Eine Mutter, die einen Bekannten wegen angeblichen Missbrauchs ihrer Tochter niedergestochen hat, ist am Montag zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt worden. „Wenn jeder zum Messer greift, kommen wir zurück in die Steinzeit“, kritisierte Richter Ralph Ehestädt den Fall von Selbstjustiz. Das Gericht erteilte der Floristin strenge Weisungen bis hin zu einer fünfjährigen Führungsaufsicht und Therapien.

Am 6. August 2011 hatte die 26-Jährige im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg vier Mal mit einem Messer in Kopf und Nacken des Mannes gestochen. Der ursprüngliche Vorwurf eines versuchten Mordes hat sich nicht erwiesen. Der Angriff auf den 45-jährigen Bekannten war nicht lebensgefährlich, urteilte das Gericht. Die Frau wollte ihm schaden, aber nicht töten. Die Angeklagte glaubte, ihrer Tochter sei etwas Schlimmes passiert, werteten die Richter strafmildernd. Es gebe aber keine Beweise.

Die arbeitslose Floristin, die außerdem eine Frau im Juli 2011 mit Springerstiefeln getreten hatte, kam nach fünfmonatiger Untersuchungshaft frei. Die 26-Jährige muss sich einer Psychotherapie und einer stationären Entziehungskur unterziehen. Das Gericht untersagte der Berlinerin den Konsum von Alkohol und Drogen. Regelmäßige Kontrollen wurden angeordnet. Die Taten waren unter Einwirkung von Alkohol passiert.

dpa/tj