Junge Profis

Community-Gründer in Treptow: „Wir unterstützen Talente“

Fridtjof Gustavs ist 28 und Gründer des MotionLab, einer Werkstatt und Community für Technik-Start-ups. So will er Synergien schaffen.

Fridtjof Gustavs ist Gründer des MotionLab Berlin.

Fridtjof Gustavs ist Gründer des MotionLab Berlin.

Foto: Christian Kielmann

„Was für eine tolle Zeit! Danke an alle, die ich kennenlernen durfte, und für alles, was wir fabriziert haben“, postete Fridtjof Gustavs (28) zum Abschied in den sozialen Medien. Zwei Jahre gehörte der Student der Volkswirtschaft zum Team von „FaSTTUBe“, einem Projekt der Technischen Universität Berlin. In der Saison 2016/17 lag die Gesamtleitung in seinen Händen.

FaSTTUBe gibt es seit 2005. Studenten verschiedener Fachbereiche entwerfen, konstruieren, fertigen und testen Rennwagen für die „Formula Student“, einen internationalen Konstruktionswettbewerb. In Deutschland steht er unter der Schirmherrschaft des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Jedes Jahr stellt sich das FaSTTUBe-Team bei Rennveranstaltungen der Konkurrenz. „Die Saison 2017 war die bisher erfolgreichste“, sagt Gustavs. „Herausgekommen ist ein vierter Platz im größten Formula-Student-Event der Welt.“

Erfahrung aus der Uni fließt in die eigene Firma

Doch an der Entwicklung des nächsten Rennboliden wird der 28-Jährige künftig nur noch unterstützend beteiligt sein, denn Fridtjof Gustavs hat selbst Großes vor. „Die FasTTUBe-Zeit war die lehrreichste und prägendste während meines gesamten Studiums“, sagt er. Sie ist die Grundlage für sein eigenes Unternehmen: MotionLab.Berlin.

Dieses baut der Volkswirtschaftler derzeit in einer 2500 Quadratmeter großen Gewerbeimmobilie in Treptow auf. „Wir bieten eine offene Community für junge Talente, Start-ups sowie Unternehmen und unterstützen sie bei der professionellen Fertigung von Prototypen bis hin zu Kleinserien“, erklärt der gebürtige Potsdamer. „Guided Prototyping“ nenne man das.

Schnelle Hilfe für innovative Start-ups

Während seiner Zeit als Projektleiter von FaSTTUBe habe er erlebt, woran es oft hapert: „Wer Prototypen entwickelt und diese bauen lassen will, hat es unheimlich schwer, Komponenten schnell fertigen zu lassen“, sagt Gustavs. Wartezeiten von bis zu drei Monaten seien keine Seltenheit. „Für junge, innovative Start-ups, die die Kosten gering halten müssen und schnell auf den Markt kommen wollen, ist das viel zu lang.“ Bei MotionLab soll das anders sein.

Künftig sollen in der Indus­triehalle junge Talente an Geräten wie Laser-Cuttern, 3-D-Druckern, an holz- und metallverarbeitenden Maschinen selbst Hand anlegen. „Hier werden nicht nur Prototypen entstehen. Die Entwickler lernen, wo die Probleme liegen und wie sie ihre Bauteile fertigungsoptimiert konstruieren und entwickeln“, sagt der 28-Jährige. Anschließend könnten sie damit in die Serienproduktion gehen. Dieser Schritt sei eine Herausforderung, betont Gustavs. Viele Start-ups würden an diesem Punkt scheitern: „Sie schaffen den Sprung auf die ersten tausend Stück nicht.“

Geben und Nehmen in der Community

Der Gründer von MotionLab will Synergien schaffen, indem er Wissenschaftler, Start-ups und Unternehmen unter einem Dach zusammenbringt. Erster Kooperationspartner ist 3dk.Berlin. Das Unternehmen stellt Kunststoffe für den 3-D-Druck her und zieht gerade in einen Seitenraum der Halle. Die Firma nutzt ihn als Showroom und stellt ihren künftigen Nachbarn 3-D-Drucker zur Verfügung. „Nach diesem Prinzip werden noch weitere Partner einziehen“, sagt Gustavs. Er will regelmäßig Workshops anbieten, die den Community-Mitgliedern im MotionLab den Umgang mit den vor Ort verfügbaren Maschinen erklären sollen.

Doch nicht nur für die Produktion will das Gründerteam, das neben Fridtjof Gustavs aus Chris Iwasjuta und Christoph Neye besteht, Raum bieten. Ein großer Bereich des Labors soll ein Coworking-Space werden, ein offenes Gemeinschaftsbüro. „Insgesamt werden es 90 Arbeitsplätze“, sagt Gustavs. Die eine Hälfte soll fest vermietet werden, die anderen 45 sollen sogenannte Flex-Desks werden und allen Mitgliedern zur Verfügung stehen.

Ein alter, bis auf die Aluminiumhaut entkleideter Doppeldeckerbus ist Blickfang in der Fertigungshalle, an deren Decke eine noch funktionsfähige Kran­anlage hängt. Das Team baut den Bus gerade zu einem Treffpunkt aus. „Dort, wo die Seitenwand entfernt wurde, entsteht eine Terrasse“, erklärt Gustavs.

Als 17-Jähriger das erste Unternehmen gegründet

Gustavs hat schon früh mit dem Gründen angefangen. „Ich habe als 17-Jähriger zusammen mit einem Freund einen Online-Shop für gehobene Herrenbekleidung eröffnet“, erzählt er und schmunzelt beim Rückblick. Startkapital dafür sei das Honorar gewesen, das er als Kinderdarsteller in der TV-Serie „Schloss Einstein“ erhielt.

Als Jugendlicher sei er auch als Fußballcoach tätig gewesen. „Sieben Jahre lang habe ich die ganz Kleinen des FSV Babelsberg trainiert“, erzählt der 28-Jährige. Dabei habe er gelernt, wie man organisiert. „Das war eine prägende und schöne Zeit, von der ich bis heute profitiere.“

Masterstudium erst einmal auf Eis gelegt

Schon während seines VWL-Studiums und auch heute noch ist er als Verkaufs- und Produkttrainer für den Elektronikkonzern Samsung tätig. Bleibt da genug Zeit für die Gründung? „Es ist anstrengend, aber das Glück ist mit den Tüchtigen“, meint Fridtjof Gustavs. Sein bereits angefangenes Masterstudium hat er aber erst einmal auf Eis gelegt.

Er freut sich auf die ersten im MotionLab entstehenden Projekte. Das Gefühl, wenn eine Idee in die Realität umgesetzt wurde, sei einfach großartig, findet er. Weitere berufliche Pläne hat er noch nicht, aber private: „Jetzt ziehe ich erst einmal nach Berlin“, sagt der Potsdamer, dessen Freundin Pharmazie studiert. Und später möchte er eine eigene Familie haben.