MF Global

FBI schaltet sich in Wertpapierhändler-Pleite ein

Bei der Insolvenz des US-Wertpapierhändlers MF Global sind Millionen an Kundengeldern verschwunden. Sogar das FBI soll nun alarmiert sein.

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Noch weiß keiner genau, wie viele Kundengelder bei dem Pleite gegangenen Wertpapierhändler MF Global abhanden gekommen sind . Es ist nicht bekannt, wer dafür gesorgt hat und auch nicht wo das Geld ist. Nur dass es sich nicht nur um schlampige Buchführung handeln kann, scheint mittlerweile so gut wie sicher.

Denn die Frage beschäftigt bereits mehrere Aufsichtsbehörden. Nach der Börsenaufsicht SEC und der Wertpapieraufsichtsbehörde CFTC hat sich nun sogar das FBI entschlossen, den Fall einer ersten Prüfung zu unterziehen. Dies berichten mehrere US-Medien übereinstimmend.

Bislang gibt es noch keinen Hinweis auf kriminelle Machenschaften. Doch dass sich das FBI überhaupt dafür interessiert, zeigt die Bedeutung des Falls. MF Global hatte Anfang der Woche Insolvenz angemeldet und damit die achtgrößte Firmenpleite in der Geschichte der USA verursacht. Zwar hielten sich die Auswirkungen an den weltweiten Finanzmärkten anders als bei der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 in Grenzen.

Dennoch stellt der Niedergang des Wertpapierhändlers einen Einschnitt dar. MF Global hatte sich mit europäischen Anleihen verspekuliert. Damit schlug die Schuldenkrise in Europa erstmals auf der anderen Seite des Atlantiks mit voller Wucht ein.

Noch aus einem anderen Grund verdient MF Global die Aufmerksamkeit. Die Pleite ist ein Paradebeispiel für vieles, was Amerikaner an der Finanzwelt erzürnt und seit Mitte September mehrere Hundert Demonstranten an der Südspitze Manhattans ausharren lässt. Mit ihrem Schlachtruf „Occupy Wall Street“ wettern sie gegen Vetternwirtschaft, die enge Verbindung von Finanzbranche und Politik und das unbestimmte Gefühl, dass sich eine dünne Gesellschaftsschicht zulasten der breiten Masse bereichern kann. Die Vorgänge bei MF Global dürften ihre Wut neu anstacheln.

MF Global war gut verdrahtet. Seit Anfang vergangenen Jahres leitete Jon Corzine die Firma. Der 64-Jährige war in den 90er-Jahren zusammen mit dem späteren Finanzminister Henry Paulson Chef von Goldman Sachs. Im Anschluss daran knüpfte Corzine als Gouverneur des US-Bundesstaates New Jersey Kontakte in der Politik. MF Global wollte er von einem Brokerhaus zu einer vollwertigen Investmentbank ausbauen, die auch auf eigene Rechnung spekuliert. Doch der Versuch ist gescheitert.

Die Finanzfirma hielt Anleihen aus den hoch verschuldeten Euro-Ländern Italien, Spanien Portugal, Belgien und Irland im Wert von 6,3 Milliarden Dollar. Bei einem Eigenkapital von 1,2 Milliarden Dollar war MF Global damit ein zu hohes Risiko eingegangen. Kunden zogen ihre Gelder ab. Dieser Prozess beschleunigte sich, als die beiden Agenturen Moody’s und Fitch das Rating der Firma auf die unterste Stufe setzten. Ein Notverkauf scheiterte schließlich, als bei der Prüfung der Bücher auffiel, dass vermutlich 700 Millionen Dollar Kundengelder verschwunden sind.