Hotelfachfrau

Community Managerin: So organisiert man ein Coworking-Haus

Alle Wege führen zu Amanda, heißt es in den Coworking-Etagen von Mindspace. Amanda Hosie managt die Community. Das macht den Job aus.

Die Hotellerie hat Amanda Hosie auf ihre Arbeit als Community Managerin bei Mindspace vorbereitet.

Die Hotellerie hat Amanda Hosie auf ihre Arbeit als Community Managerin bei Mindspace vorbereitet.

Foto: Sven Lambert

Berlin. „Wirklich kein Tag gleicht dem anderen“, sagt Amanda Hosie. „Das ist genau das, was diesen Job nie langweilig werden lässt.“

Hosies Job heißt Senior Community Managerin. Sie arbeitet bei Mindspace, einem der größten Coworking-Anbieter Berlins. An den beiden Standorten Krausenstraße und Skalitzer Straße ist sie dafür verantwortlich, dass es den Start-ups, Gründern, Freiberuflern und Firmenmitarbeitern, die sich hier eingemietet haben, tagtäglich gut geht.

Betreuerin und Ansprechpartnerin

An der Krausenstraße gibt es 680 Coworking-Arbeitsplätze, verteilt auf rund 5000 Quadratmeter und fünf Etagen. An der Skalitzer Straße kommen weitere 620 Plätze hinzu.

Die unvorhersehbaren Dinge sind es, die der 31-Jährigen Spaß machen, gleichzeitig fürchtet sie sich ein wenig davor. „Man legt sich vielleicht eine To-do-Liste für den Tag zurecht“, sagt sie. „Aber spätestens, wenn man bei Punkt zwei ist, klopft es an der Tür, und man kann die Planung über Bord werfen.“

Anlaufstelle für potenzielle Kunden

Als Community Managerin sei sie das Gesicht von Mindspace, sagt Hosie. „Wir betrachten diese Position als besonders wichtig, als Schlüsselposition, weil du der erste Kontakt bist, wenn jemand reinkommt und sich erstmal umschauen möchte“, beschreibt die gebürtige Hamburgerin ihren Job.

Sie ist Ansprechpartnerin für potenzielle Kunden, die einen Arbeitsplatz mieten wollen, „aber auch, wenn jemand hier Probleme hat, von ‚Der Drucker funktioniert nicht‘ bis zu ‚Wir wollen wachsen – habt ihr mehr Platz für uns?‘“

Events organisieren, Redner buchen

Auch die Organisation von Events gehört zu Hosies Aufgaben. Dafür müsse man sich in der Start-up-Szene auskennen, sagt sie.

Wichtig sei zum Beispiel zu wissen, welche Veranstaltung wertvoll für die Coworker sein könnte, welcher Referent sich für eine Podiumsdiskussion eignet – oder auch mal, wer für die Mieter eine Yogastunde anbieten könnte.

Auf Menschen zugehen können, Feinfühligkeit und Sinn für Humor sind gefragt: „Wir nehmen unsere Arbeit sehr ernst, aber uns selber vielleicht nicht zu ernst.“ Die meisten Community Manager seien Allround-Talente, sagt Hosie.

Kommunikative Runden drehen

Der persönliche Kontakt zu den Coworkern, bei Mindspace Mitglieder genannt, ist ihr wichtig. Im Idealfall dreht sie mindestens einmal pro Tag auf jedem Stockwerk eine Runde.

Es brauche ein aufrichtiges Interesse, sagt sie, und die Bereitschaft, auf jeden individuell einzugehen. Hosie fühlt sich als Gastgeberin. „Du hast hier Gäste und möchtest sicherstellen, dass sie sich wohlfühlen.“

Ausbildung zur Hotelfachfrau im Berliner Hotel Adlon

Gastgeberin zu sein hat Amanda Hosie von der Pike auf in der Hotelbranche gelernt. Nach dem Abitur auf einem schottischen Internat absolvierte sie ein einjähriges Praktikum und die Ausbildung zur Hotelfachfrau im Berliner Hotel Adlon. „Ich hab wirklich jeden Moment davon genossen“, erinnert sie sich.

Obwohl es auch „eisenharte Arbeit“ gewesen sei, im Roomservice beispielsweise oder an einem 14-Stunden-Tag in der Küche. Neugierig auf andere Tätigkeiten arbeitete sie danach in einer Eventagentur, fand das aber zu einseitig.

Bachelorstudium in Business und Hotelmanagement in Montreux

Um die Aufgaben im Hotel hinter den Kulissen, die wirtschaftlichen Aspekte, das Administrative besser kennenzulernen, absolvierte sie ein Bachelorstudium in Business und Hotelmanagement in Montreux.

Noch zwei Jahre verbrachte sie in der Branche, arbeitete im Bereich Sales und Marketing im Bulgari Hotel in London, suchte dann aber nach einer Alternative.

Auszeit, um sich neu zu orientieren

Für ihre Weiterentwicklung konnte sie sich keine der Hotelabteilungen so recht vorstellen. Hosie nahm ein Jahr Auszeit, um sich neu zu orientieren, und ging wieder nach Berlin – auch, „um Spaß zu haben“, wie sie sagt.

Schließlich hatte sie ihr Leben bislang mit Blick auf einen geradlinigen Lebenslauf arrangiert.

Von einem Headhunter für Mindspace geworben

Über einen Freund aus Adlon-Zeiten kam sie zum Club und Hotel Soho House. Dort übernahm sie Aufgaben, die schon in Richtung Community Management gingen, und wurde schließlich von einem Headhunter für Mindspace abgeworben.

Vor einem knappen Jahr hat sie dort als Community Managerin begonnen und nun gerade den Karriereschritt zur Senior Community Managerin gemacht.

Der 360-Grad-Blick hilft

„Was mir aus der Hotellerie sehr geholfen hat, ist dieser 360-Grad-Blick“, erklärt Hosie. Sie achtet nicht nur auf die Kunden, sondern weiß auch, welche Auswirkungen ein Event zum Beispiel auf die Hausmeister und die Putzkräfte hat.

Auch das Lösen von Problemen hat sie im Hotel gelernt – schließlich erwarten die Gäste stets prompte Hilfe bei Fragen oder Schwierigkeiten.

Noch nie so glücklich wie mit dieser Arbeit

Die 31-Jährige hat sechs Mitarbeiter. Die Kommunikation mit der Zentrale in Tel Aviv, administrative Aufgaben, strategische Überlegungen sind ihre Sache. Doch auch, wenn mal die Klimaanlage ausfällt, muss sie ran und mit den Mitgliedern darüber sprechen.

„Insofern führen alle Weg nicht nach Rom, sondern zu Amanda“, sagt sie lachend. „Es klingt vielleicht komisch, aber ich war noch nie so happy in einem Job, wie ich es jetzt bin“, sagt Amanda Hosie. „Weil ich hier total ich selbst bin und sein kann.“