Bereits lange vor ihrer Abschlussprüfung machen sich Studierende Gedanken darüber, an welchem Ort sie später arbeiten wollen. Gute Karrierechancen rechnen sich die meisten Hochschulabsolventen in den Top-Metropolen Deutschlands aus.
Das geht aus der Studie 2014 von Ernst & Young hervor, für die 4300 Studenten befragt worden sind. Mehr als die Hälfte der Befragten will sich für den ersten Job in München bewerben. Auf Platz 2 steht Frankfurt am Main (37 Prozent). Berlin und Hamburg teilen sich mit jeweils 33 Prozent den dritten Platz.
Die bayerische Landeshauptstadt ist die Lieblingsstadt der westdeutschen Studenten: 51 Prozent würden am liebsten in München wohnen und arbeiten. Berlin ist der Favorit der ostdeutschen Studenten (44 Prozent). Stuttgart belegt mit 24 Prozent nur den fünften Platz. Bei der Befragung waren Mehrfachnennungen möglich.
Attraktive Regionen
Im Bundesländer-Ranking belegt das Land Berlin nur den vierten Platz. Mehr als sechs von zehn Studenten sehen im Freistaat Bayern ein hervorragendes Pflaster für den Berufseinstieg. „Auch Baden-Württemberg (44 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (33 Prozent) zählen aus Studentensicht zu den attraktivsten Regionen für den eigenen Karrierestart“, so Stefan Rittmeister, Sprecher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.
Das Land Berlin ist vor allem für Studierende aus Ostdeutschland interessant (30 Prozent). Nur 15 Prozent der Studierenden aus den alten Bundesländern zieht es nach Berlin. Eine Karriere in Brandenburg streben fünf Prozent der Studierenden aus Ostdeutschland an. Nur ein Prozent der westdeutschen Jungakademiker will in die Mark.
Untersucht wurden auch die Fachrichtungen. Sowohl die Studierenden der Naturwissenschaften als auch der Geisteswissenschaften sehen die besten beruflichen Perspektiven in Bayern. Auch Baden-Württemberg kommt fächerübergreifend gut an. Bei den Geisteswissenschaften ist das Ländle noch etwas beliebter als bei den Naturwissenschaften.
Techniker bevorzugen Bayern
Für Natur- und Geisteswissenschaftler ist auch Nordrhein-Westfalen interessant. Die Bundeshauptstadt belegt den vierten Platz: Sie ist für 17 Prozent der Naturwissenschaftler interessant und für 20 Prozent der Geisteswissenschaftler.
Berlin schafft es aber weder bei den angehenden Ökonomen noch bei den Ingenieuren unter die Top 5. 70 Prozent aller Wirtschaftswissenschaftler zieht es nach Bayern.
51 Prozent nach Baden-Württemberg. 60 Prozent der befragten Ingenieurwissenschaftler wollen für den Karrierestart nach Bayern, 44 Prozent nach Baden-Württemberg. Für den Berufseinstieg fühlen sich die meisten Studierenden nicht an ihren Heimat- oder Studienort gebunden.
Umzug ist wahrscheinlich
40 Prozent der Ostdeutschen und 37 Prozent der Westdeutschen rechnen sogar fest damit, nach dem Studienabschluss innerhalb Deutschlands umzuziehen. Die Frage: „Gehen Sie davon aus, dass Sie nach dem Studium Ihren Berufseinstieg innerhalb Deutschlands umziehen werden?“ beantworteten 57 Prozent der Studierenden aus Thüringen mit „Ja, sehr wahrscheinlich.“
Auch sehr vielen Sachsen-Anhaltiner (56 Prozent) und Saarländer (55) rechnen mit einem Umzug. Auch aus Baden-Württemberg, das als wirtschaftliches Schwergewicht gilt, kommen viele junge Studenten (39 Prozent), sich auf einen möglichen Umzug einstellen. In wirtschaftlich sehr schwachen Brandenburg sind es 37 Prozent. Wenig Mobilität legen hingegen Berliner und Hamburger an den Tag.
Die Studie bestätigt die Prognose von Ökonomen, wonach sich die bereits bestehenden wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Regionen in Deutschland weiter ausprägen werden. „Bei ihrem Berufseinstieg haben die Studenten klare Präferenzen: Sie streben in die Top-Metropolen, die nicht nur spannende Jobs, sondern auch ein umfassendes Freizeitangebot bieten“, sagt Ana-Christina Grohnert, Managing Partner bei EY. Unternehmen in diesen Regionen seien daher klar im Vorteil.
Die Kluft wird größer
Für strukturschwache Regionen in Deutschland werde es immer schwieriger, Berufsanfänger anzulocken, betont Grohnert. „Nur jeder fünfzigste Student sieht für sich gute Berufsperspektiven in Brandenburg, Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern, nur jeder hundertste hält Bremen und das Saarland für besonders attraktiv“, heißt es in der Studie.
Selbst einwohnerstarke Flächenländer wie Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz werden nur von wenigen als attraktiv eingestuft. Das bestehende Fachkräfteproblem könnte sich auch in einigen größeren Städten zuspitzen. Nur wenige der Befragten sehen in Hannover oder Essen interessante Perspektiven für ihren Start ins Berufsleben.
Beim Run auf die angesagten Städte sollten Berufsanfängern bedenken: „Auch wenn die meisten nach München, Hamburg oder Berlin wollen: Der Arbeitsmarkt in den wirtschaftsstarken Metropolen ist auch nur begrenzt aufnahmefähig.“ Zudem würden die Nachteile der Metropolen oftmals unterschätzt: hohe Mieten und hohe Lebenshaltungskosten.
Wenig Zukunftsangst
Überraschend zuversichtlich sind die Befragten, dass sie im Anschluss an ihr Studium schnell einen passenden Job finden werden. 83 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft.
Im Schnitt rechnen die Befragten mit einem Einstiegsgehalt von 35.100 Euro. Ostdeutsche Studierende erwarten ein jährliches Einstiegsgehalt von 32.300 Euro; die Wessis peilen mit 36.000 Euro deutlich mehr an.



