Nach dem zweiprozentigen Kursplus vom Donnerstag bestimmten zum Wochenschluss Gewinnmitnahmen das Geschehen am deutschen Aktienmarkt. Auch die anhaltenden Spekulationen auf eine Zinserhöhung in China ließen die Anleger an den Seitenlinien verharren. Bis zum Handelsschluss machte der Dax seine Verluste wieder wett und notierte bei 6843 Punkten 0,2 Prozent im Plus. Auch der MDax erholte sich von Anfangsverlusten und schloss ebenfalls 0,2 Prozent höher bei 9412 Zählern. Der TecDax ermäßigte sich dagegen um 0,7 Prozent auf 790 Punkte.
Fortschritte in den Verhandlungen um ein Hilfspaket für Irland stärkten das Vertrauen in den Euro. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,3731 Dollar und wechselte am Abend bei 1,3647 Dollar den Besitzer. Am Rentenmarkt notierte der Bund-Future mit 127,44 Punkten acht Ticks im Minus. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte zuletzt mit 2,705 Prozent.
Zu den stärksten Dax-Werten zählten die Papiere von Bayer mit plus 2,2 Prozent, nachdem die Wettbewerber Pfizer und Bristol-Myers Squibb einen Rückschlag bei einem mit dem Bayer-Medikament Xarelto konkurrierenden Blutverdünner erlitten hatten. Am Montag hatte der Leverkusener Konzern positive Studienergebnisse für sein Mittel vorgelegt und damit bereits einen Kurssprung von bis zu 7,4 Prozent ausgelöst. Einer am Vorabend veröffentlichten Meldung, wonach der Chemie- und Pharmakonzern in Deutschland 1700 und weltweit rund 4500 Stellen streichen will, maß ein Händler indes keine größere Bedeutung zu.
Eine Hochstufung durch Barclays Capital half den Vorzugsaktien von Henkel zu einem Aufschlag von 2,4 Prozent. Die britische Investmentbank hatte die Papiere von „Gleichgewichten“ auf „Übergewichten“ hoch gestuft und das Kursziel von 41,00 auf 53,00 Euro angehoben. Der Konzern biete mittlerweile mehr als nur ein von Einsparungen und einer Erholung des Marktes getriebenes Wachstumspotenzial wie in dem Zeitraum seit 2008, schrieb Analystin Susanne Seibel in einem Kommentar zu Henkel.
Anteilscheine von Infineon gewannen im frühen Geschäft noch einmal 1,3 Prozent, bevor Gewinnmitnahmen den Aktienkurs 0,4 Prozent ins Minus drückten. Einem Bericht der „FAZ“ zufolge könnte der Halbleiterspezialist den ursprünglich erst für das erste Quartal 2011 vorgesehenen Verkauf seiner Mobilfunksparte an Intel bereits bis Jahresende abschließen. Im Minus notierten auch Papiere aus dem Finanzsektor. Während die Titel der Deutschen Bank 1,6 Prozent verloren, schwächten sich die Papiere der Commerzbank um ein Prozent ab. Auch wenn die Sorge um die irische Schuldenkrise am Donnerstag vollständig ausgeblendet worden war, schwebt sie weiter wie ein Damokles-Schwert über der Branche.
Fusionsspekulationen rückten unterdessen Heidelberger Druck ins Rampenlicht. „Angeblich will Eastman Kodak mit 25 Prozent bei Heideldruck einsteigen“, sagte ein Händler. Die Aktien des deutschen Druckmaschinenherstellers zogen um 3,8 Prozent an. Papiere des Maschinenbauers Gildemeister erhielten Auftrieb durch eine Kurszielerhöhung der Berenberg Bank und legten 3,7 Prozent zu. Die Analysten hoben das Ziel von 20 auf 22 Euro an. Im Fokus der Anleger standen auch Hochtief. Der spanische Baukonzern ACS nimmt eine Kapitalerhöhung vor. Dies entschieden die Aktionäre mit großer Mehrheit auf einer außerordentlichen Hauptversammlung. Demnach kann ACS zur Finanzierung der Offerte sein Grundkapital um bis zu 50 Prozent erhöhen. Dies entspricht der Ausgabe von maximal 157 Mio. neuen Aktien. Mit den erhofften Milliardeneinnahmen will ACS die Übernahme finanziell absichern und sich gegen Abwehrmaßnahmen von Hochtief wappnen. Die Hochtief-Aktie gewann indes 0,9 Prozent.
wej./Reuters


