Heizöl ist derzeit deutlich teurer als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig könnten sich die Preise wieder bewegen – und damit stellt sich für viele Haushalte vor der Heizsaison die Frage, wann der richtige Zeitpunkt zum Heizölkauf ist. Ob Heizöl langfristig günstiger wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Experten ordnen ein, was für sinkende Heizölpreise spricht – und was dagegen.

Heizöl jetzt kaufen oder warten? Experte gibt entscheidenden Tipp.

Aktuelle Heizölpreis-Prognose für 2026: Was für sinkende Preise spricht

Dafür müssten sich vor allem die internationalen Öl- und Energiemärkte entspannen. Eine wichtige Rolle spielt der Rohölpreis: Sinkt er, kann das grundsätzlich auch Heizöl günstiger machen. Allerdings hängt der Preis an der Zapfsäule beziehungsweise beim Heizöllieferanten nicht allein vom Rohöl ab.

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„Die Preise werden aktuell von zwei Faktoren getrieben“, sagt Tobias Cramer von Clausbruch, Geschäftsführer der agital.online GmbH, die das Heizölportal esyoil betreibt. Grundsätzlich wirke sich der durch den Iran-Krieg und die eingeschränkte Nutzung der Straße von Hormus gestiegene Rohölpreis auf alle Brenn- und Kraftstoffe aus. „Speziell beim Heizöl sind aber auch fehlende Raffineriekapazitäten ein zusätzlicher Preistreiber.“

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Eine Entspannung der geopolitischen Lage könnte deshalb für sinkende Preise sorgen. Gleichzeitig müssten sich auch die Raffineriekapazitäten wieder erholen. Cramer von Clausbruch sagt: „Die Heizölpreise können kurzfristig nur durch das Wiedererlangen der vollen Raffinerie- und Rohölkapazitäten signifikant gesenkt werden.“ Dafür sei eine Beendigung der aktuellen geopolitischen Krisen nötig, „vor allem am Persischen Golf“.

Ölheizung korrekt
Die Heizsaison steht vor der Tür. Die Heizölpreise liegen derzeit deutlich über denen aus dem Vorjahr.© picture alliance / ZB | Patrick Pleul

Warum Heizöl nicht automatisch mit dem Ölpreis günstiger wird

Ein wichtiger Grund dafür ist das sogenannte Gasöl. Es ist ein Mitteldestillat, das in Raffinerien aus Rohöl gewonnen wird und als entscheidendes Vorprodukt für Heizöl dient. Gasöl werde überwiegend in Raffinerien im Ausland hergestellt, erklärt Cramer von Clausbruch. Große Kapazitäten gebe es beispielsweise in Russland und am Persischen Golf. „Durch die aktuellen geopolitischen Krisen fallen diese Kapazitäten aus unterschiedlichen Gründen jedoch zu einem großen Teil aus“, sagt er. Hinzu kämen weitere, etwa technisch bedingte Raffinerieausfälle. „Diese ,Raffineriekrise‘ führt dann zu einer entsprechenden Knappheit am Markt, welche auf eine hohe Nachfrage trifft und die aktuellen Preissteigerungen auslöst“, sagt Cramer von Clausbruch.

Eine Frau dreht am Thermostat einer Heizung
Heizen mit Ölheizung wird 2026 weiter teurer sein.© dpa | Hauke-Christian Dittrich

Bedeutet: Selbst wenn der Rohölpreis wieder sinkt, muss Heizöl nicht im gleichen Umfang günstiger werden. Entscheidend ist auch, wie viel Gasöl und damit Heizöl verfügbar ist und wie hoch die Kosten für Verarbeitung und Transport sind. Auch regionale Faktoren können eine Rolle spielen. „Aber auch durch lokale Ereignisse wie den niedrigen Rheinpegel und die dadurch gestiegenen Frachtkosten kann der Heizölpreis in entsprechenden Gegenden Deutschlands beeinflusst werden“, sagt der Experte.

Heizölpreis-Entwicklung: Was Experten langfristig erwarten

Das ist schwer zu sagen. Kurzfristig könnten vor allem eine Entspannung der geopolitischen Lage und eine bessere Versorgung mit Rohöl und Gasöl für niedrigere Preise sorgen. „Die Heizölpreise können kurzfristig nur durch das Wiedererlangen der vollen Raffinerie- und Rohölkapazitäten signifikant gesenkt werden“, sagt Cramer von Clausbruch. Das erfordere eine Lösung der aktuellen Krisen, insbesondere am Persischen Golf. „Hier sind die Marktteilnehmer aber leider machtlos und völlig der Weltpolitik ausgeliefert“, so der Experte. „Dementsprechend überwiegt eher die Hoffnung auf eine baldige Lösung, als eine seriöse Vorhersage.“

Heizöl
Ein Mitarbeiter eines Diesel- und Heizöl-Unternehmens verbindet einen Schlauch mit Zapfpistole an einen Füllstutzen für die Heizöllieferung an einen Kunden in einem Einfamilienhaus.© picture alliance/dpa | Christian Charisius

Auch Stefan Materne von der Energieberatung der Verbraucherzentrale warnt davor, aus der aktuellen Situation eine einfache Preisprognose abzuleiten. „Selbst wenn der Krieg im Iran vorbei wäre und die Straße von Hormus wieder geöffnet würde, blieben die Schäden an der Infrastruktur zunächst bestehen“, sagt er. Für die Reparatur zerstörter Anlagen seien teilweise mehrere Monate bis hin zu 15 Monaten genannt worden. Das könne die Förderleistung von Öl und Gas länger beeinträchtigen und den Preisdruck aufrechterhalten.

