Wenn es drauf ankommt, zählt die Zeit. Das ist auch bei Personalern so, die Bewerbungsunterlagen sichten. Sie wollen auf den ersten Blick erfassen, wer sich warum auf die Stelle bewirbt. Laut dem Stellenportal Stepstone dauert die Sichtung einer Bewerbung rund vier Minuten, gehen viele Bewerbungen ein, sinkt die Zeit schnell auf zwei Minuten. Deswegen müssen Bewerbungsmappen grundsätzlich – egal ob in gedruckter Form oder online – gut gegliedert und strukturiert sein.

„Wichtig ist es, sich kurz zu fassen“, sagt Gerd Eggers, der mit seinem Geschäftspartner Michael Meyer für GE.MM-Coaching Karriere-Beratungen sowie Berufs- und Bewerbungscoachings durchführt. Er hat in seinem Berufsleben selber schon Personalentscheidungen treffen müssen und weiß, worauf es ankommt. Auf der Jobmesse Berlin im vergangenen Jahr war er mit seinem Team vor Ort und hat die Bewerbungsmappen der Besucher gecheckt. Auch in diesem Jahr ist er wieder dabei. „Auffallend war, dass die Mappen vom technischen Aufbau her fast alle perfekt waren“, erinnert er sich. „Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse – denn das ist das Geheimnis einer Bewerbungsmappe.“

Aktive Sprache wählen

Doch hier gibt es Regeln zu beachten. Ins Anschreiben gehört beispielsweise die eigene Adresse mit Telefon und E-Mail. Gut ist es auch, wenn man vorab den richtigen Ansprechpartner der Firma recherchiert hat. Kennt man ihn nicht, richtet man das Schreiben an die Personalabteilung. Inhaltlich geht es um eine kurze Vorstellung mit der Begründung, warum man sich auf die Stelle bei der Firma bewirbt. „Die Bewerber sollten aktiv schreiben“, rät der Coach. „Ich bewerbe mich“ statt „ich möchte mich bewerben“. „Man verkauft seine Fähigkeiten“, sagt er. „Und da geht man aktiv ran.“

Zudem sollte wirkliches Interesse an dem Ausbildungsberuf gezeigt werden. Der Arbeitgeber muss verstehen, warum man bei ihm arbeiten möchte. „Man muss auf jeden Fall authentisch rüberkommen“, erläutert Gerd Eggers. „Das ist das A und O, selbst schon beim Erstellen der Bewerbungsmappe.“ Der Arbeitgeber könne zwischen den Zeilen lesen. Brennt man nicht für eine Sache, bringt man das Feuer nicht zum Lodern. Verbiegt man sich jedoch und verspricht das Blaue vom Himmel, floppt man spätestens im Vorstellungsgespräch, wenn der Funke vom Bewerber nicht auf den Arbeitgeber überspringen will.

Alles in allem jedoch sollte das Anschreiben auf eine Seite passen. Und es sollte nichts wiederholt werden, was bereits schon im Lebenslauf steht.

Dieser Lebenslauf, auch Curriculum Vita (CV) genannt, sollte tabellarisch abgefasst sein, wobei die aktuellen Tätigkeiten ganz oben stehen. „Auch das hilft dem Personaler, sich schnell ein Bild zu machen“, so Eggers. Praktika und berufsvorbereitende Maßnahmen gehören an das Ende des Lebenslaufs.

Authentisch bleiben

Jeder Bewerbung sollte ein Foto beigelegt sein. Das Foto sollte auf der Rückseite mit Namen versehen und mit doppelseitigem Klebeband links oben auf den Lebenslauf befestigt werden. Es kann aber auch gleich zusammen mit dem Lebenslauf ausgedruckt werden. „Wichtig ist, dass man zum Bewerbungsgespräch so aussieht wie auf dem Foto“, rät Eggers. „Trägt der Bewerber auf dem Foto Kontaktlinsen, soll er bitte zum Vorstellungsgespräch keine Brille tragen.“ Denn hier gehe es um die Authentizität vom Foto zum Bewerber.

Hinter dem Anschreiben und dem Lebenslauf kommen dann die Zeugnisse. Das Abschlusszeugnis wird in Kopie beigefügt, ebenso Zeugnisse von Praktika. „Mehr ist eine Bewerbungsmappe nicht“, sagt Gerd Eggers. „Und das bekommen auch die meisten hin.“ Spannend würde es erst, wenn man anfange, die Mappen zu hinterfragen. „Da kommen schon die ersten ins Straucheln.“

Deswegen sei Selbstreflektion wichtig und sich folgende Fragen zu stellen: Was will ich? Wie verkaufe ich mich? Wie passe ich ins Profil des Unternehmens? „Die Bewerber sollen bei sich bleiben, sich nicht verbiegen, sie sollen ihren Wert sehen und diesen an das Unternehmen verkaufen“, rät der Karrierecoach. „Denn eine perfekte Bewerbungsmappe gibt es nicht, sie muss individuell sein. Es gibt nur den perfekten Bewerber.“