Scheinbar unbeeindruckt von politischen Konflikten und mauen Konjunkturerwartungen startet die Börse optimistisch in das neue Jahr. Am Mittwoch knackte der deutsche Börsenleitindex Dax mit 25.122 Punkten gleich einen neuen Rekord. Der Index der mittelgroßen Werte (MDax) erreichte den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2022. 

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Am Donnerstag und Freitag setzt sich die positive Entwicklung zunächst fort. Wegen ungünstiger Vorgaben aus den USA gab der Dax zwar zwischenzeitlich einen Teil der Gewinne des Mittwochs wieder ab. Die Marke von 25.000 Punkten wurde dennoch gehalten.

Börsenrekord trotz Wirtschaftskrise: Anleger hoffen auf sinkende Ölpreise

„Es mutet paradox an, dass die Aktienmärkte aufblühen, während die Weltpolitik anscheinend in Trümmer geht“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank. Aber die Wirtschaft werde nicht zertrümmert, sondern grundlegend umgebaut. Das setze enorme Investitionen in Gang, teilweise über staatliche Infrastrukturprogramme und zum anderen durch den weltweiten Wettlauf um die beste KI.

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Auch Erleichterung darüber, dass es wegen des Angriffs der USA auf Venezuela bislang nicht zu einem dauerhaften militärischen Konflikt gekommen ist, treibt offenbar die Neujahrs-Rally. Vielmehr hoffen Anleger auf sinkende Ölpreise. Günstiges Öl kurbelt die Wirtschaft an und dämpft die Inflation. Beides ist gut für die Börsen. 

Viele Dax-Konzerne fahren ihre Gewinne im Ausland ein

Erfreulich ist aus Sicht der DZ-Bank, dass der Aufschwung von einer breiten Basis getragen werde und nicht nur von Einzelwerten. Überdies stammten die Top-Performer aus unterschiedlichen Sektoren. „Der Dax dürfte im Jahresverlauf weiter aufwärts tendieren“, prognostizieren die DZ-Bank-Analysten deshalb. Neue historische Höchststände bis in die Region um 27.500 Punkte halten sie für möglich.

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Börsianer setzen auf eine robuste Entwicklung in wichtigen Regionen der Welt. Viele im Dax notierten Konzerne agieren weltweit und können sich deshalb von der zähen Konjunktur auf dem Heimatmarkt unabhängiger machen. Ein wesentlicher Teil der Umsätze und Gewinne werde außerhalb Deutschlands erwirtschaftet, betonen die Anlageexperten von Allianz Global Investors. Für 2026 rechnen sie mit einem soliden Gewinnwachstum für viele Dax-Schwergewichte, insbesondere bei Software, Investitionsgütern und im Finanzsektor. Spannend wird für Anleger die in Kürze beginnende Berichtssaison, in welcher Unternehmen auch einen Ausblick auf die kommenden Monate geben.

„Für 2026 passt das Bild einer Dampflok sehr gut“, findet Tilmann Galler, aus dem J.P. Morgan Asset Management: Der Kessel werde noch einmal richtig aufgeheizt.

Gefahr für Rückschläge wächst

Die schnelle Entwicklung birgt allerdings auch die Gefahr von Rückschlägen. Die neuen geopolitischen Rivalitäten können nach Ansicht von Ulrich Kater zu Stolpersteinen für die Weltwirtschaft werden. Von weiteren militärischen Konflikten bis hin zu einer ausufernden Kreditvergabe an Technologiefirmen reicht seine Liste der Risiken. Im ersten Halbjahr 2025 haben Tech-Investitionen ein Drittel zum US-Wirtschaftswachstum beigetragen. In den wichtigsten US-Börsensegmenten steigt das Gewicht weniger, sehr großer Unternehmen. Manche Beobachter sorgen sich vor einer Blasenbildung im Technologiesektor, zumal noch nicht klar ist, wie sich die Nachfrage entwickeln wird. Galler verweist auf bislang geringe Nutzerzahlen kostenpflichtiger KI-Abos. Auch Rohstoffengpässe und brüchige Lieferketten könnten die Märkte hart treffen. Galler rät Anlegern dazu, ihr Portfolio breiter zu diversifizieren.

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Weil die Verhältnisse volatiler werden, kommt auch dem Anlagezeitpunkt eine größere Bedeutung zu, rechnet die Hamburger Sutor-Bank vor. Zwar habe der Dax im Jahr 2025 um mehr als 20 Prozent zugelegt, sagt der Leiter Private Banking, Mathias Beil: „Wer aber die drei besten Börsentage des Jahres verpasst hat, erzielte nur noch eine Rendite von 8,9 Prozent.“