Absturz

Furcht vor Rezession drückt Dax auf Jahrestief

Rezessionsangst und Furcht vor steigenden Leitzinsen sorgen für einen dramatischen Absturz an der Börse. Der Dax fällt den siebten Tag in Folge.

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Der Dax fällt und fällt. Die Furcht vor Rückkehr der Rezession und vor steigenden Leitzinsen drücken den deutschen Leitindex auf ein neues Jahrestief. Der Dax fiel am Nachmittag auf 6391 Punkte – ein Minus von fast drei Prozent. Den bisherigen Tiefstand bei 6483 Punkten hatte der Dax nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März erreicht. Neue Jahrestiefs verbuchten auch die übrigen Indizes. Während der MDax 5,3 Prozent einbüßte, fiel der TecDax um 4,5 Prozent.

Schwärzeste Wochenbilanz seit Lehman

Der Leitindex verlor den siebten Handelstag in Folge. Das Gesamtminus summiert sich dabei auf 13 Prozent. Rund zehn Prozent dieses Verluste verbuchte der Dax in der laufenden Woche. Damit steuert er auf die schwärzeste Wochenbilanz seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 zu.

Die Kursverluste der vergangenen Tage haben den Börsenwert der 30 im Dax gelisteten Unternehmen um knapp 100 Milliarden Euro geschmälert. Dies entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung von Neuseeland.

Auslöser für die Verkaufswelle waren Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet. Trichet warnte nach einer EZB-Ratssitzung erneut vor Inflationsgefahren. Die Risiken müssten "sehr genau beobachtet" werden. Für Experten ist diese Wortwahl – die an den Finanzmärkten sehr genau beachtet wird – ein Hinweis darauf, dass die Leitzinsen noch in diesem Jahr erneut angehoben werden könnten. Die EZB fürchtet auch, dass die Wirtschaft im Euroraum ins Stocken gerät. Deshalb stellt sie den von der Euro-Schuldenkrise gebeutelten Banken, von denen viele ausfallgefährdete Anleihen halten, erneut Geld zu günstigen Konditionen bereit.

Der Dax leidet doppelt, weil es auch um Exportperspektiven für Deutschland geht“, kommentierte Marktstratege Robert Halver das schwindende Vertrauen der Anleger in das Krisenmanagement von Politik und Notenbanken. Deutsche Staatspapiere standen dagegen hoch im Kurs. Der Bund-Future rückte um 83 Ticks auf 132,63 Zähler vor. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 2,331 Prozent. Der Euro gab seine frühen Gewinne wieder ab und notierte zuletzt bei 1,4126 Dollar. Im Frühhandel war die Gemeinschaftswährung zeitweise noch bis auf 1,4372 Dollar geklettert.

Vier Konzerne im Fokus

Vier Dax-Konzerne standen mit Geschäftszahlen im Fokus. Favorit im Index waren die Aktien von Adidas, die sich um 2,4 Prozent befestigten. Der Sportartikelhersteller blickt nach Zuwächsen im zweiten Quartal optimistischer auf das Gesamtjahr und hob seine Prognosen an. Beiersdorf gewannen nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen für das abgelaufene Halbjahr um 0,8 Prozent. Papiere der Deutschen Telekom notierten zuletzt 1,2 Prozent im Plus. Die Bonner hatten im zweiten Quartal dank eines erneut robusten Deutschland-Geschäfts einen stärkeren Umsatzschwund verhindern können, enttäuschten aber dennoch die Erwartungen so mancher Analysten.

Hingegen ging es für die Anteilscheine von Munich Re nach Auftaktgewinnen um 1,2 Prozent abwärts. Der weltgrößte Rückversicherer hatte nach den Erdbeben und Wirbelstürmen des ersten Halbjahres erneut rote Zahlen vermeldet, doch war der Verlust nicht so hoch ausgefallen wie am Markt befürchtet. Ein lediglich bestätigter Ausblick beim TV-Konzern ProSiebenSat.1 ließ die Aktie nach anfänglichen Gewinnen von bis zu 4,9 Prozent um 14,9 Prozent einbrechen. Der TV-Konzern hatte im zweiten Quartal weiter deutlich zugelegt und war dank höherer Werbeeinnahmen auf Rekordkurs geblieben.

Investoren auf der Suche nach Sicherheit legen ihr Geld vermehrt in Gold an. Der Goldpreis entwickelte sich beinahe gegenläufig zu den Börsen. Er stieg einmal mehr auf ein Allzeithoch bei 1.681,90 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). Von Händlern hieß es, Anleger flüchteten mit den sich eintrübenden Konjunkturaussichten in die Krisenwährung.