Lauter Stände, dazwischen Menschengewusel. Als Vincent Wittkowski die lichtdurchflutete Halle der Mercedes Welt am Salzufer betritt, zögert er. Nach rechts? Oder lieber nach links? Wo sonst Nobelkarossen auf Käufer warten, präsentierten sich am 19. / 20. Oktober auf der 5. „jobmesse berlin“ zahlreiche Unternehmen, Behörden und Bildungsanbieter den Messebesuchern.

Doch wohin, wenn man nicht so richtig weiß, welches Studium man wählen oder welche Ausbildung man beginnen soll? Mit seinen 19 Jahren hat Vincent Wittkowski das Abitur in der Tasche und ein soziales Jahr in Israel hinter sich. Jetzt ist er auf der Suche, wie es bei ihm weiter gehen soll.

Also erst mal zum Info-Tresen, an dem er um Rat fragt. „Sie haben die Wahl zwischen etwa 90 Ausstellern, die Ihnen Fragen beantworten oder Informationen liefern. Haben Sie denn etwas Bestimmtes im Kopf?“, reagiert Stefan Süß, Geschäftsleiter der veranstaltenden Agentur Barlag. „Vielleicht etwas im medizinischen oder sozialen Bereich. Ich könnte mir auch ein duales Studium vorstellen“, lautet die vage Antwort. Mit einer Messeübersicht in der Hand und dem Vorschlag, sich zum Beispiel bei den Ständen von Charité oder auch der Bundeswehr zu informieren, startet Vincent Wittkowski seinen Rundgang.

Über den roten Teppich

„Heute endlich mal über den roten Teppich. Sehr schick“, amüsiert sich der junge Mann angesichts der mit knallroten Läufern ausgelegten Gänge. Schon hat er die ersten Ansprechpartner entdeckt. Grit Baldowski, Ausbildungskoordinatorin der Charité CFM Facility Management GmbH, und Personalreferent Nicolas Jokiel stellen CFM-Ausbildungsberufe und duale Studienrichtungen vor. „Wir gehören zur Charité, decken aber alle nichtmedizinischen und nichtpflegerischen Dienstleistungen ab. Wir bündeln also das kaufmännische, technische und infrastrukturelle Facility Management“, erklärt Grit Baldowski.

Vom Elektroniker über den Mechaniker bis zum Gebäudereiniger oder Maler reicht die Ausbildungspalette. Nichts für Vincent Wittkowski. Und die Möglichkeiten für ein duales Studium? Sieben Studiengänge bietet die CFM, deren Flyer sich der junge Messebesucher schnappt, um sich einen Überblick zu verschaffen. „Die meisten Schüler, die wir heute schon hier hatten, gucken ganz gezielt. Gut so, denn wir bieten bereits die ersten Stellengesuche für 2014 an“, erzählt Nicolas Jokiel.

Gleich nebenan steht Andrea Schmidt-Rumposch. „Pflegerische Centrum-Leitung für innere Medizin und Dermatologie“ steht auf ihrem Namensschild. Damit ist sie die richtige Ansprechpartnerin zur Ausbildung im Pflegebereich. „Wie viel Anteil macht die Schule, wie viel die Praxis aus?“, will Vincent Wittkowski wissen, der während seines Jugendfreiwilligendienstes in einem Krankenhaus in Tel Aviv arbeitete. Soziale Arbeit im Pflegebereich, die ihm Spaß machte. Doch als Beruf? Er will ausloten, was es noch alles gibt.

Ein paar Schritte weiter umringt eine Besucher-Traube den Stand vom Auswärtigen Amt. Neugierig nähert sich der Ausbildungssuchende, doch die Spezialisten sind gerade alle im Gespräch. Ohnehin ist Wittkowski skeptisch: „Rechts-, Verwaltungs- oder IT-Bereich – kommt für mich ohnehin nicht in Frage“, meint er. Kehrtwende. Auf zu anderen Informationsquellen. Immerhin: Er weiß bereits, was er nicht will.

