Steuerserie 2014

So können Ruheständler ihre Steuerlast drücken

Immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben. Je nach Rentenarten behandeln die Finanzämter die Einkünfte steuerlich unterschiedlich. Es gibt allerdings zahlreiche Freibeträge.

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Nervige Chefs und Kollegen gehörten früher mit dem Eintritt in den Ruhestand der Vergangenheit an, ebenso die alljährliche Abrechnung mit dem Finanzamt. Der letzte Punkt hat sich jedoch für Millionen Rentner in den vergangenen Jahren geändert. Grund dafür ist das neue Alterseinkünftegesetz aus dem Jahr 2004. Dieses sieht vor, dass der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente von Rentnerjahrgang zu Rentnerjahrgang steigt. Wer 2005 bereits im Ruhestand war, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern, für Neurentner des Jahres 2013 liegt der steuerpflichtige Anteil bei 66 Prozent.

In den kommenden Jahren steigt nicht nur der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente. Auch Steuervergünstigungen für Pensionen und für andere Einkünfte wie beispielsweise Mieteinnahmen werden in den folgenden Jahren schrittweise verringert. „Die Regelung führt dazu, dass immer mehr Rentner eine Steuererklärung machen und Steuern zahlen müssen“, sagt Wolfgang Wawo vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg.

In den vergangenen Jahren hat der Staat ein engmaschiges Kontrollnetz gesponnen. Dem Finanzamt entgeht de facto nichts mehr. So melden die gesetzliche Rentenversicherung, Versorgungswerke und Versicherer der zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA), welche Rentenzahlungen in welcher Höhe an wen geflossen sind. Ruheständler tragen ihre Bezüge in die „Anlage R“ ein.

Besteuerungsanteil

In die Zeilen 4-13 der „Anlage R“ gehören Leibrenten, die mit dem sogenannten Besteuerungsanteil verteuert werden. In diese Rubrik fallen Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, aus Rürup-Renten und berufsständischen Versorgungswerken. Bei diesen Zahlungen entscheidet das Jahr des Renteneintritts darüber, wie hoch der Besteuerungsanteil ausfällt. Neurentner des Jahres 2013 müssen 66 Prozent dieser Bezüge steuerlich veranschlagen. Rentnerjahrgänge ab 2040 werden ihre komplette Rente versteuern.

Ein Beispiel: Herr Meyer geht im Januar 2013 in Rente. Er erhält 12.000 Euro gesetzliche Rente. Davon sind 66 Prozent, also 7920 Euro, steuerpflichtig. Den steuerfreien Rentenbetrag von 4080 Euro schreiben die Behörden zeitlebens für Herrn Meyer fest. „Rentenerhöhungen wandern in den steuerpflichtigen Topf“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Die Rentenerhöhungen können daher letztlich dazu führen, dass Rentner irgendwann doch Steuern zahlen müssen.

Für Selbstständige wie Ärzte, Steuerberater oder Apotheker, die Auszahlungen aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen erhalten, gibt es eine Öffnungsklausel (Zeilen 11-13). Bedingung: Sie müssen vor 2005 mindestens zehn Jahre Beiträge in die Versorgungseinrichtung oder die gesetzliche Rente eingezahlt haben, die über dem Jahreshöchstbetrag in der gesetzlichen Rentenversicherung lagen. „In diesem Fall können Sie beantragen, dass die Auszahlungen mit dem günstigeren Ertragsanteil versteuert werden“, sagt Rauhöft. Den Nachweis über Höhe und Dauer Ihrer Einzahlungen müssen Sie beim Versorgungsträger anfordern und mit der Steuererklärung einreichen.

Ertragsanteil

In die Zeilen 14 bis 20 gehören Renten, die im Alter mit dem günstigen Ertragsanteil versteuert werden. Das sind Renten aus privaten Rentenversicherungen oder betrieblichen Pensionskassen oder Direktversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen und deren Beiträge pauschal versteuert wurden. Wer in diesem Fall bei seiner Direktversicherung eine Kapitalzahlung vereinbart, den Vertrag zwölf Jahre gehalten und mindestens fünf Jahre lang eingezahlt hat, kann das Geld steuerfrei einstreichen.

Entscheidend für die Höhe des Ertragsanteils ist das Alter, in dem der Steuerzahler die ersten Auszahlungen aus der Rente erhält. Dabei gilt die einfache Regel: Je älter bei der ersten Auszahlung, desto geringer der Ertragsanteil. Mit 60 oder 61 Jahren beträgt dieser 22, mit 66 Jahren 18 Prozent.

Eine Besonderheit gibt es für Renten, die nicht lebenslang, sondern lediglich über einen befristeten Zeitraum gezahlt werden wie beispielsweise Renten aus einer privaten Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Diese werden mit dem so genannten besonderen Ertragsanteil versteuert. Dessen Höhe richtet sich danach, wie lange die Rente gezahlt wird. „Je kürzer die Laufzeit der Rente ist, desto niedriger ist der Ertragsanteil“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Betriebliche Altersversorgung

Auszahlungen aus Riester-Verträgen und der betrieblichen Altersversorgung – also aus Pensionsfonds, Pensionskassen und aus Direktversicherungen – tragen Steuerzahler in die Zeilen 31 bis 49 ein. „Beim Eintragen helfen die Leistungsmitteilungen der Anbieter“, sagt Steuerberater Wawro. Denn in diesen ist in der Regel vermerkt, welche Beiträge Steuerzahler in welche Zeile eintragen müssen.

Versorgungsbezüge

Unter Versorgungsbezügen verstehen die Finanzämter Pensionen sowie sogenannte Betriebsrenten aufgrund einer Direktzusage oder aus einer Unterstützungskasse. Diese Auszahlungen tragen Steuerzahler in die „Anlage N“ ein. Auf die Auszahlung gewähren die Beamten einen Versorgungsfreibetrag und einen Zuschlag zu diesem Versorgungsfreibetrag. Diese Vergünstigungen werden in den kommenden Jahren nach und nach verringert. Wer 2013 erstmals eine Pension bezogen hat, erhält einen Versorgungsfreibetrag von 27,2 Prozent, maximal 2040 Euro. Hinzu kommen ein Zuschlag zum Versorgungsfreibetrag von 612 Euro sowie ein Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro. Summa summarum bleiben so Versorgungsbezüge bis zu 2754 Euro steuerfrei. Diesen Freibetrag schreiben die Beamten zeitlebens fest.