Das eigene Geld

Was Verbraucher noch im Jahr 2011 erledigen sollten

Lohnsteuer, Geldanlage, Altersvorsorge: Was Sie bis Silvester noch abhaken müssen und wovon Sie 2012 unbedingt die Finger lassen sollten.

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Die Regel beim Adventskalender ist einfach: Immer schön ein Türchen nach dem anderen öffnen, schummeln gilt nicht. Geht es aber darum, die letzten Tage vor dem Jahreswechsel zu nutzen, um wichtige Geldangelegenheiten zu regeln, kann es helfen, schon heute hinter alle Türchen zu blicken. Morgenpost Online hat die wichtigsten Tipps zu Steuer, Altersvorsorge und Geldanlage zusammengestellt.

Letzte Chance für 2007

Wer im Jahr 2007 rührig war, sollte die Belege des Jahres noch ein letztes Mal in Augenschein nehmen. Vier Jahre lang können Steuererstattungsansprüche geltend gemacht werden. Das gilt auch, wenn die Steuererklärung bereits abgegeben ist, erklärt der Bund der Steuerzahler.

Wer etwa Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer im Jahr 2007 anrechnen ließ, diese damals jedoch nicht ausbezahlt wurden weil andere rechtliche Grundlagen galten, kann sich bis zum 31. Dezember beim Finanzamt melden. Oftmals wurde für den Abzug dieser Kosten ein Vorläufigkeitsvermerk erteilt, damit blieb der Steuerbescheid offen.

In die richtige Steuerklasse steuern

Für Ehepaare kann sich der Wechsel der Steuerklasse lohnen. Bei werdenden Vätern und Müttern zum Beispiel, die Elterngeld beziehen wollen. Elterngeld berechnet sich nach dem Nettogehalt – und das ist höher, wenn der Steuerzahler in die Klasse III wechselt. Der Partner, der das Elterngeld beantragt, sollte also in dieser steuersparenden Klasse veranlagt sein.

Mehr Netto wirkt sich auch auf Arbeitslosen- oder Krankengeld aus. Wer in Kurzarbeit gehen wird, den erwartet so deutlich mehr Geld. Sogar der Heiratsantrag unterm Weihnachtsbaum kann Steuern sparen – wenn der Partner „Ja“ sagt und noch bis zum 31. Dezember geheiratet wird. Das Ehegattensplitting gilt dann für das gesamte Jahr 2011.

Werbungskosten tarieren

Für viele Arbeitnehmer kann es lohnen, Ausgaben noch ins laufende Jahr vorzuziehen, um die Steuerlast zu mindern. 1000 Euro an Werbungskosten werden über den Arbeitnehmerpauschbetrag ohnehin gedeckt – wer aber diese Schallgrenze mit Belegen und Quittungen durchbricht, kann mehr beruflich bedingte Ausgaben und Kosten für Kinderbetreuung oder auch haushaltsnahe Hilfen steuerlich geltend machen.

Die Obergrenze liegt jedoch bei 4000 Euro. Wer diesen Rahmen bereits ausgeschöpft hat, sollte mit Handwerker und Haushaltsfee vereinbaren, das Geld erst im Jahr 2012 zu überweisen – welches Datum auf der Rechnung steht, ist egal.

Tipp vom Bund der Steuerzahler: Auch haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen, die ein Mieter im Rahmen seiner Betriebskostenabrechnung zahlt, können bei der Steuererklärung angerechnet werden. Die Finanzverwaltung lässt zu, die Kosten für das Jahr 2010 erst in der Steuererklärung für 2011 anzugeben – also die Betriebskostenabrechung gut aufbewahren.

Freibeträge eintragen lassen

Wer regelmäßig hohe Kosten hat, die er ohnehin von der Steuer absetzen kann, darf sich diese schon vorab als Freibetrag eintragen lassen – auch so erhöht sich der Nettolohn. Mit der bunten Papp-Lohnsteuerkarte sind alle bisherigen Vermerke über Freibeträge in den Papierkorb gewandert.

