Steuertipps

Wie Medikamente und Pflege die Steuerlast mindern

Tipps für die Steuerklärung: Außergewöhnliche Belastungen werden auf Seite drei des Hauptformulars eingetragen.

Kosten für Medikamente kann man bei der Steuerklärung geltend machen

Kosten für Medikamente kann man bei der Steuerklärung geltend machen

Foto: dpa Picture-Alliance / Sven Hoppe / picture alliance / dpa

Wer 2016 hohe Ausgaben für Medikamente, Pflege oder für den Unterhalt des Ex-Partners hatte, kann das Finanzamt an diesen beteiligen. Sie gehören zu außergewöhnlichen Belastungen, die Steuerzahler auf Seite 3 des Hauptformulars eintragen. Dabei unterscheiden Finanzämter zwischen zwei Arten von außergewöhnlichen Belastungen. Bei außergewöhnlichen Belastungen besonderer Art nicken Finanzämter die Ausgaben ab dem ersten Euro ab, allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag. Außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art können Steuerzahler hingegen in unbegrenzter Höhe verrechnen – allerdings müssen sie zunächst einen zumutbaren Eigenanteil bezahlen.

Wie hoch dieser ausfällt, hängt von der Höhe des Einkommens, dem Familienstand sowie der Anzahl der Kinder ab. Ein Beispiel: Frau Meier ist ledig. Ihr Gesamtbetrag der Einkünfte betrug im vergangenen Jahr 30.000 Euro. Sie muss demnach sechs Prozent (1800 Euro) aus eigener Tasche zahlen, bevor sich ihre Ausgaben für Medikamente oder Pflege steuermindernd auswirken. Zu außergewöhnlichen Belastungen besonderer Art gehören etwa die Pauschbeträge für Behinderte, Hinterbliebene oder Pflege (Zeilen 61 – 66).

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Pflege Wird ein Angehöriger zu Hause oder in der Wohnung des Betreuenden gepflegt, können Betroffene den Pflegepauschbetrag in Höhe von 924 Euro steuerlich geltend machen. Der Pflegebedürftige muss jedoch 2016 in Pflegestufe III eingestuft gewesen sein oder Kennzeichen H (hilflos) im Schwerbehindertenausweis haben. Zudem darf der Pflegende für seine Tätigkeit kein Geld erhalten.

Unterhalt Greifen Eltern ihren erwachsenen Kindern finanziell unter die Arme, können sie die Unterhaltsleistungen in der Steuererklärung bis zur Höhe von 8652 Euro als außergewöhnliche Belastungen verrechnen, wenn die Eltern für den Nachwuchs kein Kindergeld mehr erhalten. Außerdem ziehen die Finanzämter Einkünfte und Bezüge des Kindes, die 624 Euro übersteigen, von den absetzbaren Unterhaltsleistungen ab. Eltern können zudem die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung des Sprösslings steuerlich geltend machen (Teil 4). Die Finanzämter akzeptieren auch Unterhaltsleistungen für einen Flüchtling mit Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis, den Steuerzahler in ihrem Haushalt aufgenommen haben.

Zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art gehören Ausgaben für Medikamente, Heilpraktiker, Kuren, Krankenhausaufenthalte, Pflege- sowie­ Beerdigungskosten. Finanzämter nicken Ausgaben ab, sofern sie von einem Arzt verschrieben oder die Notwendigkeit bescheinigt wurde.

Pflege Steuerzahler, die einen Angehörigen pflegen, können die Ausgaben in nachgewiesener Höhe steuerlich geltend machen. Ausgaben, die von einer Versicherung übernommen wurden, müssen abgezogen werden. Bei den Pflegekosten kann das Finanzamt auch an der zumutbaren Belastung beteiligt werden. „Die zumutbare Belastung können Steuerzahler als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) (Teil 7).

Scheidung Wer 2016 hohe Ausgaben für Rechtsanwalts- und Gerichtskosten wegen einer Scheidung hatte, sollte diese in der Steuererklärung geltend machen. Zwar akzeptieren die Finanzämter die Kosten nicht mehr als außergewöhnliche Belastungen. Doch ob die neue Regelung rechtens ist, muss der Bundesfinanzhof entscheiden (Az. VI R 66/14).

Bei außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art sollten Steuerzahler Ausgaben bündeln, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, die zumutbare Belastung zu überschreiten und das Finanzamt an einem Teil der Ausgaben beteiligen zu können. Wer hohe Ausgaben wegen eines behindertengerechten Umbaus hatte, sollte diese in der Steuererklärung auflisten. Die Richter des Bundesfinanzhofs müssen klären, ob die Aufwendungen über mehrere Jahre verteilt werden können (AZ. VIR 36/15).

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