Steuern 2017

Steuern sparen, wenn der Handwerker kommt

Mit den Ausgaben für Handwerker und Haushaltshilfen lassen sich schnell Steuern sparen.

Ein Maler spachtelt eine Wand glatt. Foto: Markus Scholz

Ein Maler spachtelt eine Wand glatt. Foto: Markus Scholz

Foto: Markus Scholz / picture alliance / dpa Themendie

Es gilt in diesem Fall keine Pauschalen zu überwinden – das Finanzamt zieht die Steuerersparnis direkt von der Steuerschuld ab. Der Fiskus beteiligt sich an einer ganzen Reihe von Dienst- und Handwerkerleistungen, wie etwa der Wartung von Aufzügen und Blitzschutzanlagen, dem Streichen der Wohnung oder den Aufwendungen für ein Notrufsystem beim betreuten Wohnen. Selbst die Betreuung von Hund oder Katze in den eigenen vier Wänden ist steuerlich begünstigt. Ausgaben für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen tragen Steuerzahler auf Seite 3 des Steuerhauptformulars ein.

Formalien Der Staat beteiligt sich bei Handwerkerleistungen und haushaltsnahen Dienstleistungen jedoch lediglich an den Lohn- und Arbeitskosten, den Aufwendungen für Fahrten und Verbrauchsmittel, wie etwa Folien. Die Ausgaben für Materialien sind außen vor. „Daher sollten Steuerzahler darauf achten, dass auf der Rechnung Material- und Arbeitskosten getrennt ausgewiesen werden“, rät Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine. Um eine Rechnung und eine Überweisung des Betrags kommen Steuerzahler ohnehin nicht herum, wenn sie die Aufwendungen für haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerker steuerlich geltend machen wollen. In welchem Umfang Steuerzahler das Finanzamt an den Ausgaben beteiligen können, hängt davon ab, in welcher Form die Hilfe im Haushalt beschäftigt ist.

Form der Beschäftigung Wer einen Gärtner oder eine Haushaltshilfe in seinem Haushalt als Minijobber beschäftigt, kann bis zu 510 Euro Steuern sparen (Zeile 71). Denn von den Ausgaben akzeptieren die Finanzämter 20 Prozent, maximal 510 Euro. Bedingung ist allerdings, dass die Person über das Haushaltscheckverfahren bei der Minijobzentrale gemeldet ist. Und auch wenn die Finanzämter in Bezug auf die Zahlungsmodalitäten und Vorschriften bei haushaltsnahen Dienstleistungen äußerst rigide sind: „Bei Minijobbern in Privathaushalten machen sie eine Ausnahme“, sagt Steuerberater Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Bei Privathaushalten ist es unschädlich, wenn die Rechnung der bei der Minijobzentrale gemeldeten Haushaltshilfe nicht überwiesen, sondern bar beglichen wird. Auftraggeber sollten allerdings darauf achten, dass die Hilfe nicht noch in weiteren Haushalten tätig ist. Denn wenn diese mehr als 450 Euro im Monat verdient, ist eine geringfügige Beschäftigung nicht mehr möglich, und die vollen Sozialversicherungsbeiträge werden fällig.

Haushaltsnahe Dienstleistungen Doch welche Tätigkeiten erkennt das Finanzamt überhaupt als haushaltsnahe Dienstleistung an? „Dazu zählen in der Regel Tätigkeiten, die auch von den Mitgliedern der Familie erledigt werden könnten“, sagt Steuerberater Wawro. Also beispielsweise das Blumengießen während des Urlaubs, das Reinigen der Fenster, das Pflegen der Rabatten, die Pflege pflegebedürftiger Personen durch ambulante Pflegedienste oder die Betreuung der Kinder durch eine selbstständige Tagesmutter. Auch die Speditionskosten bei einem privat veranlassten Umzug fallen in diese Rubrik.

