Spekulanten

Leerverkäufe bleiben in drei EU-Staaten verboten

In Frankreich, Italien und Spanien ist das Leerverkaufsverbot an den Aktienmärkten verlängert worden. In Deutschland bleiben gedeckte Leerverkäufe erlaubt.

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Riskante Wetten auf den Kursverfall von Aktien von Banken und Versicherern bleiben in Frankreich, Italien und Spanien vorerst untersagt. Die Regulierungsbehörden der drei Länder wollen mit dem Verbot den zeitweiligen Ausverkauf dieser Papiere stoppen. Sie verlängerten in einer konzertierten Aktion den Bann von Leerverkäufen von Finanzaktien, der am Montag ausgelaufen wäre.

Geliehene Finanzaktien dürfen nun in Italien und Spanien bis Ende September nicht verkauft werden, in Frankreich bis auf weiteres. Belgien hatte das Verbot von vornherein zeitlich nicht begrenzt. „Ziel ist es, das Verbot aufzuheben, sobald es die Umstände an den Märkten erlauben“, erklärten die Regulierer. Das könne vor oder auch nach dem 30. September sein.

Die deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin erklärte, sie sehe keinen Anlass, das seit dem vergangenen Jahr in Deutschland geltende Verbot von ungedeckten Leerverkäufen – bei denen sich der Spekulant die verkauften Papiere nicht einmal geliehen hat - auf normale Leerverkäufe auszuweiten.

Auch das Bundesfinanzministerium erklärte, es gebe keine solchen Pläne. Dennoch drückten Händlern zufolge Spekulationen über einen solchen Schritt den Dax deutlich ins Minus. Deutschland hatte alle Leerverkäufe auf Bankaktien in der Finanzkrise vorübergehend ebenfalls untersagt, nachdem die Werte stark unter Druck gekommen waren.

Schäuble sieht sich bestätigt

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich auf einer Finanzmarktkonferenz der Wochenzeitung „Die Zeit“ für Alleingänge bei der Marktregulierung aus, um den Auswüchsen des ungehemmten Finanzkapitalismus zu begegnen. „Wir brauchen mehr Grenzen und mehr Regeln.“

Er habe das Leerverkaufsverbot für Deutschland allein verfügt, weil ihm die Entscheidungen in Europa zu langsam vonstattengegangen seien. Damals sei er von der französischen Finanzministerin noch kritisiert worden. Er setze auf eine Vorbildwirkung.

„Wir müssen vorangehen. Wenn einer vorangeht, dann werden die anderen auch nachkommen“, sagte der Minister. Das gelte auch für die geplante Transaktionssteuer auf alle Börsengeschäfte, die weltweit nicht durchsetzbar sei.

„Im Rahmen der G20 kriegen wir es auf absehbare Zeit nicht hin.“ Notfalls müssten die Euro-Länder vorpreschen. Banken und Börsenbetreiber warnen davor, dass die Anleger dann umgehend auf Börsenplätze wie London oder Singapur ausweichen dürften.

Spekulationen als Brandbeschleuniger der Krise

Die Leerverkaufsverbote in den vier Ländern waren am 12. August verhängt worden, bis auf Belgien waren sie auf 15 Tage beschränkt worden. Aktien von BNP Paribas , Credit Agricole oder Societe Generale waren zuvor massiv unter Druck geraten. Seither ging die Talfahrt der Finanzwerte aber weiter. Der europäische Bankenindex verlor bis Donnerstag weitere 7,5 Prozent.

Experten zufolge werden Finanzwerte gerne als Vehikel für Spekulationen auf die Wirtschaftskraft eines Landes genutzt. Damit wirkten sie als Brandbeschleuniger in der Staatsschuldenkrise. Internationale Anleger können den Leerverkaufsverboten jedoch leicht ausweichen, indem sie andere Börsenplätze nutzen.