Gleichzeitig könnte zusätzliches Angebot auf den Markt kommen, etwa durch eine höhere Förderung. Deshalb lasse sich die weitere Entwicklung nicht seriös vorhersagen. „Es wäre aber sicherlich nicht richtig, einfach davon auszugehen, dass wir nach dem Krieg wieder auf das Preisniveau von davor zurückfallen“, sagt Materne. Innerhalb eines Jahres sei der Ölpreis um 85 Prozent gestiegen und sei momentan höher als zum Ausbruch des Iran-Krieges.

Heizöl-Prognose 2027: Könnten die Preise wieder sinken?

Für 2027 gibt es zumindest am internationalen Ölmarkt Anzeichen für eine Entspannung. Die US-Energiebehörde EIA erwartet, dass sich die Ölproduktion im Nahen Osten im kommenden Jahr schrittweise erholt und die weltweiten Lagerbestände wieder steigen. Für die Nordseesorte Brent prognostiziert sie für 2027 deshalb einen Durchschnittspreis von rund 74 Dollar je Barrel. Im zweiten Halbjahr 2026 rechnet die Behörde noch mit durchschnittlich rund 90 Dollar.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Für Verbraucher in Deutschland wäre ein sinkender Rohölpreis grundsätzlich eine gute Nachricht. Eine Garantie für deutlich günstigeres Heizöl ist das allerdings nicht. Neben dem Rohölpreis bestimmen unter anderem die Verfügbarkeit von Gasöl, Raffineriekapazitäten, Transportkosten und der Wechselkurs den Endpreis. Gerade bei den Mitteldestillaten bleibt die Versorgung angespannt.

Heizöl-Prognose 2028: CO₂-Preis wird zum wichtigen Faktor

Für deutsche Verbraucher kommt darüber hinaus noch ein weiterer Faktor hinzu: der CO₂-Preis. Heizöl verursacht beim Verbrennen Kohlendioxid, für dessen Emissionen über den nationalen Emissionshandel Kosten entstehen. Diese werden von den Unternehmen, die die Brennstoffe in Verkehr bringen, in der Regel an die Verbraucher weitergegeben.

2028 soll der neue europäische Emissionshandel ETS 2 für Gebäude und Verkehr starten. Anders als beim bisherigen deutschen System wird der CO₂-Preis stärker über den Handel mit Emissionszertifikaten bestimmt. Damit lässt sich heute noch nicht seriös beziffern, wie stark der CO₂-Preis einen Liter Heizöl 2028 verteuern wird.

Um extreme Preissprünge zum Start zu begrenzen, hat die EU allerdings Schutzmechanismen vorgesehen. Steigt der Preis für Emissionszertifikate in den ersten Jahren über bestimmte Schwellen oder besonders schnell, können zusätzliche Zertifikate aus einer Marktstabilitätsreserve freigegeben werden. Für Heizölkunden bedeutet das: Ein niedrigerer Rohölpreis könnte Heizöl 2027 und 2028 zwar wieder günstiger machen. Steigende CO₂-Kosten könnten einen Teil dieser Entlastung langfristig jedoch wieder aufzehren.

CO₂-Preis: Warum Heizöl langfristig teuer bleiben könnte

2026 liegt der CO₂-Preis in einem gesetzlich vorgegebenen Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Nach Berechnungen des ADAC kann die CO₂-Abgabe bei Heizöl inklusive Mehrwertsteuer bis zu 20,70 Cent je Liter ausmachen.

Wie stark das ins Gewicht fällt, zeigt eine Beispielrechnung der Verbraucherzentrale: Wer 2000 Liter Heizöl im Jahr verbraucht, muss 2026 allein für den CO₂-Preis mit 350 bis 410 Euro rechnen. Eigentlich sollte die CO₂-Bepreisung 2027 weiter steigen. Die Bundesregierung will das nun jedoch aussetzen. Das Bundeskabinett hat im August einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, nach dem der CO₂-Preis auch 2027 im derzeit geltenden Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne bleiben soll. Die Regelung gilt allerdings noch nicht endgültig: Bundestag und Bundesrat müssen dem Gesetz noch zustimmen. Die Beratungen sollen im Herbst stattfinden.

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Mit dem ETS 2 wird der Emissionshandel stärker vom europäischen Markt bestimmt. Wie sich die Kosten langfristig entwickeln, ist offen. Der ADAC erwartet für den Start 2028 zunächst keine dramatischen Preissprünge. Langfristig könnte ein steigender CO₂-Preis allerdings dazu beitragen, dass Heizöl trotz eines möglicherweise günstigeren Rohölpreises nicht im gleichen Maß billiger wird.