MF Global

Wall-Street-Firma verzockte offenbar Kundenkapital

Die Vermutungen über unsaubere Praktiken bei der Pleitefirma MF Global scheinen sich zu bestätigen: die Wall-Street-Firma zwackte offenbar Kundengelder ab.

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Der amerikanische Wertpapierhändler MF Global hat bei seinen Fehlspekulationen mit europäischen Staatsanleihen Kundenkapital eingesetzt. Das teilte ein Mittelsmann aus US-Behördenkreisen am Dienstag mit.

Ein Mitglied des Vorstandes von MF Global habe den Verstoß gegen Auflagen, wonach Eigen- und Kundenkapital strikt getrennt werden müssen, der Aufsichtsbehörde für Wertpapierhandel bei einem Telefongespräch am Montag eingestanden, hieß es. Zunächst blieb unklar, ob der Vorgang strafrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen werde.

US-Medien hatten zuvor von annähernd 700 Millionen Dollar berichtet, die auf Kundenkonten fehlten. Als Ursache der Lücke war zwischenzeitlich auch über eine schlampige Buchführung spekuliert worden. Ein Verdacht ist nun, dass das Management auf das Geld seiner Kunden zurückgegriffen hat, als die Finanzfirma immer mehr in Schieflage geriet.

Notverkauf war geplatzt

MF Global hatte am Montagmorgen Insolvenz anmelden müssen, nachdem ein Notverkauf in letzter Minute wegen des ungeklärten Verbleibs der Millionen geplatzt war.

Auch der Chef der Derivatebörse CME, Craig Donohue, berichtete am Dienstag in einer Telefonkonferenz davon, dass MF Global die Regeln für den Umgang mit Kundengeldern verletzt habe. „Wir sind derzeit nicht in der Lage, den genauen Umfang der Verfehlungen zu beziffern“, sagte er.

Die CME habe aber eine Untersuchung eingeleitet und arbeite dabei eng mit der zuständigen Aufsichtsbehörde CFTC zusammen. MF Global selbst äußerte sich bis dato nicht öffentlich zu den Vorwürfen.

MF Global hatte schlecht gewettet

MF Global hatte für seine Kunden aus der Finanzindustrie – etwa Hedgefonds – Börsengeschäfte abgewickelt. Die Kundenvermögen müssen dabei aus Sicherheitsgründen stets von dem Vermögen des sogenannten Brokers getrennt werden.

MF Global etwa hatte auf eigene Rechnung in großem Stil auf eine rasche Erholung der Eurozone gewettet und europäische Staatsanleihen im Volumen von 6,3 Milliarden Dollar (4,5 Mrd Euro) angehäuft – viel zu viel für eine derart kleine Firma, wie die Ratingagenturen befanden. Der Aktienkurs brach ein, MF Global ging am Ende das Geld aus.