Aktienmärkte in Panik

Dax auf Talfahrt, Dow Jones bricht um 500 Punkte ein

Der Deutsche Aktienindex brach zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober 2010 ein. An der Wall Street fiel der Dow Jones unter sein bisheriges Jahrestief.

Foto: Welt Online

Nicht nur in Europa, sondern auch in den USA hat sich die Lage an den Aktienmärkten dramatisch verschlechtert: Der wichtigste US-Index Dow Jones Industrial stürzte um mehr als 500 Punkte ab und fiel erstmals seit Dezember 2010 wieder unter die Marke von 11.400 Punkten. Damit unterbot er deutlich sein bisheriges Jahrestief, dass er im März während der sich zuspitzenden Reaktorkatastrophe in Fukushima erreicht hatte.

Laut Händlern führten die Sorgen um das US-Wirtschaftswachstum global zu einer beschleunigten Flucht aus Aktienwerten. Der Dow Jones schloss 4,31 Prozent tiefer bei 11.383,68 Punkten und damit weit unterhalb seines bisherigen Jahrestiefs.

Von den vergangenen zehn Handelstagen hat er somit neun Tage im Minus beendet und in dieser Zeit 10,5 Prozent an Wert eingebüßt. Der breiter gefasste S&P 500 verlor am Donnerstag 4,78 Prozent und fiel auf 1200,07 Punkte und erlitt seinen größten Tagesverlust seit Februar

Zusammen mit vielen anderen Konjunkturdaten ergebe sich ein Bild der Stagnation, sagte Hugh Johnson von Hugh Johnson Advisors LLC. „Die Wirtschaft steht still“, sagte er. Sein Kollege Peter Kenney von Knight Kapital sprach von wahllosen Verkäufen. „Heute morgen ist der Damm gebrochen."

Dax so schwach wie seit Oktober 2010 nicht mehr

Auch die Situation in Europa bereitete in New York Sorge. „Die Anleger holen wegen der Schuldenprobleme in Europa so viel Liquidität wie möglich aus dem Markt“, sagte Stephen Massocca von Wedbush Morgan. Hier stünden besonders die Zinsen bei den italienischen und spanischen Einleihen im Fokus.

Zu der schlechten Stimmung trugen auch Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bei, wonach die konjunkturellen Abwärtsrisiken stärker geworden seien.

Der Dax war zuvor auf rasante Talfahrt gegangen. Bei 6391,54 Punkten zeigte sich der deutsche Leitindex so schwach wie seit Mitte Oktober 2010 nicht mehr . Er schloss dann 3,40 Prozent schwächer bei 6414,76 Punkten. Der MDax fiel um 5,08 Prozent auf 9225,29 Punkte, der Technologie-Index TecDax verlor 4,96 Prozent auf 724,38 Punkte.

Börsianer verwiesen auf charttechnische Gründe für die Entwicklung. „Jetzt brechen die letzten Dämme“, kommentierten sie den Kursrutsch des Dax unter das März-Tief nach der japanischen Erdbebenkatastrophe. Seit dem 27. Juli hat das Börsenbarometer insgesamt knapp 13 Prozent an Wert verloren und damit deutlich mehr als im März.

Gebündelte Schuldenprobleme aus USA und Europa

Die unverändert gelassenen Leitzinsen in Europa sowie erwartungsgemäße Wochendaten vom US-Arbeitsmarkt traten ebenso in den Hintergrund wie zahlreiche Quartalsberichte. Am besten hielten sich noch defensive Aktien, während konjunktursensible Werte besonders abgestraft wurden.

„Wir sehen zur Zeit eine kräftige Korrektur“, sagte Marktstratege Christian Stocker von der Unicredit. „Die Frühindikatoren aus den USA haben frühzeitig Warnsignale gesendet. Doch erst mit dem Hochkochen der Schuldenproblematik in den USA ist dies, verbunden mit den Schuldenproblemen in Europa, mit Wucht in den Vordergrund gerückt.“

Stocker kann sich ein weiteres Absacken bis auf 6200 Punkte im Dax in den nächsten Wochen vorstellen, bevor der Boden gefunden ist und es wieder hochgeht.