Gut geht es den Sozialdemokraten, weil sie erfolgreich arbeiten. Sie setzen die Themen in der Bundesregierung, lösen ihre Wahlversprechen Mindestlohn und Rente mit 63 ein. Zudem stellen sie in neun von 16Bundesländern den Regierungschef.

Schlecht geht es den Sozialdemokraten, weil die Edathy-Affäre regelmäßig den Eindruck erweckt, dass es bei der SPD besonders hart zur Sache geht. Neben der SMS-Schlammschlacht sind es vor allem einzelne Sätze, wie etwa dieser von Sebastian Edathy: „Ich kenne niemanden, der Thomas Oppermann mag.“ Es steht Aussage gegen Aussage. Edathy sagt, Michael Hartmann sei sein Informant.

Hartmann entgegnet, Edathy sage die Unwahrheit – und verweigert, als es eng für ihn wird, kurzfristig die Aussage vor dem Untersuchungsausschuss. Zudem fällt immer wieder der Name von SPD-Fraktionschef Oppermann. Das dürfte die Parteispitze zumindest nervös machen. Im Vergleich zu den Affären um Christian Wulff oder Karl-Theodor zu Guttenberg, die die Union unbeschadet überstand, ragt der Fall Edathy tief hinein in die Partei.

Und dann ist da noch das Pegida-Problem. Sigmar Gabriel fährt nach Dresden, spricht dort mit Gegnern und Befürworten der islamfeindlichen Bewegung, zeigt den Fotografen das Victory-Zeichen. So düpiert er vor allem SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, die sich gegen Gespräche mit Pegida-Anhängern ausgesprochen hat. Danach sagt Gabriel: „Ich jedenfalls kämpfe um jede Seele, auch um die meiner Generalsekretärin.“ Das ist amüsant, aber man hat den Eindruck: In der SPD wird ein bisschen zu gern gezankt.

Doch das größte Problem der SPD sitzt seit mehr als neun Jahren im Kanzleramt. Es heißt Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin wird, so sieht es aus, 2017 wieder antreten. Die SPD ist seit Jahren in den Umfragen bei 25 Prozent einbetoniert, die Union steht bei 41 Prozent. Wie kommt man da raus?

Die SPD hat unter anderem zwei Ideen. 2017 soll Jim Messina, Wahlkampfmanager von Barack Obama, die Kampagne befeuern. Das verspricht zumindest einen spannenderen Wahlkampf als 2009 oder 2013. Und: Jetzt kümmern sich die Sozialdemokraten, so kündigen sie es zumindest bei ihrer Klausurtagung an, auch um die 30- bis 50-Jährigen – also um die Menschen in der Rushhour des Lebens, die Beruf, Kinder und die Betreuung der eigenen Eltern managen müssen.

Messina und die Mittelschicht–das sind zwei Ideen, die gar nicht so schlecht klingen. Doch reichen wird das gegen Merkel noch lange nicht.