• Der Goldpreis klettert in diesem Jahr weiter auf Rekordhöhen
  • Auch ein anderes Edelmetall legt einen Höhenflug hin: Silber
  • Doch lohnt sich der Einstieg für Anleger?

Der Goldpreis kennt im Moment nur eine Richtung: nach oben. Am Montagmorgen überschritt der Preis für eine Feinunze Gold erstmals die Marke von 5000 Dollar (rund 4270 Euro), im frühen Handel kletterte der Kurs zeitweise auf 5093 US-Dollar. Bereits im vergangenen Jahr hatte Gold um 65 Prozent zugelegt – so stark wie seit 1979 nicht mehr. Experten führen den Anstieg vor allem auf die zahlreichen Konfliktherde weltweit zurück. Denn in Krisenzeiten ziehen Anleger traditionell ihr Kapital aus als riskant empfundenen Anlagen ab und legen ihr Geld verstärkt in Edelmetallen an.

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Doch die Bewegung bleibt nicht auf Gold beschränkt. Silber – lange Zeit eher der kleine Bruder des Edelmetalls – hat in den vergangenen Monaten deutlich aufgeholt. Am Montagmorgen kostete die Feinunze gut 103 Dollar. „Mit dem Anstieg über die Marke von 100 US-Dollar je Feinunze hat Silber einen historischen Meilenstein erreicht und steht klar im Zentrum der aktuellen Edelmetallrallye“, schreibt Alexander Zumpfe vom Edelmetallhändler Heraeus. Gleichzeitig ist Silber immer noch deutlich billiger als Gold, was es für viele Anleger attraktiv macht.

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Silberpreis steigt rasant: Nachfrage und knappe Vorkommen treiben Boom

Befeuert hatte das Interesse an Silber jüngst dessen Aufnahme in die US-Liste der kritischen Mineralien. Damit stuft die US‑Regierung Silber offiziell als kritischen Rohstoff ein, dessen Bestände für die nationale Sicherheit relevant sein können. Von Sonderzöllen für Silber sieht Washington bislang jedoch ab. Dennoch gehen die Silberpreise seit Monaten scheinbar durch die Decke: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate haben sie sich verdreifacht.

Hinter dem Boom steckt allerdings nicht nur die Nachfrage von Anlegern: Silber ist ein wichtiges Industriemetall. Gebraucht wird es zum Beispiel für die Produktion von Batterien oder in der Medizin. Auch bei den erneuerbaren Energien spielt Silber eine große Rolle, etwa bei der Herstellung von Solar-Paneelen oder Windrädern. Gleichzeitig sind die bekannten Vorkommen begrenzt: Experten gehen davon aus, dass sie nur noch wenige Jahrzehnte reichen. Entsprechend dürfte nach Erwartung der Großbank HSBC der Silberpreis auch im laufenden Jahr weiter steigen. Ähnlich beurteilt die Entwicklung der Washingtoner „World-Silver-Survey“.

Silberpreis reagiert stärker auf Konjunktur als Gold

Der Silbermarkt weist seit Jahren ein strukturelles Defizit auf, analysiert Heraeus. Physische Marktverwerfungen, regionale Engpässe und große Preisunterschiede zwischen Handelsplätzen verstärkten die Entwicklung. Zur Absicherung der Ersparnisse taugt das Edelmetall nach Meinung von Fachleuten nur bedingt. Wegen seiner Bedeutung für die Industrie reagiert der Silberpreis sensibler auf das Auf und Ab der Konjunktur als beispielsweise Gold. Schrumpft die Wirtschaftsleistung, zieht sie die Notierungen an der Börse für Silber häufig mit nach unten. Der Silberpreis entkoppele sich zusehends von den Goldnotierungen, beobachtet HSBC-Analyst James Steel. Besonders in der zweiten Jahreshälfte wachse das Risiko für Rücksetzer.

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Silber sei historisch für plötzliche Korrekturen bekannt, warnt auch Zumpfe vom Edelmetallhändler Heraeus: „Kurzfristige Gewinnmitnahmen sind jederzeit möglich.“ Die Rallye werde künftig womöglich weniger linear verlaufen. Das liegt auch daran, dass Preisbewegungen von der globalen Nachfrage getrieben werden. Ein wichtiger Faktor hierbei bleibt China, denn das Land arbeitet mit Hochdruck an silbersparenden Technologien.

Vom aktuell hohen Preisniveau profitieren nicht zuletzt Edelmetallhändler. Viele sprechen mit Blick auf 2025 bereits von einem Rekordjahr. Verbraucher, die Silber bei einem Edelmetallhändler kaufen möchten, sollten bedenken, dass diese an dem Handel mitverdienen wollen, rät die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ankaufs- und Verkaufspreise könnten deutlich auseinanderliegen. Beim Kauf von Silber fällt zudem – anders als bei Gold – die volle Mehrwertsteuer an, und wer keinen eigenen Safe hat, muss zusätzlich Kosten für die Aufbewahrung einplanen. Zudem benötigen Edelmetallhändler keine besondere Zulassung, was unseriöse Anbieter auf den Plan rufen kann, warnen die Verbraucherzentralen.

Altes Tafelsilber verkaufen: Was ist zu beachten?

Wer angesichts des hohen Preisniveaus altes Familiensilber zu Geld machen möchte, kann das unter anderem bei sogenannten Scheideanstalten tun. Das sind spezialisierte Unternehmen, die Edelmetalle aus Schmuck oder Besteck herauslösen und wiederverwerten. Berechnet werde der Silberanteil bei Löffeln und Gabeln nach dem prozentualen Gewichtsanteil, erklärt eine Sprecherin der ESG Edelmetall-Service aus Rheinstetten bei Karlsruhe: „Wegen des in letzter Zeit steil nach oben geschnellten Silberpreises wird man staunen, was seine Schubladenschätze aktuell für einen Wert haben.“

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Wer sein altes Tafelsilber verkaufen möchte, sollte zunächst prüfen, ob es sich tatsächlich um Silber handelt. Die ESG rät, nach einem Prägestempel zu suchen: Steht dort eine 800, 835, 925 oder das Wort „Sterling“, handele es sich wirklich um Silberbesteck. Zahlen wie 60, 80, 90, 100 oder 110 wiesen dagegen auf versilbertes Besteck hin.

Die Preise werden jeweils aktuell der Börsennotierung für Silber angepasst. Für 925er Tafelsilber gibt es laut ESG-Schätzung derzeit rund 1890 Euro pro Kilogramm. Bei versilbertem Besteck werde das in der Auflage enthaltene Silber vergütet. Aktuell liege die Vergütung hier je nach Menge zwischen 70 und 82 Euro je Kilogramm. Bei Messern sei zudem zu beachten, dass die Klinge in der Regel aus Stahl besteht und im Griff eingeklebt ist.