Inflation

Wenn Euro-Geldscheine nur noch als Tapete dienen

Die Politik bringt mit ihren Bedingungen für die Griechenland-Hilfen die Kaufkraft von Dollar und Euro in Gefahr.

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Dass Griechenland pleite ist, dürfte auch einem Nicht-Finanzexperten klar sein. Wäre Griechenland ein Privatunternehmen, dann würde ein Konkursverfahren eingeleitet. Die Aktionäre würden ihr investiertes Risikokapital verlieren und die Kreditoren müssten eine große Abschreibung auf ihre Darlehen in Kauf nehmen. Griechenland ist aber ein Staat – und zwar einer, der gewaltige Kredite von zumeist französischen und deutschen Banken sowie der Europäischen Zentralbank aufgenommen hat.

Daher muss erneut die europäische Staatengemeinschaft den Griechen helfen und das höchst korrupte Land mit neuen Rettungspaketen weiter unterstützen. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn damit auch tatsächlich den Griechen geholfen würde.

Aber die Bedingungen – um zusätzliche Kredite zu erhalten – sind ungefähr so unrealistisch streng und dazu wachstumshemmend, wie die Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg. Diese brachten die deutsche Wirtschaft in eine Lage, in der ein Kollaps nur noch durch das massive Drucken von Geld verhindert werden konnte. So lange die Griechen der EU angehören, ist das allerdings für sie keine Alternative.

Mir scheint es, als ob die verschiedenen Stützungspakete die bevorstehende Griechenland-Pleite lediglich verzögern und mit schweren Entbehrungen für einen großen Teil der Bevölkerung verbunden sind. Wer aber tatsächlich gestützt wird, sind die Banken sowie die unglücklich agierende Führungsspitze der Europäischen Zentralbank, welche den Griechen gewaltige Geldsummen zur Verfügung stellten.

Aber so ist es auch richtig, denn es wäre ja volkswirtschaftlich eine Tragödie, wenn die erfolgsverwöhnten Finanzleute aufgrund von Verlusten in den Banken kleinere Bonuszahlungen kassieren würden.

Die Frage, die sich dabei aufdrängt, ist, ob Amerika nicht Griechenland mal 1000 ist? Ja und Nein. Die amerikanische Gesamtverschuldung mit den ungedeckten Verpflichtungen des Sozial- und Gesundheitswesen beläuft sich auf rund 800 Prozent des Bruttosozialproduktes. Somit ist die amerikanische Gesamtverschuldung wesentlich höher als die griechische.

Aber, und das ist der springende Punkt, die Vereinigten Staaten können soviel Geld drucken wie sie wollen. Deshalb werden sie ihre Schulden immer begleichen können. Allerdings: Je mehr die USA Geld drucken, desto mehr wird die Kaufkraft des Dollars abnehmen. Mit anderen Worten, die Käufer von amerikanischen Staatsanleihen müssen nicht besorgt sein, ob sie ihre Zinsen und ihr Kapital zurückerhalten. Aber sie müssen sich Sorgen machen, wie viel dieses Kapital in fünf oder zehn Jahren noch wert sein wird.

Diese Frage betrifft auch die zukünftige Kaufkraft des Euro. Meiner Meinung nach werden wir alle noch eine Zeit erleben, in der man Banknoten als Wandpapier benutzen wird!

Obwohl ich eine weitere Schwäche an den Anlagemärkten im Herbst erwarte, glaube ich, dass Anleger langfristig besser gestellt sein werden, wenn sie ihr Geld in Aktien und Edelmetallen anlegen und nicht in Staatsanleihen und in Bankeinlagen zu Null Zinsen.

Der Autor ist Fondsmanager und gilt unter Börsianern als ausgesprochener Skeptiker