Finanzkrise

An den Börsen zählen nur noch gute Ideen

Finanzkrise wirbelt Börsenweltrangliste durcheinander. Investoren schichten ihr Geld um und verlagern es in andere Unternehmen.

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In der Krise zählen gute Ideen und sie werden honoriert. Das ist die Botschaft, die die Finanzmärkte dieser Tage aussenden. So haben die Turbulenzen die Börsenweltrangliste kräftig durcheinandergewirbelt. An der Spitze kam es zu einem Machtwechsel. Der Technologiekonzern Apple, der mit innovativen Produkten Milliardengewinne macht, hat den Rohstoffgiganten Exxon Mobil vom Thron gestoßen. Die Exxon-Aktie war zuletzt zusammen mit dem Ölpreis eingebrochen, während sich die Apple-Papiere nach überraschend guten Zahlen noch relativ wacker schlagen konnten.

Am Ende steht ein Plus

Am Donnerstag war es an den Märkten abermals zu einer abenteuerlichen Berg- und Talfahrt gekommen. Der Dax startete zunächst mit einem Plus von 3,5 Prozent um im Anschluss 5,5 Prozent in die Tiefe zu rauschen, und danach wieder nach oben zu schnellen. Zum Handelsschluss beendete der deutsche Leitindex seine elf Tage andauernde Negativserie . An der Anzeigentafel der Frankfurter Börse standen zur Abwechslung einmal dicke Pluszeichen. Alle der 30 Dax-Werte verzeichneten Kursgewinne.

Trotz der Zugewinne am Donnerstag steht der Dax noch fast 21 Prozent unter seinem Stand von Ende Juli. Weltweit markiert er die drittschlechteste Wertentwicklung. Allein die Börsen der Ukraine und Ägyptens schnitten mit einem Minus von 24 beziehungsweise 28,5 Prozent noch schlechter ab.

Deutschland ist damit in der globalen Börsenweltrangliste wieder empfindlich zurückgefallen. Waren vor kurzem nicht weniger als sechs hiesige Konzerne unter den 100 Schwergewichten, sind es mit Siemens, Volkswagen, BASF und SAP aktuell gerade noch vier. Besonders hart erwischte es den Versorger E.on . Das einstmals gemessen an seiner Marktkapitalisierung wertvollste deutsche Unternehmen fiel gleich 120 Plätze zurück und rangiert nun gerade noch auf Position 180. Auch die Deutsche Bank ist in den jüngsten Wirren zurückgefallen. Insgesamt lässt sich ein Verfall der westlichen Banken konstatieren. Anleger scheinen all jene Unternehmen abzustoßen, die ihr Geschäft auf Papiergeld gründen.

Auf der Rangliste der größten zehn Konzerne findet sich gerade noch ein Geldhaus . Und das ist aus China. Die ehemaligen Wall-Street-Institute wurden gänzlich aus dem Wirtschaftsolymp vertrieben. JP Morgan ist auf Rang 28 zurückgefallen, Citigroup und die Bank of America finden sich zurechtgestutzt auf den Plätzen 57 und 77 wieder.

Größtes Unternehmen der Welt ist der amerikanische Technologiekonzern Apple . Das Unternehmen aus Cupertino, das mit seinem Handy iPhone und dem bildschirmgesteuerten Computer iPad einen Milliardenmarkt eroberte, hat den aus dem berühmten Standard-Oil-Imperium der Rockefellers hervorgegangen Ölgiganten von der Spitze vertrieben. Angesichts der Wachstumszahlen rechnen Analysten damit, dass sich Apple länger an der Spitze wird halten können.

Zugute kommt dem Technologieriesen, dass heute für die weltweite Spitzenposition bereits eine Marktkapitalisierung von 337 Milliarden Dollar (237 Milliarden Euro) reicht. Vor fünf brachte Spitzenreiter General Electric noch 310 Milliarden Euro auf die Börsenwaage, vor zehn Jahren sogar mehr als 500 Milliarden Euro. Ebenfalls in der Spitzengruppe vertreten sind die Technologieriesen Microsoft und IBM.

Technologiewerte mit Vorteil

Das Traditionsunternehmen IBM hat in diesem Jahr sein 100. Firmenjubiläum gefeiert und steht stellvertretend für die amerikanische Innovationsfähigkeit. Nur durch seinen steten Wandel vom reinen Hardwarekonzern zu einem Dienstleistungsunternehmen hat IBM überlebt. Allerdings sinkt der Stern der USA als unangefochtener Börsenweltmacht. Unter den größten zehn finden sich nur noch vier Unternehmen der Wall Street. Im Jahr 2006 hatten alle bis auf eins der zehn Weltunternehmen ihren Sitz in Amerika.

Allein der Ölmulti Royal Dutch Shell hielt damals das Fähnchen des Alten Kontinents hoch. Ende der 80er-Jahre waren es die Japaner, die die Weltrangliste dominierten, vor allem durch ihre grotesk aufgeblähten Finanzkonzerne. Doch mit dem Platzen der Spekulationsblase begann der Stern zu sinken. Schon um die Jahrtausendwende waren nur mehr zwei Firmen aus Nippon unter den Top-Ten, heute sucht man die Japaner dort vergebens. Dafür findet sich mit Nestlé erstmals ein Schwergewicht aus der Schweiz. Auch dank des starken Franken hat der Nahrungsmittelkonzern den Sprung auf Rang fünf geschafft.

Die Börse war schon immer ein Spiegel für die ökonomischen Kräfteverhältnisse auf dem Globus: zuerst für den Abstieg Japans, dann Europas und schließlich Amerikas. Nicht zuletzt spiegelt sich in den Kursen die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Branchen.

Ironischerweise sind die Notenbanken für die Verschiebung der Machtachsen mitverantwortlich. Indem sie Kapitalmärkte mit Papiergeld fluten, treiben sie die Investoren in Sachwerte. Nicht nur die Edelmetalle, die traditionell als Ersatzwährung fungieren, auch Öl und Kupfer dienen Anlegern als Wertaufbewahrungsmittel. Außerdem sind Firmen mit guten Ideen gesucht, weil sich diese Werte nicht beliebig vermehren lassen. Ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Solange die Notenpressen rotieren, wird das Vertrauen in das Geldsystem und die Banken kaum zurückkehren.