Euro-Krise

S&P hält Vorgehen nicht für "besonders brutal"

Am Montag hatte S&P gewarnt, dass die Beteiligung privater Gläubiger am Retttungspaket als Zahlungsausfall gewertet werden könnte. Daraufhin hagelte es Kritik.

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S&P-Deutschlandchef Torsten Hinrichs hat die internationalen Ratingagenturen gegen die wachsende Kritik in der Euro-Schuldenkrise verteidigt. Es sei nicht Aufgabe der Bonitätswächter zu beurteilen, ob Rettungsprogramme der Regierungen politisch richtig seien.

„Unsere Aufgabe ist es, eine Meinung dazu abzugeben, ob die zukünftige Zahlungsfähigkeit gegeben ist oder nicht“, sagte Hinrichs in der ARD. Die Ratingagenturen würden auch nicht immer genau dann bestimmte Länder herabstufen, wenn die Politiker nach Lösungen für ein verschuldetes Land wie etwa Portugal oder Griechenland suchten. Er würde das Vorgehen der Agenturen deshalb „absolut nicht als besonders brutal bezeichnen im Augenblick“.

In dem konkreten Beispiel, nämlich dem französischen Vorschlag für eine Beteiligung von Banken und Versicherungen an Hilfen für Griechenland, sei die Möglichkeit gegeben, dass die ursprüngliche Laufzeit von zwei oder vier Jahren gegen eine Laufzeit von 30 Jahren ausgetauscht werde, erklärte Hinrichs.

Zudem sollten diese neuen Anleihen für etwa zehn Jahre nicht handelbar sein. „Das hat nichts mehr zu tun mit dem ursprünglichen Zahlungsversprechen. Und deswegen ist es nach unseren Kriterien ein zumindest teilweiser Zahlungsausfall“, bekräftigte Hinrichs die Position von S&P zu dem französischen Modell. S&P hatte am Montag gewarnt, dass das französische Modell zur Beteiligung privater Gläubiger am Griechenland-Hilfspaket als Zahlungsausfall des Landes gewertet werden könnte .

Daraufhin kritisierte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger und EZB-Ratsmitglied Volker Wissing die Macht der Ratingagenturen. Bofinger sagte der "Saarbrücker Zeitung", „das Hauptproblem ist die mangelnde Bereitschaft der Politik zu grundlegenden Lösungen.“

Für die Währungsunion sei ein einheitliches Finanzierungsinstrument notwendig. „Es würde schon reichen, griechische Anleihen in Anleihen des Euro-Rettungsfonds zu tauschen. Dann wäre die Macht der Ratingagenturen über Griechenland gebrochen“, meinte Bofinger. „Nur handelt es sich dabei um eine Art Vorstufe für Euro-Bonds, und da winken finanzstarke Euro-Länder wie Deutschland ab“, fügte er einschränkend hinzu.

Nach Ansicht Bofingers lassen sich Ratingagenturen prinzipiell durch andere Instrumente zur Begutachtung der Kreditwürdigkeit ersetzen. „Nötig wären dann ein umfassendes eigenständiges Rating der Banken und Versicherungen und eine akribische Überprüfung dieser Ergebnisse durch die staatliche Finanzaufsicht“, erläuterte der Experte.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny kritisierte ebenfalls die Ratingagenturen: Während die Gläubigerbanken Griechenland stabilisieren wollten, stellten die Bewertungsagenturen ihnen Hindernisse in den Weg, sagte er im Österreichischen Rundfunk.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte die Macht der Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit eines Landes bewerten, in Frage . Die sogenannte Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission dürfe sich nicht „die eigene Urteilsfähigkeit nehmen lassen“, sagte Merkel. Sie vertraue dem Urteil dieser drei Institutionen, die die Hilfsprogramme für Griechenland organisieren.

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Volker Wissing verteidigte S&P. Die Finanzmärkte brauchten unabhängige Bewertungen. "Man sollte die Bedenken und Kritik der Ratingagenturen nicht vorschnell verteufeln, sondern versuchen, diese konstruktiv aufzugreifen und bei der Ausgestaltung der Rettungsmechanismen zu berücksichtigen", sagte Wissing "Handelsblatt Online".