Schuldenkrise

Die Märkte haben Frankreich das AAA schon entzogen

Frankreichs Top-Rating ist in Gefahr. Die Märkte reagieren sofort. Die Risikoaufschläge für Frankreichs Anleihen steigen auf ein 16-Jahres-Hoch.

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Jetzt greift die Euro-Schuldenkrise von der wackeligen Peripherie auf das Zentrum über. Vor allem auf Frankreich haben sich die Märkte eingeschossen, seit Zweifel an der Spitzenbonität des Landes aufgekommen sind. Am Rentenmarkt forderten die Investoren für zehnjährige Staatsanleihen des Landes die höchsten Risikoaufschläge seit 16 Jahren. Der Rendite-Abstand zu vergleichbaren Bundesanleihen weitete sich auf 115 Basispunkte aus. Der Euro fiel zeitweise auf 1,3654 Dollar zurück, den niedrigsten Stand seit sechs Tagen.

Die Renditen zehnjähriger französischer Anleihen (OAT) kletterten auf 3,14 Prozent. Gleichzeitig sanken jene für Bundesanleihen unter zwei Prozent. Auch Belgien kam unter Druck. Hier schossen die Finanzierungskosten für zehnjährige Schulden auf 4,5 Prozent. Das Königreich muss damit 2,5 Prozentpunkte mehr als Deutschland zahlen. Auch das ein Rekord.

Ausgerechnet der Euro-Retttungsfonds EFSF droht das Spitzenrating Frankreichs , das Dreifach-A, zu beschädigen. Sollten die Garantien des EFSF ausgeweitet werden, für die Frankreich mit bürgen muss, könnte es sein Spitzenrating wegen der höheren Risiken verlieren. „Eine Versicherung steigert die bedingten Verpflichtungen Frankreichs und das bringt das Rating unter Druck“, kommentiert Bob McKee, Stratege bei Independent Strategy.

Die Ratingagentur Moody's hat bereits Zweifel am Spitzenrating der Grande Nation geäußert. Frankreichs Finanzstabilität sieht sich in den kommenden Monaten mit einer Reihe von Problemen konfrontiert. Da sind etwa mögliche Finanzspritzen für das eigene Bankensystem oder andere in Not befindliche Euro-Staaten“, schreibt Moody’s-Analyst Alexander Kockerbeck. Frankreich habe nicht mehr viel Spielraum, wolle es seine Staatsfinanzen nicht überstrapazieren und das AAA verlieren. Investoren fürchten vor allem neue Bürgschaften für die Euro-Zone.

Schon jetzt gehört Frankreich zu den schwächsten unter den wenigen verbliebenen AAA-Ländern. Deutschlands Nachbar ist in den vergangenen Jahren im globalen Wettbewerb wirtschaftlich zurückgefallen. Die Exporte sind im Verhältnis zu den Einfuhren zurückgeblieben, so dass das Land unter einem wachsenden Leistungsbilanzdefizit leidet. Zusätzliche Risiken liegen im Bankensektor, der im Vergleich zur französischen Wirtschaftsleistung sehr groß ist.

Der französische Bankenprimus BNP Paribas ist größter Gläubiger europäischer Problemstaaten. Die Kreditengagements von BNP in Italien, Belgien, Griechenland, Spanien und Portugal summieren sich auf über 50 Milliarden Euro. Bereits am vergangenen Freitag hatte deshalb die Ratingagentur S&P die Großbank BNP Paribas zurückgestuft. Es wäre kein Novum würde auf die Rückstufung der größten Bank eines Landes auch die Kreditwürdigkeit des Landes selbst abgestuft werden, zumal auch BNP-Konkurrent Société Générale in großem Stile Problemanleihen in den Büchern hat.

Die Finanzmarktakteure haben dem Land schon lange das AAA aberkannt. Gemessen an den Kreditausfallversicherungen gegen einen Bankrott hat Frankreich gerade noch nicht mal mehr ein einfaches A.

„Wenn ich mir die Zahlen anschaue, ist Frankreich kein AAA-Land mehr“, meint Nicola Marinelli, Fondsmanagerin von Glende von King Asset Management gegenüber Bloomberg. „Sie reden von Garantien für Billionen von Euro an Bonds, aber wenn Frankreich kein AAA-Rating mehr hat, dürfte bereits eine Garantie für einen einzigen weiteren Euro nicht nachhaltig sein.“

Tatsächlich könnte eine Herabstufung Frankreichs den mühsam ausgehandelten Rettungsfonds EFSF gefährden. Denn der EFSF ist so konstruiert, dass er hauptsächlich von den beiden AAA-Nationen Deutschland und Frankreich gestützt wird. Wenn nun aber ein Pfeiler wegbricht, würde das die Stabilität des EFSF gefährden.

Dieses Vehikel, das sich Geld an den Finanzmärkten durch die Ausgabe von Anleihen besorgt, genießt ebenfalls die höchste Bonitätsstufe AAA. Ohne Frankreichs Spitzenbonität müsste Deutschland seinen finanziellen Anteil am EFSF deutlich erhöhen. Derzeit bürgt die Bundesrepublik für 211 Milliarden Euro, nach einer Abstufung Frankreichs könnten nach Berechnungen von Experten weitere 100 Milliarden auf Deutschland zukommen.

Damit könnte langfristig auch das Rating Deutschlands auf dem Prüfstand stehen. Karl Weinberg vom Analysehaus High Frequency Economics: „Ich kann mir auch vorstellen, dass Deutschland eines Tages kein Dreifach-A mehr hat."

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