Die aufgeführten Leistungen nickt das Finanzamt allerdings nur dann ab, wenn diese im Haushalt des Auftraggebers stattfinden. Schauen wir uns dazu ein Beispiel an: Ein Hund wird im Haushalt des Auftraggebers betreut. In diesem Fall erkennt das Finanzamt die Ausgaben als haushaltsnahe Dienstleistung an. Würde der Hund in einer Hundepension untergebracht, bliebe der Auftraggeber auf den Ausgaben alleine sitzen. Aktuell hat sich daher der Bundesfinanzhof mit der Frage beschäftigt, ob das Gassigehen mit dem Hund als haushaltsnahe Dienstleistung verrechnet werden kann. Schließlich wird der Hund in der Regel außerhalb der Grundstücksgrenzen des Auftraggebers ausgeführt. Der Bundesfinanzhof bejaht dies.

Allerdings nur dann, wenn der Hund für ein bis zwei Stunden ausgeführt und im Haushalt des Auftraggebers abgeholt und wieder dorthin zurückgebracht wird (Az. VI B 25/17). Anders verhält es sich hingegen, wenn der Hund von einem Betreuungsservice abgeholt und wieder zurückgebracht wird. In diesem Fall bleiben die Hundebesitzer auf ihren Kosten alleine sitzen.

Pflege Ausgaben für ambulante Pflegedienste können Steuerzahler in der Regel als außergewöhnliche Belastungen verrechnen, sofern die pflegebedürftige Person in eine Pflegestufe eingruppiert ist. Da die Ausgaben für Pflege zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art gehören, müssen Betroffene zunächst einen Teil aus eigener Tasche zahlen, bevor sich der erste Euro steuermindernd auswirkt. „Doch die zumutbare Belastung können Steuerzahler aber als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen“, sagt Steuerexperte Rauhöft. Wer in einem Pflegeheim oder Wohnstift wohnt, kann etwa Aufwendungen für die Reinigung des Appartements oder Handwerkerarbeiten steuerlich geltend machen. Auch an den Ausgaben für Hausmeister, Gartenpflege sowie die Reinigung von Gemeinschaftsflächen beteiligt sich das Finanzamt.

Mieter und Heimbewohner Mieter und Heimbewohner haben die Möglichkeit, das Finanzamt an einigen Posten in ihrer Nebenkostenabrechnung zu beteiligen. Daher sollten die begünstigten Ausgaben in der Abrechnung gesondert aufgeführt und der Anteil des jeweiligen Wohnungseigentümers ermittelt werden. „Alternativ können die Ausgaben auch anhand einer Bescheinigung des Vermieters nachgewiesen werden“, sagt Steuerberater Wawro.

Handwerker Das Finanzamt beteiligt sich nicht nur an den Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen, sondern auch an denen für Handwerker – sofern es sich um Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen handelt. In diesem Fall akzeptieren Finanzämter Ausgaben bis 6000 Euro mit 20 Prozent, also 1200 Euro. Auf den Handwerkerrechnungen für einen Neubau bleiben Steuerzahler jedoch alleine sitzen. „Daher sollten Bauherren ihr neues Eigenheim so früh wie möglich beziehen“, rät Steuerberater Christian Herold von Steuerrat24.de. Denn dann lassen sich die noch anfallenden Handwerkerkosten steuerlich geltend machen. Das Finanzamt beteiligt sich auch an der Reparatur von Haushaltsgeräten wie etwa Geschirrspüler, Herd oder anderen Geräten wie Fernseher oder Computer.

Gartenarbeiten Bei Gartenarbeiten differenzieren die Finanzämter zwischen haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen. Danach fallen leichte Arbeiten im Garten wie etwa Unkrautjäten oder Rasenmähen in die Kategorie der haushaltsnahen Dienstleistungen. An den Ausgaben beteiligt sich das Finanzamt bis zu 20.000 Euro mit 20 Prozent. Handelt es sich hingegen um umfassendere Arbeiten wie etwa das Anlegen eines Steingartens oder Pflasterarbeiten, werden diese in die Kategorie Handwerkerleistungen eingestuft. Diese können Steuerzahler bis maximal 6000 Euro mit 20 Prozent verrechnen.

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