Jobs bei der Bundeswehr

Bei einer kurzen Stippvisite beim Pharmagroßhändler Noweda erfährt er von den Vorteilen der dualen Ausbildung. Die kaufmännische Azubi Jennifer Neumann lernt im Januar nächsten Jahres vorzeitig aus und schwärmt von den Möglichkeiten im Unternehmen. Besonders spannend findet der junge Messebummler dann die Informationen, die er bei der Bundeswehr bekommt. „Karriere mit Zukunft“ heißt es auf den Plakaten in der gut frequentierten blauen Aussteller-Ecke.

Es braucht einen Moment Geduld, ehe Vincent Wittkowski an der Reihe ist. Doch dann hat die Bundeswehr-Karriereberaterin Manuela Dreher Zeit für ihn. Um Möglichkeiten, Voraussetzungen und Bedingungen für ein Medizinstudium dreht sich das Gespräch. „Wir stellen momentan bereits für nächstes Jahr ein“, betont die Bundeswehrmitarbeiterin. Erste Hürde: Ein dreitägiger Einstellungstest, der unter anderem den gesundheitlichen Zustand und die sportliche Belastbarkeit der Bewerber im Blick hat.

Manuela Dreher: „Sicherlich spielen auch schulische Leistungen eine Rolle, aber wir nehmen lieber jemanden mit etwas schlechterem Durchschnitt und dafür besserer sonstiger Eignung.“ Schön zu hören, wenn man keine 1 vor dem Komma der Abi-Note hat, die deutschlandweit für die Zulassung zum Medizinstudium erwartet wird.

Doch auch andere interessante Möglichkeiten bietet die Bundeswehr. Aufmerksam lauscht der 19-Jährige der Karriereberaterin, die auch auf ein Masterstudium und anschließende Pilotenausbildung eingeht. Lukrativ sind solche Studiengänge auch angesichts der finanziellen Unterstützung, die Bundeswehr-Studenten genießen. „Nicht schlecht“, kommentiert Vincent Wittkowski. Dem gegenüber stehe die Verpflichtung für 16 oder 17 Jahre Bundeswehrdienst, der auch mit Auslandseinsätzen in Krisengebieten verbunden sein kann. Eine Entscheidung, die man nicht zwischen Tür und Angel trifft.

Karrierestart als Beachboy

Zeit, sich weiter umzuschauen. Fragende Blicke wirf der 19-Jährige auf den Stand von „7 (S)“. Fehlanzeige. „Wir bilden nicht aus. Wir suchen gezielt nach Fachkräften und vermitteln sie“, ist bei dem Personaldienstleister zu erfahren. „Dann komme ich vielleicht in ein paar Jahren wieder“, ruft Wittkowski und schiebt sich weiter durch den vollen Gang. An dessen Ende wirbt das Grand Hotel Heiligendamm mit schönen Ostseestrand-Bildern für Mitarbeiternachwuchs. „Was kann ich mir darunter vorstellen?“, fragt der Messegast. Die Personalleiterin Karina Froh preist die Chancen als Hotelfachmann nach dreijähriger Ausbildung in dem Fünf-Sterne-Hotel an: „Damit ist die Karriere bis hin zum Hoteldirektor möglich.“

Ihr Vorschlag, um in die Hotel-Branche hinein zu schnuppern, sei ein halbjähriges vergütetes Praktikum. „Warum nicht mal über den Sommer als Beachboy?“, lockt die Personalchefin. Dessen Aufgabe sei es unter anderem, bei schönem Wetter die Gäste in Strandkörben mit Getränken und Snacks zu bedienen. Es komme auch vor, dass Gäste das Eincremen ihres Rückens fordern. Die Vorstellung gefällt Vincent Wittkowski. Er lacht: „Das kann ich.“

Nach vielen weiteren Gesprächen und bepackt mit Flyern zieht er nach seinem Messerundgang zufrieden ein Resümee. „Echt interessant. Jetzt muss ich erst mal in Ruhe alles sortieren. Ich gucke alle Flyer durch und recherchiere noch fehlende Infos im Internet.“ Zum Messeausklang voll und ganz zufrieden zeigt sich auch der Veranstalter-Chef Stefan Süß. „Wie im vergangenen Jahr waren die beiden Messetage wieder ein Erfolg. Es kamen etwa 13.500 Besucher – eine Zahl, die uns und die Aussteller freut.“