Steuertipps

Wie man mit Ausgaben für Versicherungen Steuern spart

Steuer-Serie (Teil 2): So geben Sie Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen wie Krankheitskosten an.

Twenty euro notes in heart shape

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Foto: Image Source / Getty Images/Image Source

Mit Ausgaben für Ausbildung, Unterhalt oder Spenden lassen sich leicht Steuern sparen. Denn der Sonderausgaben-Pauschbetrag in Höhe von 36 Euro für Alleinstehende bzw. 72 Euro für Verheiratete ist schnell überschritten. Sonderausgaben wie Kirchensteuer, Ausbildungs- oder Unterhaltskosten tragen Steuerzahler auf Seite 2 des Steuerhauptformulars in die Zeilen 36 bis 56 ein. Die Bürger können den Staat zudem an den Ausgaben für Versicherungen und die Altersvorsorge beteiligen. Diese Aufwendungen gehören in die „Anlage Vorsorgeaufwand“. Beginnen wir mit der „Anlage Vorsorgeaufwand“.

Altersvorsorge Der Staat unterstützt den Vorsorgeeifer der Bürger in Form von Steuerersparnissen und Zulagen. Für 2016 können Vorsorgesparer Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgungseinrichtungen, in landwirtschaftliche Alterskassen und in die Rürup-Rente geltend machen. Für das Steuerjahr 2016 akzeptieren die Finanzämter Einzahlungen bis zur Höhe von 22.767 Euro (Alleinstehende) bzw. 45.534 Euro (Verheiratete) zu 82 Prozent. Unterm Strich wirken sich 2016 maximal 18.669 bzw. 37.338 Euro steuermindernd aus.

Wie Medikamente und Pflege die Steuerlast mindern

Rürup-Rente in der Praxis wird die Rürup-Rente oft als Steuersparmodell verkauft. Dies trifft zweifelsohne auf Selbstständige zu, die weder in die gesetzliche Rente noch in ein Versorgungswerk einzahlen. Anders verhält es sich jedoch bei Arbeitnehmern oder Beamten. „Sie sollten vor Vertragsabschluss unbedingt ermitteln, wie hoch die Steuerersparnis tatsächlich ausfällt“, rät Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Denn bei Arbeitnehmern berücksichtigt das Finanzamt beim Höchstbetrag die Beiträge, die Arbeitnehmer gemeinsam mit ihrem Chef in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Entsprechend schrumpft der Steuervorteil für die Rürup-Rente. Steuerexperte Rauhöft gibt dazu ein Beispiel: Ein Ehepaar mit einem Bruttolohn von 80.000 Euro kann – sofern keiner der beiden oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verdient – Einzahlungen von bis zu 30.574 Euro in die Rürup-Rente steuerlich geltend machen. Zum Vergleich: bei Selbstständigen wären es 2016 bis zu 45.534 Euro. Daher empfiehlt es sich vor dem Abschluss eines entsprechenden Vertrags einen möglichen Steuervorteil konkret zu berechnen.


Gesetzliche Rente
In die Zeilen 4–10 der „Anlage Vorsorgeaufwand“ tragen Arbeitnehmer ihre Beiträge zur Altersvorsorge ein. Dazu zählen auch freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung. In Zeile 9 gehören der steuerfreie Arbeitgeberanteil in die gesetzliche Rente oder die steuerfreien Zuschüsse in berufsständische Versorgungswerke. Das Finanzamt erfasst den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitrag zunächst mit 82 Prozent. Danach wird der Arbeitgeberanteil wieder zu 100 Prozent abgezogen. „Aufgrund dieser seltsamen Berechnungsweise ist der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung 2016 tatsächlich nur mit 64 Prozent absetzbar“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Betriebliche Altersversorgung Der Staat unterstützt auch Arbeitnehmer, die über ihren Chef fürs Alter vorsorgen. Allerdings haben sie von der Unterstützung in Form von Ersparnissen bei der Steuer und Sozialabgaben bereits im Verlauf des Jahres profitiert. Sie konnten im vergangenen Jahr bis zu 2976 Euro steuer- und sozialabgabenfrei in eine Direktversicherung, einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse einzahlen. Sozialabgaben haben allerdings nur diejenigen gespart, deren Bruttoverdienst im vergangenen Jahr unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung von 74.400 Euro (West) bzw. 64.800 Euro (Ost) lag.

Krankenversicherung An den Beiträgen für die private oder gesetzliche Basiskrankenversicherung können Steuerzahler das Finanzamt in voller Höhe beteiligen (Zeilen 11–39). „Das gilt auch, wenn die Beiträge über dem Höchstbetrag von 1900 bzw. 2800 Euro liegen“, sagt Steuerberater Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Beiträge, die die Basisabsicherung übersteigen, wie etwa eine Chefarztbehandlung oder ein Einzelzimmerzuschlag, müssen Steuerzahler hingegen aus eigener Tasche zahlen.

