der besetzten Villa auf, sich deutlich von dem jungen Mann zu distanzieren. "Wir werden weiter nachdenken, was wir jetzt machen", sagte der stellvertretende Bezirksbürgermeister. Der RBB berichtete am Abend, nach der Auseinandersetzung mit dem Hausmeister habe der Bezirk Pankow eine Strafanzeige gegen einen der Senioren gestellt.

Der Hausmeister sei am Morgen ins Haus gekommen und wortlos die Treppe hochgegangen, schilderte Seniorin Margret Pollak. "Wir wollten von ihm wissen, was er will – und hatten Angst, dass er die Räume verschließt, in denen wir unser Geld, unsere Ausweise und andere private Sachen haben. Er hat aber nicht geantwortet und stattdessen ein verschlossenes Zimmer aufgeschlossen." Dann habe der junge Mann den Schlüssel aus dem Schloss gezogen – und der Hausmeister habe ihm diesen wieder entreißen wollen.

Das Bezirksamt, das für die Villa zuständig ist, hatte den Besetzern ein Gespräch in der Behörde am kommenden Dienstag angeboten. Weil die Senioren Angst haben, dass währenddessen die Schlösser des Hauses ausgetauscht werden, haben sie Vertreter des Bezirks für diesen Freitag in den Klub eingeladen. "Die Einladung gilt – aber es meldet sich hier niemand vom Amt. Auch Herr Kirchner hat sich hier nie gemeldet und nie angerufen", sagte Pollak.

Seit kurzem halten die Rentner den Seniorenklub besetzt. Die Pankower Villa steht in exquisiter Lage in Nachbarschaft zum Majakowskiring, in dem früher die DDR-Elite wohnte. Der Bezirk will sie verkaufen oder verpachten, doch ist nun ratlos. "Dass Senioren ein Haus besetzen, ist für uns auch neu", hatte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Kirchner noch zu Beginn der Woche gesagt.

Bezirksamt und -parlament hätten das Aus beschlossen, sagt Kirchner. Was nun mit den Rentnern passieren soll, sei noch unklar. "Räumen werden wir aber auf keinen Fall". Die zuständige Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) erklärt die Schließung mit Sparzwängen. Das Haus brauche einen behindertengerechten Zugang und einen zweiten Fluchtweg.

Die Sanierungskosten schätzt sie auf 2,5 Millionen Euro, die der verschuldete Bezirk nicht habe. Auch die 60.000 Euro für den Unterhalt müssten gespart werden. Die Wahl sei auf diesen Klub gefallen, weil es für Rentner fußläufig auch andere Angebote gebe. Wie viel Geld das Grundstück in der Top-Lage bringen könnte, wissen die Stadträte eigenen Angaben zufolge nicht. Vom Verkaufserlös würde der Bezirk 20 Prozent bekommen.

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