Elon Musk hält sich ungern an Konventionen. Jetzt will der reichste Mensch der Welt mit seinem Unternehmen SpaceX die Anleger rocken. Beim spektakulärsten Börsengang aller Zeiten geht es um Monddörfer, Marsreisen, KI-Rechenzentren im All und sehr viel Geld. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Was ist SpaceX?
The Space Exploration Technologies, wie SpaceX offiziell heißt, ist das größte private Unternehmen der Welt. Gegründet hat es Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, 2002. Musk treibt es als Chef auch voran. Ohne SpaceX wäre der Boom bei Satelliten und Raumfahrtmissionen kaum möglich. Das Unternehmen dominiert den Transport ins All. Mit der Rakete Falcon 9 bietet der Konzern zuverlässige Starts in rascher Folge an. Sie ist in Teilen wiederverwertbar und im Vergleich zu anderen Raketenanbietern unschlagbar günstig. SpaceX ist zudem Partner der US-Weltraumbehörde Nasa, etwa um wieder Menschen auf den Mond zu bringen, und arbeitet für das US-Verteidigungsministerium. Das eigene Netz von Starlink-Satelliten liefert rund um die Erde schnelles Internet. Zudem betreibt SpaceX mit xAI eine eigene Sparte für Künstliche Intelligenz (KI), an der auch der Kurznachrichtendienst X (früher Twitter) hängt.
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Wie laufen die Geschäfte?
Zahlen waren bisher streng geheim. Nach Unterlagen, die SpaceX bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat, setzte der Konzern zuletzt 2025 rund 18,7 Milliarden Dollar um, der Verlust betrug 4,94 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor gab es 791 Millionen Dollar Gewinn bei 14 Milliarden Dollar Umsatz. Im ersten Quartal 2026 schrieb das Raumfahrtgeschäft hohe Verluste, Starlink verdiente Geld bei steigenden Nutzerzahlen, das KI-Geschäft steckt tief im Minus. Größter Anteilseigner ist Elon Musk, der rund 85,1 Prozent der Stimmrechte kontrolliert. Die Kontrolle wird er auch nach dem Börsengang behalten.
Was ist genau geplant?
Der Konzern strebt offenbar unter dem Kürzel SPCX an die US-Technologiebörse Nasdaq. Es soll nur ein Teil der Aktien abgegeben werden. Spekuliert wird, dass es am 12. Juni so weit ist. Mit Einzelheiten, etwa was die Aktie kosten soll, rechnen Experten um den 4. Juni herum.
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Wie teuer ist das Unternehmen?
Der Wert eines Unternehmens bemisst sich danach, wie viel Geld Investoren für einen Anteil bezahlen wollen. An der Börse, an der die Aktien eines Unternehmens gehandelt werden, ist der Wert sofort ersichtlich. Ist das Unternehmen nicht an der Börse, können die Eigentümer Anteile privat verkaufen. Experten schätzten den Wert von SpaceX Anfang des Jahres auf rund 800 Milliarden Dollar. Mit dem Börsengang sollen nach Informationen des Wirtschaftsnachrichtendienstes Bloomberg 75 Milliarden Dollar erlöst werden. SpaceX strebt einen Wert von mehr als zwei Billionen Dollar an, was für einen Platz in der Liste der zehn wertvollsten börsennotierten US-Unternehmen reicht. Es wäre der größte IPO (Initial Public Offering, Börsengang) aller Zeiten. Bisher hielt den Rekord der staatliche saudische Ölkonzern Saudi Aramco, der 2019 insgesamt 29,4 Milliarden Dollar erlöste.
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Ist SpaceX den Betrag wert?