Bonuszahlungen Gute Nachrichten gibt es für gesetzlich Versicherte, die Bonusleistungen von ihrer Krankenkasse für gesundheitsbewusstes Verhalten erhalten. Ein Bonus darf nicht mit den steuerlich abziehbaren Krankenversicherungsbeiträgen verrechnet werden, urteilten die Richter des Bundesfinanzhofs im Sommer 2016 (Az. X R 17/15). Die Bonusleistung stelle schließlich keine Erstattung gezahlter Beiträge dar.

Beitragsrückerstattung Genau prüfen sollten Privatpatienten, ob es sich für sie rechnet, Arztbesuche und Medikamente aus eigener Tasche zu zahlen und auf diesem Weg eine Beitragsrückerstattung von der Versicherung zu erhalten. „Die Beitragsrückerstattung kann unterm Strich geringer ausfallen als die Steuerersparnis“, sagt Kauth. Dies können Steuerzahler einfach berechnen. Dazu müssen sie von der möglichen Beitragsrückerstattung den prozentualen Anteil abziehen, der ihrem Grenzsteuersatz entspricht. Beispiel: von der Beitragsrückerstattung in Höhe von 1000 Euro werden 35 Prozent abgezogen. Das ergibt 650 Euro. „In diesem Fall sollte der Steuerzahler Rechnungen bei der Krankenversicherung erst dann einreichen, wenn der Erstattungsbetrag höher ausfällt als die 650 Euro“, sagt Steuerexperte Kauth.

Erwachsene Kinder Greifen Eltern ihrem erwachsenen Nachwuchs finanziell unter die Arme, können sie neben den Unterhaltsleistungen auch die gezahlten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich geltend machen. Voraussetzung: Für den Sprössling erhalten die Eltern kein Kindergeld mehr (Teil 4). Diese Versicherungsbeiträge können Sie unter bestimmten Voraussetzungen auch für die vorherige Zeit geltend machen, wenn noch Kindergeldanspruch besteht.

Versicherungen Liegen die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherungen unter 1900 bzw. 2800 Euro, können Steuerzahler weitere Versicherungsbeiträge steuerlich geltend machen. So etwa für Unfall-, Haftpflicht- oder Auslandsreisekrankenversicherungen. „Allerdings ist der Höchstbetrag häufig bereits mit den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft“, sagt BVL-Geschäftsführer Rauhöft. Beiträge für Sachversicherungen wie Hausrat- oder Gebäudeversicherung werden nicht akzeptiert.

Selbstständige, Rentner und Pensionäre profitieren allerdings von einer Sonderregelung. Bis zum Jahr 2019 prüfen die Finanzämter in einer sogenannten Günstigerprüfung, ob sich für sie die alte oder neue Regelung zur steuerlichen Absetzbarkeit von Versicherungsbeiträgen rechnet. Nach altem Recht bis 2004 werden für 2016 Versicherungsbeiträge bis zur Höhe von 3201 Euro (Alleinstehende) bzw. 6402 Euro (Verheiratete) von den Finanzämtern anerkannt – sofern Steuerzahler Beiträge von 3868 bzw. 7736 Euro nachweisen können. „Steuerzahler sollten daher alle absetzbaren Versicherungsbeiträge in der ‚Anlage Vorsorgeaufwand‘ auflisten“, rät Steuerberater Wawro.

Kommen wir zu weiteren Sonderausgaben. Diese tragen Steuerzahler auf Seite 2 des Mantelbogens ein.

Unterhalt Wer Unterhalt an seinen Ex-Partner zahlt, kann das Finanzamt an bis zu 13.805 Euro beteiligen (Zeilen 40–41), wenn der ehemalige Partner bereit ist, die Zahlungen als „Sonstige Einkünfte“ zu versteuern. Zudem muss die Anlage U ausgefüllt werden. Doch auch wenn sich der Ex-Partner wenig kooperativ zeigt, kann das Finanzamt an den Unterhaltszahlungen beteiligt werden. In diesem Fall können Steuerzahler diese bis zu 8652 Euro als außergewöhnliche Belastungen verrechnen.

Ausbildungskosten Wer eine Erstausbildung oder ein Erststudium absolviert, kann die Ausgaben bis zur Höhe von 6000 Euro steuerlich geltend machen. „Doch diese Ausgaben verpuffen oft, da sie lediglich in dem Jahr verrechnet werden können, in dem sie anfallen“, sagt Wawro. Nun muss das Bundesverfassungsgericht urteilen, ob diese Regelung rechtens ist oder ob die Ausgaben vielmehr in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten abgerechnet werden können (u.a. Az. 2 BVL 23/14) (Teil 3).

Spenden Das Finanzamt akzeptiert Spenden bis zur Höhe von 20 Prozent der Einkünfte. Wer spendabler ist, kann den restlichen Betrag auch noch ein Jahr später mit dem Finanzamt verrechnen. Wer zwischen dem 1. August 2015 und dem 31. Dezember 2016 für Flüchtlinge gespendet hat, muss dem Finanzamt lediglich den Kontoauszug vorlegen. Die sogenannte vereinfachte Spendenbescheinigung gilt unabhängig von der Höhe des gespendeten Betrags. In anderen Fällen verlangt der Staat für Spenden ab 200 Euro zusätzlich eine Spendenbescheinigung.