Jeder, der die Vorteile ab Januar 2012 nutzen will, muss bis zum 31. Dezember bei seinem zuständigen Finanzamt einen „Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“ stellen. Wer die identischen Beträge wie im Vorjahr berücksichtigt haben möchte, kann zum Vordruck „Vereinfachter Antrag auf Lohnsteuerermäßigung“ greifen.

Kindergeld ins Trockene bringen

Auch um das Kindergeld zu sichern, ist ein Kassensturz sinnvoll. Eltern mit erwachsenen Kindern müssen in diesem Jahr noch ein letztes Mal genau rechnen, um ihr Kindergeld nicht zu verspielen.

Die großen Kleinen dürfen im auslaufenden Jahr maximal 8004 Euro an Einkünften und Bezügen erhalten haben – jeder Cent mehr und der Anspruch auf Kindergeld, Kinderfreibeträge und daran gekoppelte Steuervorteile ist weg. Erst im kommenden Jahr entfällt diese Grenze, warnt der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL).

Krankheitskosten ins richtige Jahr

Steuerzahler, die Ausgaben für verordnete Medikamente oder auch Behandlungen haben, können diese als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Allerdings erst, wenn sie den individuellen Eigenanteil, also das, was der jeweilige Bürger selbst zu tragen hat, übersteigen – dann jedoch in unbegrenzter Höhe.

Der Eigenanteil errechnet sich nach der Höhe der gesamten Einkünfte, Familienstand sowie Anzahl der Kinder und variiert zwischen einem und sieben Prozent des Einkommens. Wer in diesem Jahr ohnehin keine Chance mehr hat, seinen Eigenanteil zu überschreiten – selbst mit einer teuren neuen Brille – der sollte sich überlegen, ob er die letzten vier Wochen des Jahres nicht auch noch durch seine alten Gläser schauen kann. Die Rechnung aus dem nächsten Jahr könnte dann ja mit einer Zahnvergoldung oder einer Kur am Meer zusammentreffen.

Verlustbescheinigungen anfordern

Anleger sollten ihrer Hausbank noch vor dem Jahreswechsel einen Besuch abstatten. Dabei können sie die Freistellungsaufträge für Zinsen und andere Kapitalerträge überprüfen – denn die Verteilung des steuerlichen Freibetrags können Sparer noch bis Ende Dezember anpassen. Wer Gewinne erzielt, die über dem Freibetrag von 801 Euro liegen, muss pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer bezahlen. Eigentlich.

Denn Anleger können diese steuerliche Belastung reduzieren, indem sie Verluste aus Wertpapiergeschäften bei einer Bank mit Gewinnen bei einem anderen Institut geschickt verrechnen. Dazu sollten sie aber bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung bei ihrer Bank anfordern, rät der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL). Wer diese Frist verpasst, hat jedoch die Verluste nicht verloren. Sie werden automatisch ins nächste Jahr übertragen.

Zuschuss für Altersvorsorge sichern

Bei vermögenswirksamen Leistungen können Arbeitnehmer ihre Sparzulage für 2007 noch bis Ende des Jahres beantragen, erklärt der NVL. Auch Riester-Sparer sollten noch vor Jahresende prüfen, ob sie alle staatlichen Zulagen beantragt haben.

Ihr Anspruch auf das Extra vom Staat verfällt nach zwei Jahren, so dass spätestens Ende Dezember die Zulagen für 2009 beantragt sein müssen. Ein Dauerzulagenantrag macht die jährlichen Anträge überflüssig. Wer ohnehin vorhatte, einen Riester-Vertrag abzuschließen , für den rechnet es sich, noch vor Silvester zu unterzeichnen und die erforderlichen Mindestbeiträge einzuzahlen. Dann bekommt der Sparer seine Rente noch ab dem 60. Lebensjahr ausgezahlt.

Bei Verträgen ab 2012 darf eine Auszahlung des vereinbarten Bezugs nicht vor dem 62. Lebensjahr beginnen, ab dem 1. Januar 2012 beginnt die erste Etappe auf dem Weg zur Rente mit 67. Wer jetzt abschließt, hat außerdem noch Anspruch auf die kompletten Zulagen für das Jahr 2011 sowie die Förderung für Kinder und den Berufsstart.