Unklar. Einige Experten halten den Wert für zu hoch. SpaceX wäre den jetzt vorgelegten Zahlen nach mit dem 107-Fachen seines Umsatzes bewertet. Das ist viel. Deutschlands größtes börsennotiertes Unternehmen Siemens (Wert rund 182 Milliarden Euro) kommt auf das 2,5-Fache, SAP, die Nummer zwei (Wert rund 158 Milliarden Euro), auf das 4,6-Fache. Die Börse ist eine Wette auf die Zukunft, der Wert könnte gerechtfertigt sein. Und Musk hat schon gezeigt, wie sehr er eine vermeintlich stabile Branche wandeln kann. Mit Tesla verhalf er im Prinzip im Alleingang dem E-Auto zum Durchbruch, mit SpaceX trieb er die Raketenentwicklung voran und bereitete der neuen privatwirtschaftlich orientierten Raumfahrt den Weg, New Space genannt. Starlink ist derzeit ohne Konkurrenz, Amazon baut sein eigenes System erst auf. Und bei Raketen hängen die United Launch Alliance von Boeing und Lockheed sowie New Glenn von Jeff Bezos deutlich hinterher. Auch die europäische Ariane 6 kann nicht so viele Starts gewährleisten wie SpaceX.

Wie komme ich an Aktien?
Für Kleinanleger aus Deutschland wird es schwierig, an Aktien zu kommen. Die Menge ist eingeschränkt, weil nur ein Teil an die Börse geht, und Großinvestoren wollen mit Milliarden einsteigen, etwa Blackrock, der größte Vermögensverwalter der Welt. Nach der Erstnotiz kann jeder die Aktie direkt an der Börse kaufen, wenn die eigene Bank oder der Wertpapierhändler das anbietet. Weil SpaceX sicher auch Teil von Raumfahrt- und Technologiefonds wird, lässt sie sich dann anteilig auch indirekt kaufen.
Wie wird sich der Kurs entwickeln?
Schwer zu sagen. Experten schätzen, dass viele große Anleger fürchten, eine Chance zu verpassen, wenn sie nicht kaufen. Das könnte den Kurs zunächst treiben. Allerdings ist die Bewertung sehr hoch, der Kurs könnte deshalb fallen. Chef Musk und seine unkonventionelle und konsequente Herangehensweise sind langfristig eine große Chance, aber auch das größte Risiko. So haben der Ausflug in die Politik und seine radikalen Ansichten Kurs und Renommee von Tesla beschädigt – zum Leidwesen der Aktionäre. Zudem kann gerade im Space-Geschäft immer etwas schiefgehen – oder explodieren.
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Wie steht es mit der Branche?
Die Raumfahrt hat sich von der staatlich getriebenen Branche zu einer privat finanzierten entwickelt. New Space hat einen Boom ausgelöst. Kostengünstige Massenfertigung ist einer der Treiber. Die Berater von Roland Berger schätzten zuletzt, dass der Markt für Weltrauminfrastruktur wie Raketen und Satelliten von 63 Milliarden Euro 2024 auf 264 Milliarden Euro 2040 zunimmt. Für Dienstleistungen aus dem All soll er sogar von 408 auf 1700 Milliarden Euro steigen. Satellitensysteme beobachten Tiere, optimieren Wettervorhersagen, steuern autonomes Fahren, verbessern die Landwirtschaft, erkennen Waldbrände. Geplant sind Fabriken im All, die für Pharma- oder Chip-Produktion in Schwerelosigkeit und Vakuum ausgestattet sind, Datencenter oder auch ein Monddorf als Zwischenstopp für Reisen zum Mars.
Wie steht es um die Raumfahrt in Deutschland?
Firmen aus Deutschland entwickeln kleine Raketen, die in Masse gefertigt vor allem Satelliten in eine Umlaufbahn von 500 Kilometern über der Erde schießen sollen. Aus dieser Höhe lässt sich die Erde besonders gut beobachten, die Kommunikationswege sind kurz. Zahlreiche Satellitenbauer und Dienstleister arbeiten an Geschäftsmodellen. Schub kommt auch vom Militär. Bis 2030 will die Bundesregierung 35 Milliarden Euro für Verteidigung im All ausgeben. Deutsche Firmen liefern unter anderem die Oberstufe der europäischen Rakete Ariane 6 und das Servicemodul des US-Mondprogramms Artemis.








