Börsen-Bericht

Anleger feiern Erholung – Dax gewinnt vier Prozent

Investoren setzen auf eine einheitliche Haltung der Europäer zur Schuldenkrise auf dem EU-Gipfel Anfang Dezember. Gute Prognosen zum Konsum heben die Laune.

Mit frischem Optimismus sind die Anleger aus dem Wochenende an den deutschen Aktienmarkt zurückgekehrt. Neben der Hoffnung auf einen neuen Anlauf Deutschlands und Frankreichs zur Lösung der Euro-Schuldenkrise und Spekulationen auf milliardenschwere Finanzhilfen für das hoch verschuldete Italien waren es Händlern zufolge auch gute Umsatzzahlen am sogenannten „Black Friday“ in den USA, die für steigende Kurse sorgten.

Der Dax gewann bis zum späten Nachmittag mehr als vier Prozent. Der EuroStoxx50 gewann sogar 4,2 Prozent auf 2200 Zähler. An den US-Börsen deuteten sich ebenfalls kräftige Aufschläge an. Auf beiden Seiten des Atlantiks waren vor allem Finanztitel gefragt.

„Der Markt hat zudem starken Korrekturbedarf nach den Verlusten der vergangenen Wochen und deshalb gibt es jetzt viele Nachkäufe“, sagte ein Börsianer. Der Dax hatte erst am Freitag eine neuntägige Verlustserie beendet und auf Wochensicht ein Minus von 5,3 Prozent eingefahren.

Positive Töne stimmte auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an, die für die deutsche Wirtschaft keine lange Flaute erwartet. Nach einer milden Rezession um den Jahreswechsel werde sie ab Mitte 2012 wieder Fahrt aufnehmen und 2013 robust wachsen. Für die Euro-Länder erwarten die Ökonomen indes im kommenden Jahr lediglich ein Wachstum von 0,2 Prozent.

Anleger hofften auf ein gemeinsames Vorgehen Deutschlands und Frankreichs beim EU-Gipfel am 9. Dezember. Die Bundesregierung dringt darauf, eine Änderung der EU-Verträge bis Ende 2012 über die Bühne zu bringen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich am Sonntag für eine Stabilitätsunion der Euro-Staaten ausgesprochen. Die Aussage sorge für Auftrieb, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. „Die Anleger nehmen erfreut zur Kenntnis, dass die Politiker die Bekämpfung der Schuldenkrise immer ernster meinen.“

IWF widerspricht einem Hilfspaket für Italien

Der Internationale Währungsfond (IWF) wies zwar einen Medienbericht zurück, wonach mit den italienischen Behörden ein Programm für eine IWF-Finanzierung im Gespräch sei. Auch aus Rom verlautete von offizieller Seite, von einer Hilfsanfrage Italiens wisse man nichts.

„Die Gerüchte reichten schon, um die Stimmung zu heben – derzeit klammern sich Anleger an jeden Strohhalm“, sagte ein Händler. Auch der Euro legte in der Spitze um mehr als einen US-Cent auf 1,3398 Dollar zu. Der europäische Bankenindex notierte vier Prozent fester – im Dax kletterten die Papiere der Deutschen Bank um über sieben, die der Commerzbank um mehr als sechs Prozent.

Allianz -Papiere gewannen sieben Prozent. Die Gewinnerliste im Branchenindex führten die belgischen Titel KBC Groep und Dexia mit einem Plus von jeweils mehr als 13 Prozent an. Die Aktien profitierten von der Einigung der belgischen Parteien auf einen Staatshaushalt für die Jahre 2012 bis 2014.

MAN kauft Ferrostaal-Anteile zurück

Im Dax machten zudem MAN von sich reden: Die Aktien des Nutzfahrzeug-Herstellers und Anlagenbauers stiegen um bis zu 6,5 auf 59,63 Euro. MAN und der arabische Staatsfonds IPIC haben sich darauf geeinigt, dass MAN die gesamten Anteile von IPIC an Ferrostaal zurückkauft. Unmittelbar danach soll die Hamburger Beteiligungsfirma MPC den Essener Industriedienstleister komplett übernehmen. IPIC und MAN lagen seit einer 2009 aufgeflogenen Korruptionsaffäre bei Ferrostaal im Dauerclinch.

Der Deal belaste zwar die MAN-Bilanz mit 330 Millionen Euro, dennoch werte er die Einigung mit dem arabischen Staatsfonds positiv, betonte DZ-Bank-Analyst Michael Punzet. Da der Unsicherheitsfaktor aus dem Weg geräumt sei, stehe die Tür offen für eine Integration von MAN in den Volkswagen -Konzern. Dieser hält nach Reuters-Daten bereits knapp 56 Prozent der MAN-Anteile. VW-Papiere notierten 5,3 Prozent im Plus. Die Titel des zukünftigen Ferrostaal-Eigners MPC schossen sogar um 18,5 Prozent in die Höhe auf 1,54 Euro.

Neue Kredite über 200 Millionen Pfund für Thomas Cook trieben die Aktien des zweitgrößten Reiseveranstalters Europas nach oben. Die Papiere legten in London um bis zu 67 Prozent auf 30,08 Pence zu, nachdem sie in der vergangenen Woche um mehr als die Hälfte eingebrochen waren. Es ist bereits das zweite Mal binnen fünf Wochen, dass die Banken dem Konzern beispringen mussten. Auch die Papiere des Konkurrenten TUI und der TUI-Tochter, TUI Travel, zogen am Montag an und notierten 9,7 Prozent beziehungsweise 2,9 Prozent höher.