Börsen-Bericht

Enttäuschende Konjunkturdaten frustrieren Anleger

Schuldenkrise und Konjunkturabkühlung sind für Händler ein alarmierender Mix. Der Dax fällt zeitweise um drei Prozent.

Eine nahezu stagnierende deutsche Wirtschaft – das war ein Schock für Anleger. Enttäuscht von der bisherigen Wachstumslokomotive Europas fokussierten sie sich wieder auf die globalen Rezessionsängste und stiegen aus Aktien aus. Der Dax fiel in der Spitze um knapp drei Prozent auf 5858 Zähler. Zu Wochenbeginn hatte der Leitindex noch ein Plus von 0,4 Prozent geschafft und war mit mehr als 6000 Punkten aus dem Handel gegangen.

Vor allem konjunktursensible Werte wie Aktien der Autohersteller und -zulieferer wurden verkauft. Sie verloren zwischen knapp vier und gut zwei Prozent. Der europäische Branchenindex rutschte um 3,4 Prozent ab und damit deutlicher als die anderen Sektoren.

Fast den ganzen Vormittag über verzeichnete keiner der 30 Dax-Werte ein Plus. Der europäische Stoxx50 gab 2,3 Prozent nach.

„Nun ist klar, dass sich auch Deutschland der weltweiten Abkühlung nicht entziehen kann. Und wenn dann noch Mitglieder der EZB von einer unsicheren Richtung der Weltwirtschaft sprechen, gibt einem das sehr zu denken“, sagte Aktienstratege Christian Schmidt von der Helaba mit Blick auf Äußerungen des finnischen EZB-Ratsmitglieds Erkki Liikanen. Geldpolitik allein könne vor dem Hintergrund der massiven Schulden der öffentlichen Haushalte nicht die Spannungen an den Finanzmärkten lösen, sagte Liikanen weiter. Die Politik sei gefordert.

Gipfel in Paris kann nur enttäuschen

Analysten, Händler und Investoren waren gespannt, ob das Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy Fortschritte bringen wird. Die beiden wollen am Nachmittag über eine bessere wirtschaftspolitische Steuerung der Eurozone reden. „Das Treffen heute kann eigentlich nur enttäuschen. Wer da irgendetwas konkretes erwartet, ist blauäugig“, sagte ein Händler. Sollten die beiden allerdings nach dem Gespräch nicht in der Lage sein, dem Finanzmarkt eine Perspektive aufzuzeichnen, könnten die Kurse nochmals massiv abrutschen, warnten Händler. Aus technischer Sicht sei kurzfristig ein Fall des Dax bis auf 5833 Zähler möglich, so Schmidt von der Helaba.

Zu den Titeln, die sich am deutschen Aktienmarkt noch am besten schlugen, gehörten die Versorger. Goldman Sachs hat E.on zum Kauf empfohlen, so dass die Aktien immerhin ein Plus von 0,5 Prozent schafften. Für RWE setzten die Analysten die Empfehlung hoch auf „Neutral“, die Titel verloren weniger als ein Prozent.

Die Insolvenz der US-Solarfirma Evergreen Solar hat unterdessen deutsche Anleger erschreckt und am Dienstag zu heftigen Abverkäufen von Solarwerten geführt. „Das ist kein gutes Signal für hiesige Solarfirmen, die genauso unter dem globalen Kosten- und Preisdruck leiden“, sagte ein Händler. Phoenix Solar fielen um 5,7 Prozent, SMA Solar und Solarworld um jeweils mehr als vier Prozent. Der Ökodax rutschte um 2,8 Prozent ab.