Smartphones

Für Kinder kann ein Handy nicht genug können

Eltern sollten für Jüngere lieber einfache Geräte unter 50 Euro mit Prepaidkarte wählen. Für Ältere eignen sich günstige Smartphones um die 100 Euro.

Foto: WELT ONLINE Infografik

Enttäuschte Gesichter oder gar Tränen unterm Weihnachtsbaum – das will ja niemand riskieren. Doch bei der Herzensangelegenheit Nummer Eins auf vielen Teenager-Wunschlisten können Eltern einiges falsch machen: Wenn nicht das richtige Handy auf dem Gabentisch liegt, ist Weihnachten vielerorts gelaufen. Meist haben Kinder und Jugendliche eine sehr genaue Vorstellung davon, was sie gern unterm Baum finden würden. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen Welten. Für Eltern gibt es beim Handykauf einiges zu bedenken.

Wer zu Weihnachten dem Nachwuchs ein Mobilfunkgerät versprochen hat, geht schnell verloren im Dschungel von Geräten und Tarifen. „Zunächst einmal ist es wichtig festzustellen, was das Kind eigentlich mit dem Handy machen will“, sagt Barbara Steinhöfel, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Wenn man Kinder und Jugendliche dazu befragt, wie dies der Hightech-Branchenverband Bitkom getan hat, dann wissen sie ganz genau, was sie außer Telefonieren und SMS-Schreiben noch mit ihrem Gerät tun wollen: Fotos machen, Filmchen drehen, Musik hören und spielen.

Doch auch wenn bereits Fünfjährige Touchscreens „cool“ finden und auf dem Gerät von Mutter oder Vater sicherlich bereits einige Spiele getestet haben, kommt als Einsteigerhandy eher ein Gerät in Frage, das kleinere Kinder mit der Bedienung nicht überfordert. „Für jüngere Kinder im Grundschulalter bieten sie sich an, weil die einfache Handhabung des Gerätes ausschlaggebend sein kann“, sagt Steinhöfel.

Mit einem iBaby Q8 oder A88 im Hello Kitty-Design behalten Eltern die Kontrolle und kleinere Kinder die Übersicht, denn die Tasten sind mit Symbolbildchen belegt, so dass nichts schief gehen kann. Diese Art Mobilfunkgerät taugt jedoch eher als „Backup und Beruhigungspille“, wie eine Nutzerin dies bei der Produktbewertung schreibt, als einem echten Kommunikationsmittel. Größere Grundschulkinder befinden sich mit solchen Handys jedoch bereits am Rande der Lächerlichkeit. Zumal die Geräte mit 75 bis 100 Euro nicht eben günstig sind.

Doch besser ein Smartphone?

Mit einem guten Einfachgerät kommen Eltern nicht nur günstiger weg, sie können auch eher den Nachwuchs von einer gewissen Mündigkeit überzeugen und den sinnvollen Umgang mit dem Handy üben. Zum Telefonieren sind Einfachhandys von Samsung, Nokia oder LG bereits für unter 20 Euro zu haben. Doch so richtig Freude kommt damit an Heiligabend nicht auf. Die nützlichen Dinge werden an Weihnachten von Kindern nicht allzu hoch bewertet.

Bleibt die Kategorie Smartphone . Auch wenn die Youngsters für iPhone und iPad schwärmen, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen jüngst festgestellt hat, gibt es durchaus Alternativen, die die junge Generation glücklich machen – ohne lange Gesichter am Weihnachtsabend. „Gut ausgestattete Smartphones mit schnellem Internetzugang und WLAN gibt es bereits für 100 Euro“, sagt Ralf Trautmann vom Onlinemagazin teltarif.de.

Der Mobilfunkanbieter Vodafone hat eigens für die junge Zielgruppe ein Gerät entwickelt, das für 66 Euro zu haben ist. T-Mobile bietet in einer Weihnachtsaktion Smartphones zum halben Preis an. Hersteller Samsung bleibt mit 69 Euro für das S5230 deutlich unter 100 Euro. Wer dieses Gerät mit verspieltem Hello-Kitty-Design fürs Töchterchen haben möchte, kommt mit 94 Euro auch noch recht günstig weg.

Im Weihnachtsgeschäft gibt es denn auch nach Auskunft des Elektroverkäufers Media-Saturn vor allem ein Trendprodukt: Smartphones der Einstiegsklasse um die 100 Euro mit „einem bequemen Zugang in die mobile Welt des Internets“. Beliebt sind laut Media-Saturn die Marken Samsung, HTC, Sony und Nokia – damit machen die Kids auf dem Schulhof offenbar eine gute Figur.

Dazu gibt es inzwischen auch Design Skins, die zur individuellen Gestaltung des Geräts wie eine zweite Haut aufgeklebt werden können. Der gestalterischen Freiheit sind da kaum Grenzen gesetzt: Von Blümchen- über Fußball- und ?Geckolook bis hin zu einem Touch von Leopard und Giraffe ist für knapp zehn Euro alles möglich.

Abstriche müsse man bei diesen günstigeren Smartphones mitunter bei der Auflösung und Brillanz des Displays hinnehmen, meint Trautmann. Auch die Prozessorleistung ist nicht ganz so fix oder aber die Kamera nicht hochauflösend. Und die Displays sind deutlich kleiner als die der Highend-Geräte. Die Stiftung Warentest hat kein Gerät mit einem „gut“ im Test in der Kategorie „bis 150 Euro“ im aktuellen Produktfinder gelistet.

Doch auch wenn Jugendliche gern Fotos machen und Youtube-Videos drehen – in den meisten Fällen ist eine ganz hohe Qualität nicht maßgeblich, sondern eher die Vielfältigkeit des Gerätes. Mit steigendem Alter werden Internet und soziale Netzwerke immer wichtiger. „Jugendliche nutzen ihr Mobiltelefon als Multimediazentrale“, sagt René Schuster, Mitglied des Bitkom-Präsidiums.

Dass ältere Kinder mit der Bedienung von Smartphones überfordert sein könnten, hält Telekommunikationsexpertin Steinhöfel für unwahrscheinlich. „Meistens sind gerade Jugendliche und Kinder deutlich fitter in der Technik als die Erwachsenen“, sagt sie. Zumal sich die Handhabung der Geräte oft intuitiv erschließt – da steigen selbst Zehnjährige besser durch als manch Großer, der noch an Tasten gewöhnt ist.

Doch auch wenn die Kinder mit der Technik umgehen könnten, sollten sich Eltern darüber klar sein, dass diese mit einem Smartphone ungehinderten Zugang zum Internet haben. Kostenpflichtige Apps oder Musik könnten zwar nur herunter geladen werden, wenn auch ein Zahlungsmittel hinterlegt sei. Alle kostenlosen Apps sind jedoch frei zugänglich. Steinhöfel: „Da gibt es schon so einige datenschutzrechtlichen Bedenken.“