Angesichts der Fortschritte zur Lösung der irischen Schuldenkrise kehrten am Donnerstag die Optimisten verstärkt an den deutschen Aktienmarkt zurück und halfen dem Dax weiter nach oben. Den entscheidenden Schub lieferten aber neue US-Konjunkturdaten, in deren Folge der Leitindex auf ein neues Zweieinhalbjahres-Hoch bei 6836 Zählern kletterte. Zum Handelsende wies der Dax schließlich ein Plus von zwei Prozent auf 6832 Punkte aus. Der Konjunkturindex der Philly-Fed war im November auf 22,5 Punkte hochgeschnellt, während die Prognose bei 5,0 Zählern gelegen hatte. Der MDax der mittelgroßen Werte rückte um 1,9 Prozent auf 9396 Zähler vor, während der Technologieindex TecDax mit einem Aufschlag von 2,4 Prozent auf 796 Punkte die deutlichsten Gewinne in der Dax-Familie verbuchte.

Die steigende Zuversicht in der irischen Schuldenkrise lockte die Anleger wieder in die europäische Gemeinschaftswährung. Der Euro kletterte bis auf 1,3667 Dollar, kam aber nach den US-Daten wieder zurück und wechselte zuletzt bei 1,3617 Dollar den Besitzer. Am Rentenmarkt brach der Bund-Future um 101 Ticks auf 127,44 Punkte ein. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit 2,706 Prozent.

Die wachsende Bereitschaft Irlands, Hilfen von der EU und dem IWF in Anspruch zu nehmen, stützte insbesondere die Finanzwerte. Titel des Branchenprimus Deutsche Bank verteuerten sich um 1,2 Prozent, Anteilscheine der Commerzbank rückten um 0,4 Prozent vor. Für gute Stimmung im Automobilsektor sorgte das glanzvolle Initial Public Offering von General Motors (GM). Mit Erlösen über 23,1 Mrd. Dollar könnte GM der größte Börsengang aller Zeiten gelingen. Im Dax gewannen die Vorzüge von VW 2,8 Prozent, Daimler und BMW verbesserten sich um 3,1 und 3,7 Prozent. Gefragt waren auch die Stahlwerte, die von den starken Zahlen des österreichischen ThyssenKrupp-Konkurrenten Voestalpine profitierten. Die Anteilscheine von ThyssenKrupp verteuerten sich um 2,5 Prozent, im MDax ging es für Salzgitter-Papiere um 0,9 Prozent nach oben. Infineon-Titel blieben nach der Ankündigung der ersten Dividende nach zehn Jahren und eines Aktienrückkaufs die Lieblinge der Börsianer, die Aktie gewann um weitere 4,9 Prozent hinzu.

Die Anhebung der Jahresprognose des Konkurrenten Air France-KLM zog auch die Papiere der Lufthansa 1,7 Prozent nach oben. Händler vermuten aber, dass die Aktie wegen der Terrorwarnung für Deutschland zunächst nicht viel weiter ansteigen wird. Anteilscheine von Air Berlin ermäßigten sich im SDax derweil um 0,7 Prozent. Das Unternehmen hatte angekündigt, seine Kapazitäten wegen der Flugsteuer in Deutschland im Sommer zu verringern und möglicherweise auch Personal zu entlassen.

Die im MDax gelisteten Titel von Kabel Deutschland profitierten von positiven Analystenkommentaren nach den Quartalsergebnissen. Sie verteuerten sich um bis zu 7,7 Prozent auf 36,495 Euro und waren damit so teuer wie noch nie. Zuletzt belief sich das Plus noch auf 5,6 Prozent. Titel von Demag Cranes verteuerten sich um 3,8 Prozent, nachdem Gerüchte über ein Interesse des US-Konzerns Terex an dem deutschen Kranhersteller die Runde auf dem Parkett machten. Danach will Terex 45 Euro je Aktie von Demag Cranes bieten.

Positive Geschäftsaussichten bei Wirecard ließen die Anleger bei den Aktien des Zahlungsverkehrsabwicklers zugreifen. Die Papiere verteuerten sich um 6,1 Prozent und zählten damit zu den größten Gewinnern im Technologieindex TecDax. Der Ausblick auf das vierte Quartal sei solide, hieß es in einer Studie von Steubing Research. Es sei wegen des Weihnachtsgeschäfts traditionell das stärkste Quartal. Wirecard hatte zuvor seinen Ausblick für dieses Jahr präzisiert und rechnet nun mit einem operativen Gewinn von 72 bis 75 Mio. Euro. Bisher reichte die Spanne von 70 bis 75 Mio. Euro.

wej./Reuters/dma